Archäologie

Archäologie: Himmelsscheibe zeigt das Weltbild vor 3600 Jahren

Halle/MZ/dpa. - Das Weltbild der Bronzezeit auf der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra ist von einer dreiköpfigen Forschergruppe entschlüsselt worden. Für die Wissenschaftlersteht fest: Die bronzezeitlichen Menschen hatten sich die Erde als flache Scheibe vorgestellt, die von einem Himmel kuppelförmig überwölbt wird. Sonne, Sterne und Mond umkreisen die Erde. Ein Schiff trägt die Sonne nach dem Untergang im Westen über das dunkle Wasser in den Osten. Genau das zeige die Bronzescheibe.

26.09.2004, 19:17
Das Bild zeigt die restaurierten 3600 Jahre alte «Himmelsscheibe von Nebra». Die Bronzescheibe wurde im Juli 1999 von zwei Raubgräbern auf dem 252 Meter hohen Mittelberg bei Nebra im Burgenlandkreis entdeckt. (Foto: Landesmuseum)
Das Bild zeigt die restaurierten 3600 Jahre alte «Himmelsscheibe von Nebra». Die Bronzescheibe wurde im Juli 1999 von zwei Raubgräbern auf dem 252 Meter hohen Mittelberg bei Nebra im Burgenlandkreis entdeckt. (Foto: Landesmuseum) Landesmuseum für Vorgeschichte

Eindeutig seien ein Schiff, Sonne, Mond, Sterneund - in sieben Goldpunkten - der Sternenhaufen der Plejaden zu erkennen.

Die Scheibe ist die älteste konkrete Sternenabbildungder Welt. Sie wurde 1999 bei Nebra (Burgenlandkreis)entdeckt. "Damit haben wir zum ersten MalEinblick in ein kosmisches Modell der vorgeschichtlichenKulturen", sagt Harald Meller, Landesarchäologein Halle und Mitglied der Forschergruppe."Bislang wurde diese schriftlose Kultur unterschätzt.Jetzt müssen wir unser Bild vom unwissendenUrzeitmenschen revidieren."   

Den Schlüssel zu dem bronzezeitlichen Weltbildfand der Archäo-Astronom Wolfhard Schlosservon der Ruhr Universität Bochum. Nach seinenBerechnungen existieren auf der Scheibe festgelegteHimmelsrichtungen. "Erstaunlich ist, dassOst- und Westrichtung bewusst vertauscht wurden,genauso wie es heute bei Sternenkarten gemachtwird", so Schlosser.

"Es spricht vieles dafür,dass die Erbauer der Himmelsscheibe Kontaktemit den Babyloniern gehabt haben könnten",sagt Physiker und Astronom Rahlf Hansen vomPlanetarium in Hamburg. "Von den Babyloniernwurden mehrere Siegelzylinder mit den Plejaden,ähnlich der Abbildung auf der Sternenscheibegefunden."

Der Mittelberg bei Nebra (Burgenlandkreis), wo am 4. Juli 1999 die 3600 Jahre alte «Himmelscheibe von Nebra» gefunden wurde, aus der Luft fotografiert (Foto: dpa)
Der Mittelberg bei Nebra (Burgenlandkreis), wo am 4. Juli 1999 die 3600 Jahre alte «Himmelscheibe von Nebra» gefunden wurde, aus der Luft fotografiert (Foto: dpa)
dpa