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Kinderbetreuung für Halles Stadträte Kinderbetreuung für Halles Stadträte: "Familie sollte kein Hemmnis sein"

Von Tanja Goldbecher 04.03.2020, 06:00
Sitzung des Stadtrates in Halle
Sitzung des Stadtrates in Halle Tanja Goldbecher

Halle (Saale) - Die monatlichen Stadtratssitzungen dauern in der Regel von 14 bis 22 Uhr. Hinzu kommen die Ausschüsse, die ebenfalls bis in die Abendstunden andauern. Viele junge Eltern schreckt das ab, ein ehrenamtliches Stadtratsmandat zu übernehmen. Die SPD-Stadträtin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Silke Burkert fordert trotzdem, dass Familien ein stärkeres Gewicht in dem Gremium bekommen.

„Vor allem mehr junge Frauen sollten in der Politik mitmischen“, sagt Burkert. Sie hätten einen anderen Blick auf bestimmte Themen. Rund 36 Prozent der halleschen Stadträte sind aktuell weiblich.

Stadt Halle bietet seit 2014 eine Kinderbetreuung während der Sitzungen an

Rein formal könnten auch Mütter und Väter mit Kleinkindern ein Mandat übernehmen. Denn die Stadt bietet seit 2014 eine Kinderbetreuung während der Sitzungen an. Die Grünen hatten 2013 gefordert, dass die Verwaltung ein Betreuungskonzept entwickelt, was ein Jahr später vom Stadtrat beschlossen wurde. Darin ist festgelegt, dass Stadträte während der laufenden Wahlperiode vor der Sitzung schriftlich eine Betreuung anmelden müssen.

Kinder werden dann in städtischen Einrichtungen in der Nähe des Stadthauses untergebracht. Die Kosten übernimmt die Stadt. Die Stadträte haben aber auch die Möglichkeit, Betreuungskosten bei der Verwaltung einzureichen und zurückerstattet zu bekommen. Auf MZ-Nachfrage teilte die Verwaltung jedoch mit, dass das Betreuungsangebot für Kindern von Stadträte bislang nicht genutzt wurde. Eine statistische Erfassung, wie viele Räte potenziell für eine Betreuung in Frage kämen, gebe es nicht.

„Ich habe gemerkt, dass man im Stadtrat wirklich etwas erreichen kann“

Stadträtin Burker ist selbst Mutter von zwei Kindern. Diese sind schon im Teenageralter. „Der Zeitpunkt hat gut gepasst, mich jetzt in der Stadtpolitik zu engagieren“, sagt die Ärztin. Die Familie stehe auch weiterhin an erster Stelle. „Aber nun kann ich mich auch in der Politik für das Thema einsetzen“, sagt Burkert. Sie sei zum Beispiel Mitglied im Bildungsausschuss und begleite mit Freude Schul- und Turnhallensanierungen in Halle.

Aber auch das Thema Gesundheit liege ihr aufgrund ihres Berufes sehr am Herzen. Für sie ist deshalb auch das Thema Umwelt und Radverkehr sehr wichtig. „Ich habe gemerkt, dass man im Stadtrat wirklich etwas erreichen kann“, fügt Burkert hinzu.

„Familie sollte kein Hemmnis sein, sich für den Stadtrat aufstellen zu lassen“

CDU-Stadträtin Claudia Schmidt ist alleinerziehende Mutter und kennt das Problem. „Ich habe gewartet, bis meine Kinder etwas größer sind, bevor ich in die Politik eingestiegen bin“, sagt Schmidt. Bei den vielen Abendterminen im Stadthaus helfen ihr Freunde aus. „Familie sollte kein Hemmnis sein, sich für den Stadtrat aufstellen zu lassen“, sagt sie. Betroffene müssten noch klarer formulieren, wie die Stadt da unterstützen kann. (mz)