„Flusslandschaft des Jahres“

„Flusslandschaft des Jahres“: Weiße Elster - das lange unterschätzte Gewässer

Halle (Saale) - Das lange unterschätzte Gewässer ist jetzt zur „Flusslandschaft des Jahres“ gewählt worden. Das freut auch den Halleschen Angelverein.

Von Katja Pausch 03.11.2019, 14:00

Halle liegt bekanntlich an der Saale. Die trägt die Stadt auch im Namen. Doch durch einen kleinen Teil im Süden der Stadt fließt noch ein zweiter, vielleicht nicht ganz so bekannter Fluss - die Weiße Elster. Und der ist jetzt eine große Ehrung zuteil geworden: Der gemeinsame Beirat für Gewässerökologie des Deutschen Angelfischerverbandes und der Naturfreunde Deutschlands hat die Weiße Elster zur „Flusslandschaft des Jahres 2020/21“ gewählt.

„Das ist ein Titel, auf den wir gut anderthalb Jahre hingearbeitet haben“, sagt der Geraer Tilo Wetzel, auf Seiten der Naturfreunde Deutschlands regionaler Koordinator für das Thema Flusslandschaft. Die Geraer Naturfreunde waren federführend bei der Antragstellung.

Halle ist die letzte Station der Weißen Elster

Halle nun ist sozusagen die letzte Station der Weißen Elster, die in Tschechien in Aš entspringt und auf 257 Kilometern durch Sachsen und Thüringen nach Sachsen-Anhalt fließt - und damit auch ein Stück durch Halle: Zwischen Lochau/Burgliebenau und der Mündung in Beesen, in der die Weiße Elster in die Saale fließt, sind es etwa zehn Flusskilometer. Und für diese zeigen sich auch die halleschen Angler verantwortlich.

„Wir haben seit 1994 einen Fischereipachtvertrag mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz“, so Ralf Möller, Chef des Halleschen Angelvereins, der insgesamt 2 200 Mitglieder hat. Allerdings sei ein großer Teil der Weißen Elster Naturschutzgebiet und damit nicht freigegeben zum Angeln. Dennoch sind Halles Angler auch in der Saale-Elster-Aue aktiv, unter anderem auch, um die wenigen Angelplätze dort in Ordnung zu halten.

„Quappe, Barbe und Rapfen haben sich längst wieder angesiedelt“

Nach jahrzehntelanger Umweltverschmutzung habe sich die Weiße Elster schnell erholt. „Quappe, Barbe und Rapfen haben sich längst wieder angesiedelt“, so Möller. Auch der Wels habe sich, nachdem er in die Saale eingesetzt worden war, später in der Weißen Elster ausgebreitet. Insgesamt etwa 30 Fischarten gibt es laut Möller dank Neubesatz in der Elster, darunter Aal, Bitterling, Karpfen, Hecht und Zander. Auch die Nase, ein Karpfenfisch, sei aus Thüringen eingewandert. „Früher gab es sogar Lachse in der Elster“, weiß Möller, allerdings benötige dieser einen durchgängigen Fluss.

Die Herkunft des Namens Elster hat nichts mit dem Vogel zu tun. Vielmehr gehört er in seiner Grundform Al-astra oder Al-istra zum indogermanischen el-/ol- für fließen, strömen mit der germanischen Endung -str. Flussnamen, die auf die gleiche Grundform zurückgehen, finden sich in ganz Europa. Die Weiße Elster unterscheidet sich mit ihrem helleren, trüb-stoffreichen Wasser vom in Adorf/Vogtland in die Weiße Elster mündenden Schwarzbach, der bis ins 17. Jahrhundert Schwarze Elster genannt wurde - nicht zu verwechseln mit der Schwarzen Elster als Nebenfluss der Elbe. Die Weiße Elster gilt als der wichtigste Fluss Mitteldeutschlands, mehr als 1,5 Millionen Menschen leben im etwa 5.300 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet. Die alle zwei Jahre ausgezeichnete Flusslandschaft des Jahres will auf die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Bedeutung der Flüsse aufmerksam machen und Maßnahmen zu Erhaltung, Schutz und Renaturierung initiieren. Die Weiße Elster ist eines der am stärksten belasteten Fließgewässer in Mitteldeutschland. Am 21. März 2020 soll in Gera der Titel offiziell vergeben werden.

Und der sei die Elster nun mal nicht, so Möller, der sich genau dies wünschen würde: Dass die Weiße Elster wieder durchgängig fließen könnte. „Dazu müssten das Elsterwehr in Ammendorf/Beesen und das Döllnitzer Wehr zurückgebaut werden“, so Möller, der noch ein weiteres Problemfeld sieht: Die Elster habe häufig Probleme mit der Wasserqualität, da bei Gewitter oder Starkregen in Leipzig Mischwasser in die Elster eingeleitet werde.

Titel „Flusslandschaft des Jahres“ für die Weiße Elster

„Die Kanalisation schafft es dann nicht - die Folge ist Fischsterben in der Weißen Elster“, so Möller. Beide Probleme - die Durchgängigkeit und die Wasserqualität der Elster - könne der Angelverein nicht lösen. „Bei derartigen Entscheidungen sitzen wir nicht mit im Boot“, so Möller. Umso wichtiger sei daher die Vergabe des Titels „Flusslandschaft“ für die Weiße Elster - damit der Fluss länderübergreifend die Aufmerksamkeit bekomme, die ihm gebühre. (mz)