Fußgänger überfahren

Fußgänger in Halle (Saale) überfahren: Polizei sichert Blackbox der Straßenbahn

Halle (Saale) - Nach dem tödlichen Zwischenfall mit einer Straßenbahn wird der Fahrtenschreiber ausgewertet. Der Havag-Betriebsleiter zeigt sich sehr betroffen.

Von Dirk Skrzypczak und Oliver Müller-Lorey 27.04.2017, 09:28

Am Tag nach dem tödlichen Zwischenfall in der Beesener Straße ist die Betroffenheit bei der Havag groß. „Unser Mitgefühl gilt der Familie des Opfers und dem Fahrer der Straßenbahnbahn. Es ist furchtbar, wenn ein Leben ausgelöscht wird“, sagte Havag-Betriebsleiter Gerd Blumenau der MZ.

Am Dienstagnachmittag war ein 42-Jähriger von einer Tram erfasst und dabei so schwer verletzt worden, dass er noch vor Ort starb. Die Rettungskräfte, denen Blumenau großen Respekt zollt, konnten nichts mehr für ihn tun.

Fußgänger in Halle (Saale) überfahren: Polizei wertet Daten des Fahrtenschreibers der Straßenbahn aus

Unterdessen haben Ermittler der Polizei die Blackbox der Straßenbahn gesichert, um die Daten auszuwerten. „Wir haben Zeugenaussagen aufgenommen und mit der Familie des Mannes gesprochen. Mehr können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“, erklärte eine Polizeisprecherin gegenüber der MZ.

Der Fahrer der Straßenbahn erlitt einen Schock und wird psychologisch betreut. „Nach allem, was wir bislang wissen, hat der Fahrer vorschriftsmäßig gehandelt. Es ist ihm nicht möglich gewesen, die Tragödie zu verhindern“, sagte Stadtwerke-Sprecherin Iris Rudolph. Der Fahrer gelte als besonnen und sei sehr erfahren.

Die Beesener Straße sei vorschriftsmäßig ausgebaut. Maximal dürfen die Bahnen hier Tempo 50 fahren, so Rudolph.

Fußgänger in Halle (Saale) überfahren: Neue Debatten um Straßenbahn als Unfallrisiko?

„Der Vorfall wird wieder dazu führen, dass die Debatten einsetzen, wie gefährlich das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer und der Straßenbahn ist“, sagte Blumenau. Angefeuert wurden die Diskussionen zuletzt vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Er hatte die Straßenbahnunfälle in allen deutschen Städten untersucht und 2016 die Ergebnisse präsentiert.

Fast ausnahmslos sind bei Unfällen mit Straßenbahnen die anderen Verkehrsteilnehmer und nicht die Tram-Fahrer schuld. Die meisten Zusammenstöße gibt es mit Autos, eher wenige dagegen mit Radfahrern und Fußgängern.

Im Jahr 2015 ereigneten sich 107 Verkehrsunfälle mit Autos. Zwei davon endeten tödlich, drei Auto-Insassen wurden schwer verletzt. Im selben Jahr wurden 15 Radfahrer und Fußgänger bei Zusammenstößen mit Bahnen verletzt.

Im Jahr 2016 stieg die Zahl der Zusammenstöße mit Kraftfahrzeugen leicht auf 120. Laut Havag wurde nur ein Autofahrer schwer verletzt, Todesfälle gab es nicht zu beklagen. Bei 14 Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern wurden vier Personen schwer verletzt. Über die zwei Jahre hinweg waren gerade einmal fünf Unfälle von Tram-Fahrern verschuldet.

Die Havag beklagt, dass viele Radfahrer und Fußgänger durch Kopfhörer und Handys abgelenkt sind und Unfälle sehr häufig nur durch Notbremsungen verhindert werden. (oml)

Fazit: Bezogen auf die Einwohnerzahl rangiert Halle auf Rang vier. Unter anderem kritisiert der GDV, dass sich in Halle Gleiskörper in der Mitte der Fahrbahn befinden und nicht am Straßenrand. „Pauschal kann man daraus kein Unfallrisiko ableiten. Wir arbeiten und bauen streng nach Normen“, erklärte dazu der Havag-Betriebsleiter. Die Straßenbahn sei nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel in der Stadt, schwere Unfälle würden nur selten passieren. Sicherheit habe Priorität.

Nach dem Unfall sucht die Polizei auch weiterhin nach Zeugen: Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich im Polizeirevier Halle unter der Rufnummer 0345/224-2000 zu melden. (mz)