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Halle Halle: Smalltalk in der Spielecke

Von HEIDI JÜRGENS 08.10.2010, 17:05

Halle (Saale)/MZ. - Aus dem Stimmengewirr am Freitagnachmittag im Garten der Herweghstraße 9 im Paulusviertel waren vornehmlich deutsche Worte zu hören. Wer erwartet hatte, zur offiziellen Einweihung der ersten internationalen Kindertagesstätte in Halle würde nur oder wenigstens zur Hälfte Englisch gesprochen, der sah sich getäuscht. Zweisprachig - mit Deutsch und Englisch - sollen Kinder hier aufwachsen, doch an solchen Tagen wird das Konzept wohl mit Rücksicht auf die Gäste nicht so streng durchgesetzt.

Drei Erzieherinnen aus den USA

Leiterin Kjersti Nichols-Kraus, eine Amerikanerin, die vor fünf Jahren nach Deutschland kam und bisher bei einem privaten Träger in Magdeburg als Erzieherin und in der Weiterbildung tätig war, leitet die Kita. Träger ist der städtische Eigenbetrieb Kindertagesstätten, der 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des Gebäudes investierte. Derzeit werden 50 Kinder betreut, um die sich acht Erzieherinnen kümmern. Drei von ihnen kommen aus den USA und sprechen mit den Mädchen und Jungen nur englisch. Fünf sind Deutsche, sprechen nach Angaben der Leiterin fließend englisch, unterhalten sich jedoch mit den Kindern in deutscher Sprache.

Die Erzieherinnen aus den USA müssen teils noch mit Ausnahmegenehmigungen arbeiten, weil das Anerkennungsverfahren für Abschlüsse langwierig ist. Wie Jens Kreisel, Chef des Eigenbetriebes erklärt, laufen auch noch zwei Ausschreibungen für weitere Erzieherinnen, deren Muttersprache Englisch ist. Denn bis zum nächsten Sommer soll die Zahl der Kinder auf 75 wachsen.

Das Konzept sieht vor, etwa 20 Kinder im Krippenalter zu betreuen, die übrigen im Alter von drei Jahren bis zum Schulbeginn. Letztere können jeden Tag selbst bestimmen, in welchem Raum sie sich mit verschiedenen angebotenen Themen befassen wollen. Je nachdem, welche Erzieherin dann gerade dort ist, wird entweder Englisch oder Deutsch gesprochen. Im Moment kommt etwa die knappe Hälfte der Eltern aus dem Ausland - aus genau 25 verschiedenen Ländern. Die übrigen sind Deutsche, denen es wichtig ist, ihren Nachwuchs beizeiten mit der englischen Sprache vertraut zu machen.

Der Bedarf an solchen Einrichtungen ist groß - für die Herweghstraße gab es doppelt so viele Bewerbungen wie Plätze. Insbesondere Mitarbeiter von Forschungseinrichtungen, aber auch international agierender Unternehmen konnten bisher Kinder kaum unterbringen, weil die Kleinen nicht verstanden wurden.

Eine Schule ist im Blick

"Ob eine Stadt attraktiv für Wissenschaftler oder Unternehmen ist hängt auch davon ab, ob es internationale Kitas oder Schulen gibt", sagte Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) zur Eröffnung. Eine weitere internationale Kita entsteht am Handwerkerhof nahe der Thüringer Straße. Und auch eine internationale Schule soll kommen, "wir müssen dazu jedoch noch Absprachen mit dem Land treffen", so Szabados.