Kulturpolitik in Halle

Kulturpolitik in Halle: Kampf ums Kunstforum

Halle (Saale) - Mit einem Prüfantrag will nun die Stadtratsfraktion der Grünen Möglichkeiten ausloten lassen, um einen wichtigen Kreativort doch noch zu erhalten.

Von Detlef Färber 25.12.2016, 15:00

Mit der Jubiläumsschau von Halles Kunst-Boheme-Ikone Wasja Götze soll Anfang nächsten eine Ära enden. Die eines ungewöhnlichen Kulturhauses mit eigenwilligem Profil, originellem Programm und würdigem Rahmen. Die Rede ist von jener Villa in der Bernburger Straße, in der einst eine Sparkassenfiliale untergebracht war und die folglich auch im Besitz der Sparkasse ist. Genauer gesagt ist sie der Sitz des von der Stiftung der hiesigen Saalesparkasse betriebenen Kunstforums - oder dürfte bald ihr Sitz gewesen sein. Besagte Stiftung will das Kunstforum nämlich nicht mehr länger betreiben, denn sparen ist wohl auch bei der Sparkasse angesagt.

Doch just in einer Zeit, da Halle nach der Krone der Europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2025 zu greifen trachtet und den arg verblassten Ruhm der Landeskulturhauptstadt von Sachsen-Anhalt aufzupolieren wild entschlossen ist, käme die Schließung einer solchen Einrichtung zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, dass das Fehlen einer städtischen Galerie der Bedeutung der Kulturstadt und des Kunsthochschul-standorts im Vergleich mit vergleichbaren Städten auf eklatante Weise abträglich ist.

Inzwischen in der Stadtpolitik auch parteienübergreifend ein Thema

All dies ist inzwischen in der Stadtpolitik auch parteienübergreifend ein Thema. Erst kurz vor Weihnachten war es ja gelungen, mit einer deutlichen Erhöhung des finanziellen Engagements für die freie Kulturarbeit in Halle (auf eine halbe Million Euro) die schiere Not zu lindern in einer gerade für das sommerliche Kulturangebot längst unverzichtbaren Szene. Zwei Drittel der besagten halben Million bekommen die freien Bühnen, die in der Händelstadt vor allem das Sommertheater absichern, wenn das Stadttheater mit Oper, NT und Staatskapelle Ferien macht.

Doch ein Drittel dieses vergleichsweise warmen Geldregens ist für die ebenso darbende Bildende Kunst Halles reserviert, die von sage und schreibe 500 Profis, meist „Burg-Absolventen, die in der Stadt leben und arbeiten, repräsentiert wird. Für die freilich ist mit diesem Geld noch lange nicht die Frage der Ausstellungsmöglichkeiten geklärt.

Sondierungen hinter den Kulissen

Einen Ort für eine Schau wie die von Wasja Götze gibt es künftig in Halle nicht mehr, wenn es beim Schlusspfiff im Kunstforum bleiben sollte. Doch möglicherweise ist darüber das letzte Wort noch nicht gesprochen. Man hört von Sondierungen hinter den Kulissen, ob und in welcher Form das Haus für die hallesche Kultur vielleicht doch noch erhalten werden könnte. Und nun hat die Stadtratsfraktion der Grünen schon mal die Initiative übernommen und will im Anfang Januar einen Prüfantrag stellen, der die Stadtverwaltung - die Zustimmung im Stadtrat vorausgesetzt - verpflichtet, alle Möglichkeiten auszuloten, die zum Weiterbetrieb des Hauses in einer der bisherigen Art ähnlichen Weise führen könnten. „Das Beste wäre, die Sparkasse würde das weitermachen“, meint Fraktions-Chefin Inés Brock: Zumindest weiter als Vermieter auftreten.

Wenn sich dies freilich als nicht praktikabel erweisen sollte, könne auch die Stadt das Haus verwalten und die Räume für die Projekte von Vereinen und Kunstverbänden vorhalten und sie an sie vermieten.

So ließe sich mit dem Kunstforum vielleicht jene Lücke schließen, die entstanden ist seit dem Wegfall der Galerie am Domplatz (zuvor Marktschlösschen) und der einst als Kunsthalle-Verein gestarteten „Villa Kobe“. Noch vor Jahren stand der hiesigen Gegenwartskunst in Halle außerdem die räumlich sehr großzügige Galerie im Neuen Theater zur Verfügung.

Lage seither ist gelinde gesagt katastrophal

Die Lage seither ist gelinde gesagt katastrophal: Neben privaten Verkaufsgalerien mit freilich zum Teil sehr respektablem Ausstellungsprogramm behelfen sich der Hallesche Kunstverein und die Vereinigung Hallescher Künstler mit Präsentationen in der Oper und und der Konzerthalle Ulrichskirche, in denen es nicht mal Öffnungszeiten für deren Ausstellungen gibt: Bildende Kunst in der Rolle des Pausenclowns (zwischen Sekt und WC) bei Opern oder Chorkonzerten - ein höchst unwürdiger Zustand!

Und auch die durchaus ansprechende Ausstellungsmöglichkeit im Glauchaer Künstlerhaus 188 löst Halles Gegenwartskunstproblem nicht - denn: Das Haus ist „ab vom Schuss“, Halle-Besucher frequentieren es nicht. Zudem haben die Moritzburg (meist museale Kunst), die Landeskunststiftung (fast nur eigene Stipendiaten) der Volkspark (reine Hochschulgalerie) und die Talstraße (deutsche und internationale Kunstelite) jeweils Programme, bei denen hiesige Künstler zu 99 Prozent durchs Raster fallen. Außer vielleicht Wasja Götzes Sohn Moritz, Halles Maler-Star, der schon mal zeitgleich in die Moritzburg und im Kunstforum ausgestellen durfte.

Kurzum: Halles Kultur kann auf das Kunstforum nicht verzichten. (mz)