Wie verarbeiten Kinder die Corona-Ereignisse?

Hallesche Autorin veröffentlicht Kinderbuch über Jugend in der Pandemie

Christina Seidel hat ein neues Kinderbuch veröffentlicht. Es geht um Mobbing und die Jugend in der Pandemie.

Von Franz Ruch
Die Schriftstellerin Christina Seidel, hier auf der Hafenbahnbrücke in Halle, hat kürzlich ein neues Kinderbuch veröffentlicht.
Die Schriftstellerin Christina Seidel, hier auf der Hafenbahnbrücke in Halle, hat kürzlich ein neues Kinderbuch veröffentlicht. Foto: Bauer

Halle (Saale) - Eigentlich war sie immer stolz auf ihren Namen. Schließlich heißt das Pferd ihrer Tante, auf dem sie schon mit vier Jahren das Reiten gelernt hat, auch so wie sie. Doch plötzlich ist für die achtjährige Corona alles anders: Als das Virus sich über die ganze Welt verbreitet, wird das junge Mädchen in der Schule gemobbt. „Corona raus!“ und „Verschwinde, Corona!“ rufen ihr die Klassenkameraden zu.

Kinderbuch zum Thema Mobbing und Jugend in der Pandemie

Als die Schulen dann wegen der Pandemie geschlossen werden, darf Corona zu ihrem Pferd auf den Bauernhof ihrer Tante. Doch die Rufe ihrer Mitschüler gehen ihr nicht aus dem Kopf. So beschließt sie, nicht mehr in die Schule zu gehen und fasst stattdessen einen Plan. „Der wird am Ende natürlich gut ausgehen“, verrät Autorin Christina Seidel. Doch wie genau, kann man ab sofort selbst lesen, und zwar in ihrem kürzlich erschienen Kinderbuch „Ich wollte einen neuen Namen.“

Groß nach Inspiration suchen musste Christina Seidel nicht, als sie vor etwa einem Jahr, gerade nach der ersten Corona-Welle, mit dem Schreiben ihres neusten Kinderbuchs begonnen hatte: „Das Thema war ja ganz naheliegend“, sagt sie. Den Blick auf die Gedanken und Probleme von Kindern hat die 68-Jährige schon seit langem im Blut. Seit mehr als 30 Jahren schreibe sie am liebsten Kindergeschichten, sagt sie. „Das kann ich am besten. Ich mag es, mich in Kinder hineinzuversetzen und zu erklären, wie sie denken und wie ich denke.“

Autorin musste bis zur Veröffentlichung ihres neuen Werkes einige Hürden überwinden

Neben dem Thema Mobbing geht es in dem Kinderbuch auch darum, für ihre jungen Leserinnen und Leser die Geschehnisse rund um die Pandemie aufzugreifen. Vom ständigen Auf- und Absetzen der Maske - die ja eigentlich Mund-Nasen-Schutz heißt -, über die offenen und geschlossenen Schulen bis hin zu Papa, der plötzlich zwischen Küche und Hausflur sein Büro aufschlagen muss. Den Bezug zum Namen Corona habe die zweifache Mutter und Oma aus ihrer eigenen Geschichte: „Wenn mein erstes Kind ein Mädchen gewesen wäre, hätte es auch Corona geheißen.“

Bis zur Veröffentlichung ihres neuen Werkes gab es für Christina Seidel einige Hürden zu überwinden. Es sei schwierig gewesen, einen Verlag zu finden, sagt sie. Ihren alten Verlag gebe es nicht mehr und andere hätten die Buchidee zunächst abgelehnt, weil man im vergangenen Frühling vermutet hatte, das Thema „Corona“ sei schnell wieder uninteressant.

Motiviert hätten Christina Seidel dann die Kinder, die ihr nach der ersten Probelesung Briefe geschrieben und sie ermutigt hatten, nicht aufzugeben, sagt sie. So gibt es auch noch eine weitere Besonderheit: Alle Illustrationen, die von Corona und ihren Erlebnissen im Buch zu sehen sind, stammen von Schülern der Freien Sekundarschule in Großkorbetha bei Weißenfels. „Ich wollte einen neuen Namen“ von Christina Seidel ist erhältlich im Shaker Verlag für 9,90 Euro. ISBN: 978-3-95631-844-3. (mz)