„Basar“ am Treff

Kaufhalle „Basar“ am Treff: Halle-Neustadt bekommt jetzt eine neue Kaufhalle

Halle (Saale) - Die alte Kaufhalle „Basar“ wird nun endlich abgerissen. Wie ein junger Architekt aus Halle in seine Heimstadt zurückgekehrt ist, um das Projekt zu leiten.

Von Silvia Zöller

Der riesige Abbruchbagger geht seit einigen Tagen ans Werk. Mit gewaltiger Kraft wird das in die Jahre gekommene Einkaufszentrum Am Treff abgerissen. Bis Ende des Jahres soll dort eine neues Center für rund 7,5 Millionen Euro entstehen.

Das ist nicht nur für die Menschen rund um den „Treff“ etwas Besonderes, die seit Ende 2016 ohne die Geschäfte in dem Komplex zurecht kommen mussten - bis auf den „Orienta-Markt“, der auf der anderen Seite des Treffs Lebensmittel anbietet.

Einkaufscenter am „Treff“: Junger Architekt aus Halle übernimmt den Neubau  

Auch für Benjamin Ernst erfüllt sich damit ein Traum: Der heute 30-Jährige war Internatsschüler am Cantor-Gymnasium und lebte im Schülerwohnheim im Myrthenweg. Seit einiger Zeit ist der heutige Wahl-Düsseldorfer wieder öfter in Neustadt: Er ist Projektleiter für den Abriss der ehemaligen Kaufhalle „Basar“ am Treff und den Neubau eines modernen Einkaufszentrums, das das Düsseldorfer Architekturbüro „Phase 5“ entworfen hat - in dem Ernst beschäftigt ist.

„Ich habe mich total dafür eingesetzt, dass ich hier in meiner früheren Heimat die Bauleitung übernehmen kann“, sagt Benjamin Ernst. Erfolgreich.

Basar am „Treff“: Entkernte Kaufhalle bot einige Überraschungen

Der Architekt berichtet, wie der Plan ist: „Seit Anfang des Jahres wurde die alte Kaufhalle schon entkernt“, erzählt er. Und dabei gab es einige Überraschungen, denn alte Baupläne gibt es nicht mehr. So wurden versteckte Gänge in den Kellerbereichen entdeckt, auch Eingänge, die kein Mensch kannte.

Der Komplex Am Treff galt unter dem Namen „Basar“ zu DDR-Zeiten die modernste und größte Kaufhalle der gesamten Republik. 1968 wurde sie eröffnet und galt mit ihren 15 Abteilungen und 60 Kühltruhen als eines der Vorzeigeobjekte der Republik. Neben Backwaren, Wein, Käse, Kosmetik oder Babyartikeln gehörte zum Versorgungszentrum Am Treff - damals der zweite Wohnkomplex („WK II“) - aber auch eine Ambulanz mit Apotheke, ein Friseursalon, ein Blumengeschäft, Post, Sparkasse und zwei Gaststätten sowie ein Saal für Schulspeisung und für Veranstaltungen. Auch eine Kinderbücherei war hier in dem Komplex untergebracht.

Nach der Wende war eine Sanierung der Kaufhalle dringend notwendig. Auch eine Erweiterung war im Gespräch, die jedoch nicht realisiert wurde, weil diese nicht ordnungsgemäß beantragt worden war.

Bis Ende 2016 gab es dennoch einen regen Betrieb in der Ladenzeile, in der neben einem Supermarkt auch diverse Geschäfte und eine Apotheke untergebracht waren. Über ein Jahr stand das Einkaufszentrum leer, bevor die Abrissarbeiten beginnen konnten.

„Sogar eine Reifekammer für Bananen gibt es in den Kellerräumen“, berichtet Benjamin Ernst. Der ehemalige Hausmeister sei schon an der Baustelle vorbeigekommen und habe ihm von einigen bislang unbekannten Dingen erzählt: „Zum Beispiel, dass es im Keller eine Küche für die Schulspeisung gab.“

Abriss der DDR-Kaufhalle: Erste Mieter für den Neubau stehen schon fest

Vier Mitarbeiter eines Abrissunternehmens werden bis Ende März oder Anfang April die Hülle abgerissen haben, davon geht Ernst aus. Auch wenn der Bagger ein echtes Kraftpaket ist, geht es nicht schneller: Das Abrissmaterial wird fein säuberlich in verschiedene Container sortiert nach Beton, Metall, und Sondermüll wie Dachpappe. Auch die Keller werden abgebrochen und die Leerräume aufgefüllt, bevor eine Bodenplatte gegossen wird.

Dann wird es relativ schnell gehen: „Für den Neubau verwenden wir vorgefertigte Stahlbetonteile“, so Ernst. Das ermöglicht eine schnelle Montage, so dass das Gebäude schon Ende des Jahres stehen soll. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2019 geplant - Mieter wie Edeka, dm und Penny stehen schon fest. Auch die Apotheke wird wieder einziehen. 80 Prozent der Verkaufsfläche von rund 3.800 Quadratmetern sei schon vermietet.

Moos auf dem Dach und Holzbalken: So soll das neue Kaufhaus am „Treff“ aussehen

Ursprünglich sei geplant gewesen, die Fassade mit Klinker zu verschönern. Das kam jedoch im Gestaltungsbeirat nicht so gut an. „Halle-Neustadt ist eine weiße Stadt, hieß es“, so Ernst. Gemeint ist die Betonbauweise - Klinker gibt es hier nicht.

So wurde der Entwurf, der viel Glas zeigt, abgewandelt. Unter anderem sind in dem Bau sogenannte Holzleimbinder sichtbar - also Holzbalken, die für die Konstruktion verwendet werden. „Damit wollen wir den Nachhaltigkeitsgedanken zeigen“, erklärt der Architekt, der am Bauhaus Weimar studiert hat. Moos auf dem Gründach soll zudem für ein gutes Mikroklima sorgen.

Bringt neue Kaufhalle auch Neustadt für das Viertel?

Auch um den Lärmschutz haben sich die Planer Gedanken gemacht: Anders als bei der alten Kaufhalle wird die Anlieferung tiefer gelegt: Die Lastwagen fahren gut 1,20 Meter tief in eine überdachte Anlieferzone, so dass der Lärm vom Be- und Entladen gemindert wird. Außerdem soll die Zufahrt auf den Parkplatz direkt von der Richard-Paulick-Straße erfolgen, so dass die Autos nicht durch den Barlach-Ring müssen.

Für Benjamin Ernst, der sein Studium vor vier Jahren beendet hat, ist das nicht das erste Bauprojekt, das er begleitet. Wohnungsbau hat er vor allem auf seiner Referenzliste, auch Gewerbebauten. „Aber es ist das erste Einkaufszentrum für mich“, sagt der 30-Jährige. Für das Architekturbüro Phase 5 ist es freilich nicht das erste Projekt dieser Art: Parallel betreut ein anderes Team den Bau eines Shopping-Centers in Gladbeck.

Neustadt, das hat für Ernst eine große Bedeutung. „Ich hoffe, dass das Viertel mit dem neuen Einkaufszentrum aufgewertet wird“, sagt er. Dafür soll auch ein Durchgang durch das Zentrum sorgen, der den Weg zwischen den beiden langgestreckten Blöcken am Barlach-Ring und dem Stadtpark aufnimmt und auf direktem Weg zur Richard-Paulick-Straße führt. (mz)