Identitäre BewegungIdentitäre Bewegung: Rechter Rapper Komplott aus Halle

Halle (Saale) - Die Identitäre Bewegung macht seit gut einem Jahr mit ausländerfeindlichen Aktionen von sich reden. Nun greift sie über Musik an.

Von Anja Förtsch 06.03.2017, 09:30
Jugendliche betrachten in Berlin eine im rechten Bereich agierende Webseite. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalts hat nach eigenen Angaben «ein Auge auf die «Identitäre Bewegung» geworfen».
Jugendliche betrachten in Berlin eine im rechten Bereich agierende Webseite. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalts hat nach eigenen Angaben «ein Auge auf die «Identitäre Bewegung» geworfen». dpa

„Europa weint, Europa schreit nach dem Ende, der Wende. Es ist an der Zeit zum Verteidigen des Eigenen“, ruft der hallesche Rapper Komplott ins Mikro. Und wie dieses Verteidigen aussehen soll, daran lässt er in seinem Song „Europa“, der seit einigen Wochen im Internet zu finden ist, keinen Zweifel: Man müsse „in den Heldenkampf marschieren“ und „die Faust heben“ gegen „die arrogante Obrigkeit“.

Dazwischen wird ein Ausschnitt einer Rede von Götz Kubitschek, der in Schnellroda im Saalekreis das neurechte „Institut für Staatspolitik“ betreibt, eingespielt. Komplott lässt keinen Zweifel daran, an und gegen wen sich seine Musik richtet.

Komplott nennt seinen Namen nicht, versteckt im Video und in Interviews stets sein Gesicht

Wer hinter dem Pseudonym steht, bleibt unklar: Komplott nennt seinen Namen nicht, versteckt im Video und in Interviews stets sein Gesicht. „Wir alle müssen in Lohn und Brot stehen“, schreibt Komplott auf MZ-Anfrage. „Daher kann ich es mir derzeit nicht leisten, offen aufzutreten.“ Das Facebook-Profil des Rappers verrät „Identitärer Rap aus Halle“. Er sei selbst zwar nicht gebürtiger Hallenser, schreibt er. „Aber dort liegt das Zentrum meines Schaffens.“

Was ihn an- und zur Identitären Bewegung treibt? Das sogenannte Establishment - der Rapper meint damit die Regierungen von EU und BRD - arbeite „stur weiter an der Vernichtung unseres altehrwürdigen Kontinents“. Er sei es „leid, dem tatenlos zuzusehen“. Das Mittel seiner Wahl sei dafür die Musik. Sie sei „besonders geeignet für den Meinungskampf und für den Gegner eine gefährliche Waffe im geistigen Bürgerkrieg.“

Rapper Komplott steht der Bewegung Kontrakultur Halle nahe

Neu ist der Weg über die Musik nicht: Schon im Jahr 2004 wollten Nazis mit dem Verteilen von Rechtsrock-Aufnahmen, den sogenannten Schulhof-CDs, auf Nachwuchsfang gehen. Auch was politische Inhalte angeht, steht die moderne Identitäre Bewegung den klassischen Neonazis nach Ansicht von Experten in nichts nach.

Der Rapper steht der Bewegung Kontrakultur Halle nahe, einer Untergruppe der fremdenfeindlichen Identitären Bewegung (IB), die aktuell vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Sein Musikvideo wurde auf dem Youtube-Kanal der Kontrakultur veröffentlicht, auf ihrem Facebook-Profil teilt die Bewegung das Video.

Mitglieder von Kontrakultur störten Anfang Oktober 2016 außerdem die Immatrikulationsfeier der Martin-Luther-Universität

Kontrakultur machte in der Vergangenheit bereits mit rassistischen und populistischen Aktionen wie dem Zumauern eines „Flüchtlingswahllokals“ am Reileck und dem Verteilen von Pfefferspray an Frauen auf dem Marktplatz infolge der Kölner Übergriffe in der Silvesternacht auf sich aufmerksam.

Einige Mitglieder störten Anfang Oktober 2016 außerdem die Immatrikulationsfeier der Martin-Luther-Universität, die Uni erklärte daraufhin, Strafanzeige stellen zu wollen. Mindestens drei von ihnen sollen Beobachtern der Szene zufolge der als rechts geltenden Halle-Loebener Burschenschaft Germania angehören.

Bündnis „Halle gegen Rechts“: Identitäre Bewegung und auch Kontrakultur ist eine klassische Neonazi-Kameradschaft

Solche Verbindungen sieht auch Clemens Wagner vom Bündnis „Halle gegen Rechts“. „Die Identitäre Bewegung und damit auch Kontrakultur ist eine klassische Neonazi-Kameradschaft in moderner Verpackung und im universitären Raum“, sagt Wagner zur MZ. Sein Bündnis nehme die hallesche Kontrakultur grundsätzlich als relativ große und aktive Gruppe innerhalb der gesamten Identitären Bewegung wahr.

„Was die Kontrakultur auszeichnet, ist die breite Vernetzung“, so Wagner. Gemeint sind Kontakte zum AfD-Abgeordneten Hans-Thomas Tillschneider, zu Kubitschek vom „Institut für Staatspolitik“ und zu Martin Sellner, dem Chef der IB Österreich.

Vernetzt ist auch Komplott. Da er auf Deutsch rappt, kämen die meisten seiner Fans aus der Bundesrepublik. „Allerdings bekomme ich auch viel Resonanz aus Frankreich, Polen und Russland.“ Und damit aus Ländern, die seit Monaten wegen Populismus und Rechtsruck in den Schlagzeilen stehen. (mz)