Neue Vorwürfe gegen Manfred Kübler

Neue Vorwürfe gegen Manfred Kübler: Volksbank Halle will Vorstand entlassen

Halle (Saale) - Dort, wo die Affäre um den Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Halle erstmals öffentlich geworden ist, soll sie nun enden: im Maritim Hotel am Riebeckplatz. Auf einer Versammlung von gewählten Volksbank-Mitgliedern am 7. August steht die sofortige Kündigung des Vertrages mit Manfred Kübler und damit seine endgültige Amtsenthebung auf dem Programm. Bislang war der einst mächtige Bankenchef wegen schwerer Vorwürfe lediglich ...

Von Jan-Ole Prasse 24.07.2015, 05:37

Dort, wo die Affäre um den Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Halle erstmals öffentlich geworden ist, soll sie nun enden: im Maritim Hotel am Riebeckplatz. Auf einer Versammlung von gewählten Volksbank-Mitgliedern am 7. August steht die sofortige Kündigung des Vertrages mit Manfred Kübler und damit seine endgültige Amtsenthebung auf dem Programm. Bislang war der einst mächtige Bankenchef wegen schwerer Vorwürfe lediglich beurlaubt.

Erstmals vor drei Monaten hatten sich im Maritim die Volksbank-Vertreter getroffen, um über die Personalie Kübler zu beraten. Damals war der 62-Jährige noch mit einem blauen Auge davon gekommen, obwohl mehrere Aufsichtsräte das angeblich zu hohe Gehalt und unsichere Kreditvergaben an Kübler scharf kritisiert hatten. Anfang Juni dann hatte der Aufsichtsrat Kübler beurlaubt. Er hatte das Institut seit Mitte der 90er Jahre geleitet. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Vorstandsvorsitzenden wegen Untreueverdachts.

Vorstrafe wegen Steuervergehen

Nun soll Kübler endgültig aus dem Amt entfernt werden: Die Bankenaufsicht Bafin mit Sitz in Frankfurt hat die Ergebnisse ihrer Recherchen dem Aufsichtsrat mitgeteilt. So soll Kübler „erheblich strafrechtlich vorbelastet“ sein. Nach MZ-Informationen hat er im Jahr 2007 am Amtsgericht Stuttgart einen Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung über ein Jahr Haft, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung, akzeptiert. Offenbar war das in Halle bislang unbekannt. Fraglich ist, ob Kübler sonst sein Amt hätte weiterführen können. Erst durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Halle Anfang Juli sei die Verurteilung bekannt geworden. Die liegt aber offenbar zu lange zurück, um jetzt noch eine entscheidende Rolle zu spielen.

Das Schreiben der Bafin listet zudem eine ganze Reihe von möglichen Verstößen Küblers auf. Der Vorstandsvorsitzende habe einen Teil seiner Kredite bei der Volksbank in Höhe von 1,3 Millionen Euro für die Finanzierung von privaten Immobilien verwendet - Sicherheiten gab es nicht. Denn die Häuser sollen nicht ihm, sondern Familienangehörigen gehören. Darin sieht die Bafin ein besonderes Risiko für die Volksbank.

Sollte Kübler nun außerordentlich gekündigt werden und damit sein Gehalt wegfallen, sei die Rückzahlung der Kredite akut gefährdet. Dies würde einen erheblichen Vermögensschaden für die Bank nach sich ziehen. Doch auch eine normale Kündigung wäre für die Volksbank teuer. Laut Bafin-Schreiben steht Kübler in diesem Fall eine Abfindung von mehr als 3,5 Millionen Euro zu - so ist es in Küblers Vertrag festgehalten.

Auch die bisherige Vergütung des beurlaubten Vorstandsvorsitzenden wird von der Bankenaufsicht scharf kritisiert. Sie sei überhöht und nicht mehr angemessen. Nach MZ-Informationen erhält Kübler pro Jahr etwa 600 000 bis 700 000 Euro Bruttogehalt inklusive Tantiemen. Solche Bezüge erhielten laut Bafin nur Vorstandsvorsitzende von Banken mit einer Bilanzsumme von etwa 24 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Volksbank Halle hat nur ein Fünfzigstel davon, nämlich 540 Millionen Euro. Kübler ließ eine MZ-Anfrage gestern erneut unbeantwortet. Die Bank will jetzt vollständige Aufklärung betreiben. Dazu hat der Aufsichtsrat nach MZ-Informationen beschlossen, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers eine Untersuchung in der Bank vornimmt.

Fehlende Sachkunde

Vorwürfe erhebt die Bankenaufsicht darüber hinaus gegen drei Aufsichtsratsmitglieder. Sie waren für die Vergütung und die Kreditvergabe an Kübler hauptsächlich zuständig. Die Entscheidungen „begründen Zweifel an der Zuverlässigkeit beziehungsweise erforderlichen Sachkunde“, heißt es in dem Schreiben. Die anderen sieben Mitglieder im Aufsichtsrat der Volksbank seien über die ungesicherten Kredite an Kübler und über dessen detaillierte Vergütung bis zum Jahr 2014 nicht in vollem Umfang informiert gewesen.

Deshalb steht nicht nur Kübler im Zentrum der Kritik: Auch der Aufsichtsrat soll abgewählt werden. Viele Volksbank-Mitglieder sehen bei den Aufsichtsräten eine Mitschuld an der Affäre um den langjährigen Bankenboss. (mz)