Gedenken an Nazi-Opfer

Gedenken an Nazi-Opfer: Brachwitz ehrt Carl Wentzel

Brachwitz/MZ/dka/rbö. - Eine Gedenktafel soll am kommenden Sonntag um 10 Uhr in der Brachwitzer Thomas-Müntzer-Straße 3 enthüllt werden. Damit erhält die Gemeinde erstmals eine Stätte, die an Oberamtmann Carl Wentzel (1876 - 1944) erinnert. Wentzel, der während der Nazi-Zeit hingerichtet wurde, wurde vor 125 Jahren in Brachwitz ...

04.12.2001, 18:26

Eine Gedenktafel soll am kommenden Sonntag um 10 Uhr in der Brachwitzer Thomas-Müntzer-Straße 3 enthüllt werden. Damit erhält die Gemeinde erstmals eine Stätte, die an Oberamtmann Carl Wentzel (1876 - 1944) erinnert. Wentzel, der während der Nazi-Zeit hingerichtet wurde, wurde vor 125 Jahren in Brachwitz geboren.

Nach der Enthüllung der Gedenktafel ist eine öffentliche Gesprächsrunde im Gemeindeamt geplant. Experten werden in dieser Runde zum Thema "Carl Wentzel - sein Leben und Werk" sprechen. Zu Wort kommen sollen unter anderem Prof. Heiner Lück, Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, und Prof. Hermann-Josef Rupieper von der Martin-Luther-Universität Halle. Die beiden Wissenschaftler werden auch auf Fragen aus dem Publikum eingehen.

Wissenswertes über Carl Wentzel hat auch der ehrenamtliche Dorfchronist Hans-Dieter Paul zusammengetragen. Ihm zufolge gibt es viele gewichtige Gründe, Carl Wentzel, der am 20. Dezember 1944 in der Strafanstalt Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde, ein Denkmal zu setzen. Wentzel sei mit dem ehemaligen Oberbürgermeister von Leipzig, Dr. Goerdeler, bekannt gewesen, der über enge Verbindungen zu den Widerstandsgruppen gegen Hitler verfügte. Mitglieder dieser Gruppen und auch Goerdeler selbst kamen mehrfach auf Wentzels damaligen Wohnsitz in Teutschenthal zusammen. Nach Stauffenbergs Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 traf die Rache der Nazis auch Wentzel, der verhaftet und vor dem Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurde. Sein Gnadengesuch lehnten die Machthaber ab, so Hans-Dieter Paul.

Nach Aussage des Dorfchronisten galt Carl Wentzel als ein außergewöhnlich sozial eingestellter Mensch , der immer dort half, wo Hilfe nötig war. Paul: "Zeitzeugen konnten mir das in persönlichen Gesprächen bestätigen." In Salzmünde ließ er beispielsweise eine Wohnsiedlung errichten.

Wentzel bewirtschaftete eine Fläche von über 36 000 Morgen als Eigentum oder gepachtetes Land. Der landwirtschaftliche Bereich des Unternehmens teilte sich in Pflanzen- und Tierproduktion auf. Daneben gehörten ihm Betriebe, die die landwirtschaftlichen Produkte weiter verarbeiteten.

Die Finanzierung der Gedenktafel übernimmt laut Paul die Familie Wentzel. An der Stelle, wo Carl Wentzel geboren wurde, steht heute eine Kindertagesstätte. Früher befand sich dort ein Gut, das Carl Wentzels Vater gepachtet hatte.