Liebeskummer bei tschechischer Küche

Halle/MZ. - Sieben Studenten der unterschiedlichsten Fachrichtungen trafen sich im Gastraum, um die Geschichte "Die Geliebte des Kardinals" aufzuführen. Erzählt wird die Geschichte vom jungen Kardinal Albrecht und wie er die Liebe seines Lebens ...

Von Isabel Krüger

Sieben Studenten der unterschiedlichsten Fachrichtungen trafen sich im Gastraum, um die Geschichte "Die Geliebte des Kardinals" aufzuführen. Erzählt wird die Geschichte vom jungen Kardinal Albrecht und wie er die Liebe seines Lebens findet.

Bei der Geliebten handelt es sich um die Legendengestalt und Bäckerstochter Ursula aus Frankfurt. Klar - bei so einer Liebes-Konstellation, die Standesgrenzen überschreiten muss, um zu bestehen, bilden gebrochene Herzen und Sehnsucht sichere Zutaten für einen unterhaltsamen Abend. Doch neu dabei ist, dass es zum Herzschmerz auch das passende Abendessen gibt. "Albrechts Vision", "Der dicke Mönch" und "Fegefeuer" heißen die Gerichte nach tschechischem Rezept, die zur Aufführung bestellt werden können.

Die Idee zu dem "Event-Theater" hatte die 23-jährige Kristina Schippling. Sie führte Regie und schrieb das Stück für die, noch namenlose, Schauspiel-Truppe. Seit November letzten Jahres proben die jungen Leute gemeinsam das Stück ein. Jede Rolle wird doppelt besetzt, falls mal ein Schauspieler ausfällt. Einen anderen Effekt hat diese Art der Absicherung auch noch. "So spielt jeder mal mit jedem, und immer wieder entsteht ein neues Theaterstück, das dynamisch ist und nicht jeden Abend gleich aussieht", erklärt Schippling. Damit fasst sie ihre Philosophie von Theater zusammen. Hierarchische und steife Strukturen haben ihrer Meinung nach nichts im Theater zu suchen. Für das Spiel seien sie einfach zu kontraproduktiv. "Die Sichtweisen müssen innerhalb der Gruppe auch wechseln, damit die Mitglieder selbständig bleiben und ihre Ideen einbringen können. Schließlich sind Schauspieler keine Marionetten", so Kristina Schippling. Ein ungewöhnlicher Theaterprozess an ungewöhnlicher Stelle.

Die Gastwirtin begrüßt das kulturelle Treiben mit ihren Gästen. "Das Stück passt total in das Ambiente unserer Wirtschaft", sagt Katerina Krostova, Chefin und Köchin im "Goldenen Herz". Gerade mal 20 Zuschauer finden darin Platz, um das Spiel zu sehen. Da kann es schon mal eng werden, wenn sich die Kardinalsgeliebte vor ihrem Liebsten versteckt und die Kellnerin des Hauses gerade durch das Bild läuft.

"Das gehört alles dazu - die Zuschauer sind ja auch irgendwo Akteure", sagt Schippling, die in der Endphase ihres Lehramtstudiums ist. Ein Theaterstück als Fest und Abendunterhaltung, so muss es wohl auch zu Zeiten des Kardinals zugegangen sein. Ob sich auch die "historische Lüge" zwischen Albrecht und Ursula so zugetragen hat? Man könnte es fast glauben. Schließlich schlug ja auch das Kardinals-Herz nicht nur für Gold.

Nach der Spielpause geht es im Oktober im "Goldenen Herz" weiter. Karten sind dort erhältlich.