Studentenheim oder Kongresshotel?

Maritim in Halle (Saale): Tauziehen um die Zukunft des ehemaligen Hotels

Halle (Saale) - Die Stadt Halle (Saale) funkt bei Plänen, aus dem Hotel ein Studentenwohnheim zu machen, dazwischen. Wie reagiert der Investor?

Von Dirk Skrzypczak 29.08.2017, 13:00

Wie lange die Landesregierung mit den Bankimmobilien aus Halle und der privaten Maritim-Besitzerin über die Zukunft des einstigen Vier-Sterne-Hotels am Riebeckplatz verhandelt, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass es den konkreten Plan gibt, hier ein Studentenwohnheim einziehen zu lassen.

Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos), dem das Projekt ein Dorn im Auge ist, schlägt nun mit der Beschlussvorlage „VI/2017/03267“ zurück: Dahinter verbirgt sich ein Bebauungsplan für das „Östliche Königsviertel“, der am 12. September erstmals dem Ausschuss für Planungsangelegenheiten vorgelegt wird. In diesem Papier wird das Maritim-Areal als Fläche für ein Tagungs- und Kongresshotel ausgewiesen. Dem Studentenwohnheim soll so ein Riegel vorgeschoben werden.

Teure Miete, aber keine Bewohner: Land will das Maritim so schnell wie möglich loswerden

Für 12,6 Millionen Euro würde die Besitzerin das Gebäude verkaufen. Und das Land ist bereit, über drei Millionen Euro als Mitgift zuzuschießen. Innen- und Finanzministerium sind aus purem Eigennutz an einer schnellen Einigung interessiert.

Im Herbst 2015 hatte das Land das Maritim als Erstaufnahmeeinrichtung zur Unterbringung von Flüchtlingen gemietet - bis September 2018. Allerdings sind die letzten Geflüchteten schon vor Monaten ausgezogen. Die Mietkosten freilich bleiben: 5,5 Millionen Euro in diesem und weitere drei Millionen Euro im nächsten Jahr. Bei einem Verkauf des Maritims wäre das Land raus aus der Nummer.

Stadt Halle will ein Tagungs- und Kongresshotel - wie reagieren die Investoren für das Studentenwohnheim?

Doch nun kommt der neue Bebauungsplan, der den Deal torpedieren könnte, sollte der Stadtrat den Aufstellungsbeschluss fassen. Denn dessen Ziel ist eine Sanierung oder Fortführung des Maritims als Tagungs- und Kongresshotel. Möglich wäre auch der Abriss und ein Neubau eines solchen Hotels. Alternative Flächen für so ein Objekt hat Halle nicht, wird in dem Antrag festgestellt. Und ein Studentenwohnheim, wie es die Bankimmobilien vorsehen, will der OB nicht unterstützen.

Der potenzielle Investor will kein Öl ins Feuer gießen. „In den vergangenen Tagen ist viel spekuliert worden. Jetzt liegt eine Beschlussvorlage vor und wir werden sehen, wie der Stadtrat damit umgeht“, sagt Gunnar Schlicht, Geschäftsführer der Bankimmobilien Vertriebsgesellschaft.

Man werde die Dinge auf sich zukommen lassen. „Beim Maritim werden mehrere Interessenlagen berührt, auch die des Landes. Wir stehen jedenfalls einer Einigung nicht im Weg. Wenn man miteinander spricht, dann kann man eine Lösung finden“, sagt er.

Ex-Hotel Maritim als Studentenwohnheim: Wie viel wusste die Stadt Halle von den Plänen?

Das klingt nicht nach Konfrontationskurs, sondern nach einem Angebot für einen Dialog. Allerdings sehen nach der Berichterstattung in der MZ zur Zukunft des Hotels jetzt die Linken im Landtag Klärungsbedarf.

So hat Fraktions-Chef Swen Knöchel im Finanzausschuss des Landtags die geschäftigen Aktivitäten des Finanz- und des Innenministeriums in der Sache Maritim hinterfragt. „Dass der finanzielle Verlust für das Land in Grenzen gehalten werden soll, ist ja richtig. Allerdings kann es nicht sein, dass die Stadt nicht in die Verhandlungen einbezogen wurde“, sagt Landtagsabgeordneter Hendrik Lange, der auch dem Stadtrat in Halle vorsitzt.

So müsse man jetzt kritisch hinterfragen, ob das Wohnheim-Projekt aufgrund der komplizierten Gebäudestruktur überhaupt machbar sei. Aber wusste die Stadt denn wirklich nichts von den Plänen? Nach MZ-Informationen hatte es sehr wohl ein Gespräch gegeben, bei dem die Bankimmobilien vor Vertretern der Stadt ihr Projekt vorstellten.

Wirre Ideen mit windigen Investoren für das Maritim gibt es schon länger. Mit den Bankimmobilien steht jetzt der erste ernstzunehmende Interessent auf der Matte. Dass die Gesellschaft Objekte entwickeln kann, um sie für weitere Investoren interessant zu machen, hat sie schon bewiesen. (mz)