Markt gibt Geheimnisse preis

Halle/MZ. - Angesichts solcher Bodendenkmale, wie der archäologische Begriff lautet, schlagen die Herzen aller Fachleute höher. Auch wenn die Funde, wie der aus Franken stammende Herrmann sagt, "nicht alle museal aufbereitet werden können". Die Grabungsfelder werden vermessen, gezeichnet, fotografiert und topografisch erfasst - und anschließend wieder geschlossen. "Es geht nicht anders", sagt der Fachmann. Spannend fände er aber, die entdeckten Fundamente in Form einer Pflasterzeichnung lebendig werden zu lassen. "Damit bekämen die Hallenser wichtige Informationen über ihre Stadtgeschichte", sagte ...

Von Kornelia Privenau

Angesichts solcher Bodendenkmale, wie der archäologische Begriff lautet, schlagen die Herzen aller Fachleute höher. Auch wenn die Funde, wie der aus Franken stammende Herrmann sagt, "nicht alle museal aufbereitet werden können". Die Grabungsfelder werden vermessen, gezeichnet, fotografiert und topografisch erfasst - und anschließend wieder geschlossen. "Es geht nicht anders", sagt der Fachmann. Spannend fände er aber, die entdeckten Fundamente in Form einer Pflasterzeichnung lebendig werden zu lassen. "Damit bekämen die Hallenser wichtige Informationen über ihre Stadtgeschichte", sagte Herrmann.

Und die Hallenser sind neugierig. Seit Beginn der Ausgrabungen Mitte August kommen sie in Scharen zur Baustelle. Paul Schallert aus Neustadt, Irene Rademacher aus der Torstraße und die beiden Gymnasiasten Florian und Christopher sind fast täglich auf dem Markt. Schallert hat immer seinen Fotoapparat dabei. "Ich interessiere mich sehr für die Geschichte der Stadt. Die Ausgrabungen halte ich alle fest", sagt er. Frau Rademacher unterhält sich manchmal auch ein paar Minuten mit den Archäologen. "Die erklären einem alles sehr geduldig", meinte die 63-Jährige.

Bevor alle Funde bearbeitet und dokumentiert sind, vergehen Jahre. Die Bauleute können natürlich so lange nicht warten. Der Markt soll bis zum Stadtjubiläum fertig sein. Und: Der Winter steht vor der Tür. Das verursacht enormen Termindruck, den auch Herrmann und seine etwa zehn Mitstreiter zu spüren bekommen. "Es wäre besser gewesen", so der Bodendenkmalpfleger, "wenn wir schon in der Planungsphase mit am Tisch gesessen hätten. Es musste doch allen Beteiligten klar sein, dass man am Markt auf verschiedenste Funde stoßen würde."

Das jetzt offenbarte Kapitel Stadtgeschichte könnte den Markt so beschreiben: Im Mittelalter lag der Platz auf einem Hügel, der zur Saale hin abfiel. Ein Bummel war ohne jeden Spaßfaktor: Dreck und Schlamm, je nach Jahreszeit, machten Handel und Wandel nicht gerade zum Vergnügen. Der Markt hatte auch längst nicht die Größe des heutigen Platzes. Zersiedelt, ein Friedhof an der Kirchmauer und zahlreiche Bauten mit Steinsockel und aufgesetztem Holzfachwerk prägten sein Gesicht . . .

Diese Angaben dürften schon recht präzise sein, findet die Vor- und Frühgeschichtlerin beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Dr. Caroline Schulz. Die temperamentvolle Hamburgerin, seit 1996 mit Familie Wahl-Hallenserin, ist fasziniert von den mittelalterlichen Funden. Ihre Behörde ist an beinahe jeder Baustelle, vom privaten Häuslebauer bis zur Autobahn, beteiligt, wie sie sagt. Die Genehmigung des Landesamtes ist Bestandteil der Bau- und Sanierungsgenehmigung überall da, wo Funde zu erwarten sind, sagt sie weiter.

Frauen- und Kinderskelette und Holzsärge, die vor dem Marktschlösschen geborgen wurden, lagern in Magazinen, bis Anthropologen sie untersuchen. Caroline Schulz: "Das ist spannend. Man kann mit der entsprechenden Technik nicht nur die Art des Holzes, sondern auch sein Alter feststellen." Und die menschlichen Überreste sprechen ihre eigene Sprache. "Krankheiten und Mangelerscheinungen zu Lebzeiten, Alter, Geschlecht und Todesursache, all das fördern die Untersuchungen ans Licht", sagt sie.