Hafen Halle-Trotha

Hafen Halle-Trotha: Keine Schiffe im Trothaer Hafen

Halle (Saale) - Im Trothaer Hafen fahren zwei Ferraris herum. Das Stück kostet schlappe 475.000 Euro. Sportwagen sind es trotz des Namens nicht, auch das Rot dieser Ferraris ist nicht jenes berühmte, markengeschützte der Rennwagen. Nein, diese Fahrzeuge heißen nur so - und sie schichten Container. Von der Straße auf einen Zug und umgekehrt. Bis zu sechs Container übereinander und drei Reihen tief reicht der Greifer dieser vierrädrigen, schweren Hafentechnik. Lediglich zwei Minuten benötigt ein solcher Ferrari, um einen der 40 Container auf den Zug zu stellen, der gerade auf dem Gleis am Kai ...

Von Michael Falgowski 06.04.2015, 09:46

Im Trothaer Hafen fahren zwei Ferraris herum. Das Stück kostet schlappe 475.000 Euro. Sportwagen sind es trotz des Namens nicht, auch das Rot dieser Ferraris ist nicht jenes berühmte, markengeschützte der Rennwagen. Nein, diese Fahrzeuge heißen nur so - und sie schichten Container. Von der Straße auf einen Zug und umgekehrt. Bis zu sechs Container übereinander und drei Reihen tief reicht der Greifer dieser vierrädrigen, schweren Hafentechnik. Lediglich zwei Minuten benötigt ein solcher Ferrari, um einen der 40 Container auf den Zug zu stellen, der gerade auf dem Gleis am Kai wartet.

„In den Containern befindet sich Tonerde aus unserer Region. Es geht nach Italien. Dort werden daraus italienische Fliesen gebrannt“, sagt Dirk Lindemann, Geschäftsführer der Hafen Halle GmbH. Nur wöchentlich rollt dieser Zug bisher. Demnächst werden von Halle aus zwei dieser Züge nach Lugano geschickt.

Widerstand gegen Saaleausbau

Der Hafen Halle, der zum Stadtwerke-Konzern gehört, ist auf den Zug gekommen. Man setzt auch künftig auf das Containergeschäft. Waren werden von der Straße auf die Schiene verladen. Im größten Rangierbahnhof Mitteldeutschlands, der gerade am halleschen Bahnhof entsteht, sind eigens zwei 700 Meter lange Anschlussgleise für die Züge aus Trotha reserviert. Im vergangenen Jahre haben die Ferrari-Modelle 59.500 sogenannte Standardcontainer umgeschlagen. Das waren 8.000 mehr als im vergangenen Hochwasser-Jahr, aber deutlich weniger als noch 2011 (71.600). Unter anderem hat der Preiskampf im Containergeschäft für langsameres Wachstum gesorgt. Die Zeiten sind also schwierig. Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Lux hatte im vergangenem Jahr für eine Fortführung des Hafenbetriebs trotz jährlicher Verluste von rund einer Million Euro plädiert.

Noch hat man bei den Stadtwerken die Hoffnung nicht aufgegeben, ins 1929 erbaute Hafenbecken könnten doch noch Schiffe einlaufen. Denn die werden seit Jahren vermisst. Und Frachtschiffe kommen schon gar nicht. Doch um Gütertransporte jeder Art zu ermöglichen, müsste die Saale auch im Abschnitt vor der Mündung in die Elbe schiffbar gemacht werden. Seit 1992 ist dort der Bau des Seitenkanals geplant. Aber dagegen gibt es viele Widerstände. Der Saaleausbau sei zu teuer und Gütertransporte würden nicht gebraucht, meinen etwa die Landes-Grünen.

Das sieht Hafen-Geschäftsführer Lindemann naturgemäß anders. „Derzeit läuft eine Befragung der Unternehmen an der Saale. Bisher haben sie einen Bedarf von 2,5 Millionen Tonnen auf dem Fluss angegeben“. Damit läge man im Mittelfeld der deutschen Binnenhäfen.

Hafen bleibt trauriges Kapitel

Ohne Schiffe indes bleibt der hiesige Hafen natürlich ein trauriges Kapitel. Immerhin ist für 31,8 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert worden. 19,5 Millionen Euro davon waren Fördermittel. Vor genau 20 Jahren wurde der Ausbau beschlossen - im Vertrauen darauf, dass die Saale-Schiffbarkeit im Bundesverkehrswegeplan 1992 erstmals als Maßnahme des „vordringlichen Bedarfs“ stand. Seither wurde der Bau allerdings immer wieder verschoben - auch aus Kostengründen.

Dirk Lindemann hat die Hoffnung indes noch nicht verloren. Er hält sich an den Beschluss des halleschen Magistrats zur Gründung der Mitteldeutschen Hafen-AG: „Das junge Unternehmen mit seinem Hafen Halle-Trotha hat durch Erschließung der billigsten Transportmöglichkeit, des Wasserwegs, für Verbraucher in Halle und Mitteldeutschland die Zufuhr zu verbilligen, der Erzeugung und dem Handel den Absatz zu erleichtern“. Doch das war 1929. (mz)