Otto Möhwald (†

Otto Möhwald (†): Der hallesche Maler ist 83-jährig bei einem Unfall gestorben

Halle (Saale) - Wenn er durch seine Stadt Halle ging, deren Ansichten er so faszinierend festgehalten hat, musste man unwillkürlich stehen bleiben: Mit festen, regelmäßigen Schritten lief der zartgliedrige Mann, nicht eilig, aber auch nicht schlendernd, die Hände dabei oft hinter dem Rücken verschränkt, den Kopf ein wenig geneigt, als höre einer Stimme nach, den Blick sonderbar ...

Von Andreas Montag 31.10.2016, 17:31
Der Maler und Grafiker Otto Möhwald
Der Maler und Grafiker Otto Möhwald dpa-Zentralbild

Wenn er durch seine Stadt Halle ging, deren Ansichten er so faszinierend festgehalten hat, musste man unwillkürlich stehen bleiben: Mit festen, regelmäßigen Schritten lief der zartgliedrige Mann, nicht eilig, aber auch nicht schlendernd, die Hände dabei oft hinter dem Rücken verschränkt, den Kopf ein wenig geneigt, als höre einer Stimme nach, den Blick sonderbar entrückt.

Bis 1999 leitete Otto Möhwald als Professor die Malklasse der Kunsthochschule Burg Giebichenstein

Welt- oder lebensfern ist Otto Möhwald allerdings durchaus nicht gewesen, sondern jemand, der sehr entschieden bei sich und seinen künstlerischen Positionen war. Auch wenn er nicht unter den ersten war, die sich zu Wort meldeten - der Mann, der Mann, der bis 1999 als Professor die Malklasse der Kunsthochschule Burg Giebichenstein leitete, hatte, wenn er dann sprach, etwas zu sagen. Mit Entschiedenheit, aber auch mit feinem Humor.

Aber vor allem war er mit seinen Angelegenheiten beschäftigt, mit der Kunst also. Seine Gemälde und Grafiken weisen ihn als genauen, liebevollen Beobachter aus - und als Meister der Melancholie. Mancher, der seine halleschen Stadtlandschaften erstmals sah, hat sie als einen Beleg der Tristesse nehmen wollen, die man der „Diva in Grau“ ewig nachredet. Aber die Bilder, auf denen tatsächlich viele Grautöne, Mauern und scheinbare Leere dominieren, sind zugleich doch keine Zeugnisse der Ausweglosigkeit. Das besondere Licht macht hier den Unterschied, es sendet Zeichen des Lebens. Nicht anders als bei diesen Landschaften ist es mit Möhwalds stillen, schönen Akten, die das Gefühl des Geschütztsein, der Selbstbewusstheit und Kraft mitteilen.

Dass Otto Möhwald, geboren am 19. Januar 1933 in Krausebauden, Böhmen, nun gestorben ist - es mutet ganz und gar unglaubhaft an. Man hat ihn eben noch bei uns gewusst, wie einen lieben Nachbarn und Freund. Nun werden die Bilder seine Gegenwart bezeugen müssen. Besonders tragisch: Er starb bei einem Unfall - auf ähnliche Weise wie vor knapp 14 Jahren seine Frau, die Keramikerin Gertraud Möhwald. Auch sie war weit über die Region hinaus renommiert.

Beide, Gertraud und Otto Möhwald, hatten einander hier kennengelernt, 1952 heirateten sie. Martin Möhwald, ein Sohn, ist selbst ein anerkannter Keramiker, der Enkel Clemens Meyer, der als Schriftsteller in Leipzig lebt, hat es gleichfalls zu großer Bekanntheit gebracht.

Nach einer seiner Lesungen vor ein paar Jahren in Halle saßen beide, Clemens Meyer und Otto Möhwald, gemeinsam mit Freunden und Gästen in heiterer Runde auf Bierbänken hinter dem Neuen Theater, mit Blick auf den Universitätsplatz. Um Halle ging es im Gespräch, um Kunst natürlich. Es war ein schöner Abend. Und bleibt nun als Denkmal in Erinnerung.

(mz)