Gymnasium am Hallmarkt und Zweite IGS

Gymnasium am Hallmarkt und Zweite IGS: Zwei neue Schulleiter wollen Schwerpunkte setzen

Halle (Saale) - Vor knapp drei Wochen hat das neue Schuljahr begonnen - aber unter jenen, für die wieder mal alles neu ist, sind diesmal nicht nur die Erst- und die Fünftklässler, sondern auch ein paar Erwachsene. Jene insgesamt 13 Lehrer nämlich, die an den beiden neuen halleschen Schulen ihre Arbeit aufgenommen haben: dem Neuen Städtischen Gymnasium und der Zweiten Integrierten Gesamtschule ...

Von Peter Godazgar 14.09.2015, 18:28

Vor knapp drei Wochen hat das neue Schuljahr begonnen - aber unter jenen, für die wieder mal alles neu ist, sind diesmal nicht nur die Erst- und die Fünftklässler, sondern auch ein paar Erwachsene. Jene insgesamt 13 Lehrer nämlich, die an den beiden neuen halleschen Schulen ihre Arbeit aufgenommen haben: dem Neuen Städtischen Gymnasium und der Zweiten Integrierten Gesamtschule (IGS).

Ein Besuch bei deren Leitern - bei Jan Riedel vom Gymnasium und Bettina Klaus von der Zweiten IGS - fördert diverse Parallelen zutage: Vor allem versprühen beide die Lust am Neuanfang.

Eine einmalige Chance

„So eine Chance kommt nicht wieder“, sagt Riedel in seinem noch längst nicht fertig eingerichteten Büro in der Oleariusstraße nahe des Hallmarkts. „Das ist eine einmalige Chance, 25 Jahre lang wurden Schulen nur geschlossen“, sagt Bettina Klaus in ihrem noch längst nicht fertig eingerichteten Büro im Schulgebäude an der Rigaer Straße.

Dabei hatte sich zumindest Jan Riedel eigentlich „nur“ auf einen ganz normalen Lehrerposten im neuen Gymnasium beworben. Als man ihn dann fragte, ob er sich auch vorstellen könne, die Leitung zu übernehmen, hat er dennoch nicht lange gezögert. Gerade mal 33 Jahre ist Riedel alt, und außerdem Vater von fünf Kindern, darunter gleich zwei Zwillingspaare, die beiden Jüngsten sind gerade ein Jahr alt. Riedel kratzt sich am Kopf und lacht: Familientechnisch habe es eigentlich nicht so gut gepasst, aber ihn lockte einfach die große Chance, etwas zu bewegen.

Arbeit am Giebichenstein-Gymnasium Thomas Müntzer

Zuletzt hatte Riedel vier Jahre am Giebichenstein-Gymnasium Thomas Müntzer gearbeitet. Die neue Schule ist für ihn die Chance, aus eingefahrenen Bahnen auszubrechen. „Ich will nicht so tun, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen“, sagt er. Aber er will mit seinen fünf Kollegen doch so einiges an alternativen Formen ausprobieren: Offene, auch fächerübergreifende Unterrichtsformen sind geplant sowie selbst organisiertes, nachhaltiges Lernen.

Ganz ähnlich klingt das bei Bettina Klaus, die von der „alten“ IGS kommt, wo sie zuvor 25 Jahre als Lehrerin gearbeitet hatte: Mit ihrer Stellvertreterin Sigrun Schramm - sie war zuvor an der „Kooperativen Gesamtschule Ulrich von Hutten“ - hat sie sich vom Konzept „Schule im Aufbruch“ inspirieren lassen, einer Berliner Initiative, die Schule zu einem Lernort machen will, an dem Schüler ihre Talente entdecken und Potenziale entfalten.

Selbstverantwortliches Lernen

Auch an der Zweiten IGS wird also intensiv am Konzept gefeilt, auch dort bildet selbstverantwortliches Lernen einen Schwerpunkt. Außerdem, bemerkt Klaus, arbeite man daran, Ganztagsschule zu werden. Und beide, Riedel wie auch Klaus, wollen Spätstarter in den Blick nehmen. Vor allem Jungs, so Riedels Erfahrung, wüssten erst am Ende der Mittelstufe, was sie wollen. Im „normalen“ Schulbetrieb hätten da aber schon viele eine Erfahrung des Scheiterns gemacht, ergänzt Bettina Klaus. Umso idealer findet sie das IGS-Konzept, bei dem bis zur 9. Klasse den Schülern alles offen steht. Klaus’ Stellvertreterin Schramm sagt gar selbstbewusst: „Wir haben die modernste Schulform.“ 72 Schüler und drei Klassen gibt es am neuen Gymnasium, 95 Schüler in vier Klassen sind es an der Zweiten IGS. Ihre Schüler kämen aus dem gesamten Stadtgebiet, sagt IGS-Chefin Klaus. „Das freut uns sehr.“

Endgültige Berufung steht bislang aus

Was Riedel und Klaus außerdem eint: Bei beiden steht auf den Internetseiten der Stadt hinter ihren Namen die Abkürzung „komm.“, soll heißen: Sie haben ihre Ämter bislang nur kommissarisch inne, also vertretungsweise. Die endgültige Berufung steht noch aus, die Bewerbungsverfahren laufen. Natürlich würde beide sehr gerne weitermachen. (mz)