Norman Finkelstein in Halle

Norman Finkelstein in Halle: Bundestagsabgeordneter hält Einladung für eine „Schande“

Halle (Saale)/Berlin - Einladung des umstrittenen amerikanisch-jüdischen Wissenschaftlers Norman Finkelstein an das hallesche Max-Planck-Institut für Ethnologie

Von Silvia Zöller

Nach dem Arbeitskreis Antifa und der jüdischen Gemeinde soll sich nun auch Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) mit der Einladung des umstrittenen amerikanisch-jüdischen Wissenschaftlers Norman Finkelstein an das hallesche Max-Planck-Institut für Ethnologie beschäftigen. Das fordert der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck in einem Brief an das Max-Planck-Institut, das auch die Ministerin und Medien erhalten haben.

Beck hält es für eine - so wörtlich - Schande, in der Woche des Holocaustgedenktages Stimmung gegen Israel zu machen und bezieht sich dabei auf den für den heutigen Montag angesetzten internen Workshop am Max-Planck-Institut mit Finkelstein unter dem Titel „Gaza: eine Untersuchung seines Martyriums“. Sollte die Veranstaltung stattfinden und Antworten auf Becks Nachfragen an das Max-Planck-Institut im Zusammenhang mit der Einladung Finkelsteins nicht bis Dienstagabend beantwortet sein, so will Beck das Ministerium Aufklärung bitten und gegebenenfalls die Bundesregierung mit einschalten.

Norman Finkelstein sei in Deutschland vor allem für sein Werk „Die Holocaust-Industrie“ bekannt

Finkelstein sei in Deutschland vor allem für sein Werk „Die Holocaust-Industrie“ bekannt, so Volker Beck. Dieses habe wegen seiner sachlichen Fehler und seinen ungerechtfertigten Pauschal-Angriffen auf die Jewish Claims Conference vor allem in rechtsradikalen Medien hohen Zuspruch gefunden, in der Fachwelt und von jüdischen Organisationen habe es dagegen Ablehnung und scharfe Kritik erfahren. „Im Nahostkonflikt hat Finkelstein die Terrororganisationen Hisbollah und Hamas wiederholt verharmlost und sich mit ihnen solidarisch gezeigt. Für Israel hat er eine Einreisesperre“, erläutert Beck weiter.

In einer Stellungnahme nach Protesten, die es bereits in der Vorwoche gab, hat das Max-Planck-Institut bereits die Einladung Finkelsteins nach Halle begründet: „Uns ist es als wissenschaftliches Institut ein Anliegen mit Dr. Finkelstein über seine Forschungsarbeiten ins Gespräch zu kommen. Kontroversen sind dabei nicht auszuschließen.“ Nachwuchswissenschaftler sollen so an den akademischen Diskurs herangeführt werden, so eine Presseerklärung. (mz)