Versandhandel „Relaxdays“

„Relaxdays“ aus Halle: Halles Online-König hat schon eine neue Vision

Halle (Saale) - Einhundert neue Mitarbeiter und 31 Millionen Euro Umsatz in diesem Jahr: Der Internethändler „Relaxdays“ hat sein Ziel erreicht und eine Vision.

Von Tanja Goldbecher

An der ganzen Wand im Flur des Bürogebäudes hängen A4-Blätter. Auf jedem einzelnen ist ein Stellenangebot abgedruckt. Softwareentwickler, Mitarbeiter für den Kundenservice und Datenbankmanager sucht der hallesche Internethändler „Relaxdays“ – immer noch. Rund einhundert neue Mitarbeiter hat Geschäftsführer Martin Menz bereits in diesem Jahr eingestellt. Aber er will noch mehr.

Menz - 33, gebürtiger Hallenser, adrettes Auftreten - führt in den modern eingerichteten Besprechungsraum seines Unternehmens. Er zeigt auf die Massivholzmöbel und bunten Sessel. „Fast alles hier stammt aus China“, sagt der Unternehmer. China, Taiwan und Vietnam sind die Länder, aus denen er seine Garten- und Freizeit-Produkte bezieht und dann in ganz Europa im Internet zum Verkauf anbietet.

Internethändler Relaxdays aus Halle: Das Geschäft läuft

Das Geschäft läuft. 30 Millionen Euro Umsatz wollte Menz in diesem Jahr erreichen, 31 Millionen hat er geschafft. „Wir sind um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gewachsen“, sagt er. Das Weihnachtsgeschäft stelle zwar einen gewissen Bonus dar, aber Martin Menz will sich nicht nur zur Hochkonjunktur des Handels, sondern das ganze Jahr über steigern. Aktuell bietet er in seinem Sortiment 3.500 Waren an, bald sollen es 5.000 sein. Zwei neue Lagerhallen hat er 2018 angemietet. „Wir machen alles richtig, da kommt diese Entwicklung von ganz allein.“

Menz’ Aufstieg ist für Halle herausragend. Er symbolisiert aber auch in gewisser Weise den Abstieg des Offline-Handels. Selbst wenn die Innenstadthändler in Halle zufrieden waren mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft: Langfristig sieht es schlecht für sie aus. Der Umsatz des Interhandels hat sich seit 1999 in Deutschland jedes Jahr stetig erhöht. Laut dem Handelsverband Deutschland liegt er 2018 bei rund 53 Milliarden Euro. Forscher der Universität Regensburg haben prognostiziert, dass der Anteil der Online-Umsätze am Einzelhandel bis zum Jahr 2023 auf 19,8 Prozent ansteigen wird.

Internethändler Relaxdays aus Halle: „Es gibt einen Wandel in der Gesellschaft“

Dass der Internethandel die Existenz des bisherigen Einzelhandels bedroht, sieht Menz gelassen. „Es gibt einen Wandel in der Gesellschaft“, sagt der Jungunternehmer. Die anderen Händler hätten genauso wie er die Möglichkeit, sich auf diese Veränderung einzustellen. „Als Menschen von Pferden auf Autos umgestiegen sind, hat doch auch niemand die Pferde gefragt, wie sie das finden“, fügt er hinzu. Denkt man diesen Vergleich zu Ende, dann shoppen wir irgendwann nur noch bei den BMWs und Audis des Internethandels - also „Amazon“, „Alibaba“ und vielleicht „Relaxdays“?

Auch was derzeit politisch im halleschen Einzelhandel geschieht, tangiert Martin Menz kaum. Vor Kurzem hat der Stadtrat zum Beispiel entschieden, dass Rewe keinen neuen Supermarkt in Heide-Süd bauen darf. Denn das würde dem Einzelhandelskonzept der Stadt Halle widersprechen, das festlegt, wo sich Geschäfte außerhalb der Innenstadt ansiedeln dürfen. In der Dezembersitzung des Stadtrats stand zur Debatte, ob Globus eine neue Filiale an der Dieselstraße eröffnen darf und das Einzelhandelskonzept dafür angepasst wird. Die Mehrheit der Stadträte sprach sich in diesem letzteren Fall dafür aus.

Internethändler Relaxdays aus Halle: „Auch der Lebensmittelhandel wird zukünftig immer stärker im Internet stattfinden“

Spricht man Martin Menz darauf an, dann winkt er ab. „Auch der Lebensmittelhandel wird zukünftig immer stärker im Internet stattfinden“, sagt er. Dann gehe es nicht mehr darum, große Verkaufsflächen zu finden, sondern um die besten Lager- und Auslieferungsmöglichkeiten. Mit seinen beiden neuen Hallen in Queis kommt „Relaxdays“ nun auf 45.000 Quadratmeter Lagerfläche. Das reiche für die nächsten zwei Jahre noch aus.

An seinem Standort an der Berliner Straße will er festhalten. Allerdings eröffnet Menz im kommenden Jahr ein weiteres Büro in Dresden. Außerdem ist perspektivisch ein Standort des Unternehmens in Leipzig geplant. Viele seiner internationalen Mitarbeiter würden aus Leipzig derzeit nach Halle pendeln. Genau das stellt für ihn aber auch einen großen Nachteil an Halle dar. „Ständig gibt es Probleme mit der Bahn-Verbindung und der Strecke zwischen Halle und Leipzig“, sagt der 33-Jährige. Er will durch solche äußeren Umstände keinen seiner Mitarbeiter verlieren. Menz weiß, dass die Stadtverwaltung nichts dagegen unternehmen kann. Es schmälere jedoch die Attraktivität der Stadt für Unternehmer.

Von der Verwaltung verlangt er dennoch eine gewisse Initiative. „Die Stadt sollte sich nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern insgesamt eine Entwicklung anstreben.“ (mz)