Hickhack um Schwimmhallen-Name am Ende?

Paul Biedermann lehnt Ehrung in Halle nach Hickhack um Schwimmhallen-Name ab

Halle (Saale) - Halles Ex-Weltmeister hat die Debatten um seine Person offenbar satt. Im Hauptausschuss gibt es keine Mehrheit für eine Umbenennung der Schwimmhalle.

Von Dirk Skrzypczak 25.01.2019, 09:06

Paul Biedermann ist ein angenehm bescheidener Mensch, der mit seinen Erfolgen selbst nicht hausieren geht, lieber im Hintergrund bleibt. Die monatelangen Diskussionen über das Für und Wider einer Taufe der Schwimmhalle in der Robert-Koch-Straße, die nach einem Vorschlag von Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) den Namen Biedermanns tragen soll, hat der Ex-Weltmeister klaglos ertragen.

Doch nach der Hauptausschusssitzung am Mittwoch, als eine knappe Mehrheit die Umbenennung ablehnte und stattdessen für den Änderungsantrag der Mitbürger stimmte, platzte dem 32-Jährigen der Kragen. „Die Mitbürger haben mich in ihren Vorschlag nicht einbezogen und auch nicht weiter dazu kontaktiert. Daher lehne ich diesen ab“, sagte Biedermann am Donnerstag der MZ.

Ehrung für Paul Biedermann in Halle: Tafel oder Stipendium

Damit nimmt das Desaster um einen angesehenen Sportler seinen Lauf. Am Mittwoch wollte der OB die Entscheidung noch einmal vertagen, um weitere Argumente pro Namensgebung einzuholen, wie es hieß. Doch nicht nur Bodo Meerheim (Linke) war dagegen: „Wir schieben das Thema lange genug vor uns her.“ Durch Hinhalten werde es nicht besser. Im Kern dreht sich die Debatte in der Stadtpolitik um folgende Fragen: Ist es sinnvoll, Namensrechte für Gebäude schon zu Lebzeiten der Geehrten zu vergeben?

Ist Biedermann zu jung dafür? Und wäre die Diskussion in eine andere Richtung gegangen, hätte der OB zuerst die Fraktionen in seine Idee eingebunden, statt in die Öffentlichkeit zu preschen? Die Mitbürger hatten nach eigenen Worten einen Kompromiss gesucht. Sie schlagen vor, eine Tafel an oder in der Schwimmhalle mit Biedermanns Vita aufzustellen. Oder ein Paul-Biedermann-Stipendium auszuloben, „als lebendige Ehrung“, wie es Fraktions-Chef Tom Wolter formulierte.

Diskussion um Schwimmhalle: Geht es wirklich um Paul Biedermann?

Aber geht es wirklich um Biedermann? Oder wird - wieder einmal - der Konflikt zwischen OB und Teilen des Stadtrats ausgefochten? Davon jedenfalls geht Wiegands Büroleiterin Sabine Ernst aus. „Die Diskussion über die Art der Ehrung halte ich für vorgeschoben, weil der Vorschlag eben aus der Verwaltung kam.“ Tom Wolter (Mitbürger) und Inés Brock (Grüne) konterten im Ausschuss diese Bemerkung.

„Sie haben eine Idee vorgebracht, ohne sie mit uns abzusprechen. So wie Sie es immer tun. Damit bringen Sie uns in die Bredouille“, sagte Wolter in Richtung OB und ergänzte, dass man einen Änderungsantrag gestellt habe, „weil wir ihn besser finden“. Brock pflichtete ihm bei. Niemand wolle Biedermann beschädigen oder seine Leistungen anzweifeln. „Eine Ikonisierung durch Benennungen ist aber nicht hilfreich.“

Biedermann-Halle als Aufbruchsignal? Das sagt ein Wissenschaftler

Während Wiegand eine Biedermann-Halle als Aufbruchsignal für den Nachwuchssport und als Botschaft sieht, die verlorene Einstufung als Bundesleistungsstützpunkt zurückholen zu wollen, verlas Ernst eine Stellungnahme von Andreas Hahn, Sprecher der Kommission Schwimmen der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Sportwissenschaft an der Martin-Luther-Universität in Halle.

Hahn bezeichnete Biedermann als Ausnahmeathleten, der ein Jahrzehnt im Leistungssport geprägt habe. „Ja, man sollte die Halle nach ihm benennen.“ In Städten wie Dresden oder Erfurt sei diese Praxis üblich. Das letzte Wort hat nun der Stadtrat am 30. Januar. Gut möglich, dass sich die Abstimmung nach Biedermanns Erklärung erledigt hat. (mz)