"Relaxdays"

"Relaxdays": Halles Online-König heißt Martin Menz

halle (saale)/MZ - Mit nur 28 Jahren bereits Chef einer eigenen Firma mit 70 Mitarbeitern. Von Anfang an auf Wachstumskurs: Der Hallenser Martin Menz ist schon nach acht Jahren dort, wohin Unternehmer aus weniger wachsenden Branchen (wenn überhaupt) erst nach viel längerer Zeit kommen. Menz’ Internethandelsfirma „Relaxdays“ verkauft Haushalts-, Gesundheits- und Sportprodukte aller Art in ganz Europa. Ein Ende des Nachfrage-Booms ist nicht absehbar. Obwohl das Unternehmen erst vor zwei Jahren in ein größeres Betriebsgelände an der Berliner Straße gezogen ist, deuten sich schon jetzt Kapazitätsengpässe ...

Von michael tempel
Martin Menz ist der Kopf von Relaxdays.

Mit nur 28 Jahren bereits Chef einer eigenen Firma mit 70 Mitarbeitern. Von Anfang an auf Wachstumskurs: Der Hallenser Martin Menz ist schon nach acht Jahren dort, wohin Unternehmer aus weniger wachsenden Branchen (wenn überhaupt) erst nach viel längerer Zeit kommen. Menz’ Internethandelsfirma „Relaxdays“ verkauft Haushalts-, Gesundheits- und Sportprodukte aller Art in ganz Europa. Ein Ende des Nachfrage-Booms ist nicht absehbar. Obwohl das Unternehmen erst vor zwei Jahren in ein größeres Betriebsgelände an der Berliner Straße gezogen ist, deuten sich schon jetzt Kapazitätsengpässe an.

Der Internetversand Relaxdays hat laut Geschäftsführer Martin Menz im vergangenen Jahr 8,5 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Verkauft wird über eine eigene Internetpräsenz sowie über die Plattformen der Branchenriesen Amazon und Ebay. Darüber hinaus vertreiben etwa 100 Partner-Internethändler in ganz Europa Relaxdays-Produkte, die laut Menz ausschließlich in Fernost hergestellt werden.

Menz ist in Halle der wohl jüngste Inhaber einer Firma mit dieser Personalstärke. Neben dem Umzug war die Anschaffung einer automatischen Karton-Falt- und -Befüllungsanlage der jüngste Expansionsschritt. Die 440.000?Euro teure Technik aus Dänemark läuft seit eineinhalb Monaten im angemieteten einstigen Karosseriewerk. Sie soll den täglichen Ausstoß an versandfertigen Päckchen erhöhen helfen. „In der Spitzenzeit vor Weihnachten verschicken wir 6.000 bis 7.000 Pakete am Tag. Bislang haben wir die Kartons dafür noch per Hand gefaltet“, erzählt Menz und lächelt. Ihm zufolge ist sein Onlinehandel der inzwischen zweitgrößte in der Stadt - nach der Versandapotheke „Zur Rose“ in der Thüringer Straße.

Ein ungelernter Firmenboss

Während andere Altersgenossen noch im Hörsaal sitzen und die nächste Party planen, führt der gebürtige Hallenser Menz Verhandlungen mit seinen Herstellern in Asien oder mit Vertriebspartnern. Seine ersten Schritte als Internethändler hatte er 2006 als 20-Jähriger von zu Hause aus unternommen. „Angefangen hat es mit 2.000?Euro Startkapital und mit dem Verkauf von Kopf-Massage-Krallen.“ Diese zählen auch heute noch zum Sortiment mit mehr als 4.000?Produkten genau wie Fußmatten, Töpfe, Campingzelte und Kleinmöbel. Das Studium hatte er schon bald abgebrochen. Menz: „Parallel BWL und den Internethandel - ich hab’s nicht hinbekommen.“ Ein ungelernter Firmenboss. „Ich verfüge nur über ein Abiturzeugnis und einen Führerschein.“

Menz’ Werdegang nötigt vielen in der regionalen Wirtschaft Respekt ab. Die Industrie- und Handelskammer verlieh ihm im vergangenen Jahr den Gründerpreis. „Das ist schon etwas Außergewöhnliches, in so jungen Jahren so erfolgreich zu sein und eine Firma dieser Größenordnung zu haben “, sagt IHK-Sprecher Stefan Möslein. Menz versteht es zudem, Netzwerke zu knüpfen und Kontakte zu nutzen.

Chancen geben

So arbeitet er bei der Rekrutierung seiner Mitarbeiter eng mit der Agentur für Arbeit zusammen. „Etwa die Hälfte der Belegschaft ist von der Agentur vermittelt worden.“ Die Einstellungen wurden zum Teil mit Fördermitteln und durch Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt. Dabei haben bereits auch ältere Arbeitslose eine Chance bekommen. Das brachte Menz eine Auszeichnung durch die Initiative „Jahresringe“ ein.

Das Unternehmerdasein hat freilich seinen Preis. Viele Freundschaften sind - weil für sie keine Zeit mehr ist oder weil die Interessen völlig verschiedene sind - auf der Strecke geblieben. Andererseits achtet Menz nach eigener Aussage darauf, dass die Freizeit, seine Familie und seine Freundin nicht zu kurz kommen. „Ich arbeite acht bis zehn Stunden pro Tag.“ So spielt er in einem Verein Tischtennis und regelmäßig Fußball. „Ich mache auch Party, so ist das nicht.“