Schwarzmarkt

Himmelsscheibe von Nebra: Als die Polizei vor 15 Jahren den Fund in der Schweiz rettete

Halle (Saale) - Fast schien ein Weltfund verloren: Doch am 23. Februar 2002 konnte die „Himmelsscheibe von Nebra“ bei einer Polizeiaktion in der Schweiz dem Schwarzmarkt entrissen werden. Die Archäologen spüren seitdem wachsendes Interesse.

22.02.2017, 06:37
Eine Besucherin betrachtet eine Nachbildung der Himmelsscheibe in der Arche Nebra (Sachsen-Anhalt).
Eine Besucherin betrachtet eine Nachbildung der Himmelsscheibe in der Arche Nebra (Sachsen-Anhalt). dpa-Zentralbild

Seit der spektakulären Sicherstellung der Himmelsscheibe von Nebra vor 15 Jahren ist aus Sicht des Landesarchäologen Harald Meller das Interesse an seiner Wissenschaft gewachsen. „Mit der Rettung der Himmelsscheibe hat die Archäologie wesentlich an Aufmerksamkeit gewonnen“, sagte Meller der Deutschen Presse-Agentur in Halle. „Insbesondere die Problematik des Schwarzhandels mit archäologischen Funden wurde durch die Sicherstellung der Himmelsscheibe schlaglichtartig einer großen Öffentlichkeit bewusst.“ Raubgräberei sei kein Kavaliersdelikt, sondern die Täter zerstörten damit das Gedächtnis der Menschheit.

Himmelsscheibe von Nebra: Polizei stellt verschollenen Bronzeschatz in einem Hotel in Basel sicher

Am 23. Februar 2002 stellte die Polizei in einem Hotel in Basel (Schweiz) den jahrelang auf dem Schwarzmarkt verschollenen Bronzeschatz sicher - die „Himmelsscheibe von Nebra“. Später wurde klar, dass die Scheibe einer der wichtigsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts war. Ein Hehlerpärchen aus Nordrhein-Westfalen wollte die Scheibe dem Landesarchäologen von Sachsen-Anhalt, Harald Meller, verkaufen.

Zwei Raubgräber hatten Anfang Juli 1999 mit ihren Metallsonden im Waldboden des Mittelberges bei Nebra (Burgenlandkreis) die Himmelsscheibe entdeckt. Statt wie nach dem Gesetz vorgeschrieben, den Fund abzugeben, verkauften sie ihn an einen Hehler aus Nordrhein-Westfalen.

Nach unzähligen wissenschaftlichen Untersuchungen steht heute fest: Auf der rund zwei Kilogramm schweren Scheibe mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern ist das Sternenbild der Plejaden sowie Mond, Sonne und Sterne abgebildet. Außerdem war die Scheibe ein Kultobjekt. Sie stammt aus Mitteldeutschland, weil es topographische Bezüge zum Brockenmassiv im Harz gibt. Die Künstler haben nach Angaben der Forscher auf der Scheibe kalendarisches Wissen sowie die Möglichkeit der Bestimmung der Sommer- und Wintersonnenwende verewigt. Seit 2008 gehört die Himmelsscheibe von Nebra zur Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle.

Landesarchäologe Harald Meller: „Gerade Sachen-Anhalt bildet ein unglaublich reiches, archäologisches Fundgebiet“

Seit der Entdeckung des Kleinods seien auch andere wertvolle Funde in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden, sagte Meller. „Gerade Sachen-Anhalt bildet ein unglaublich reiches, archäologisches Fundgebiet. Hier kreuzten sich die Handelswege, und die bronzezeitlichen Fürsten ließen sich für den Schutz und den sicheren Transport der Waren reich bezahlen“, so der Archäologe. Als vor 3600 Jahren die Himmelsscheibe vergraben wurde, endete diese Epoche der Fernhandelsbeziehungen unter den damaligen Menschen. (dpa)