Das „sinnloseste Projekt der Stadt“

Das „sinnloseste Projekt der Stadt“: Widerstand gegen Schotter auf Nordspitze Peißnitz

Halle (Saale) - Der Waldweg an der Nordspitze der Insel soll geschottert werden. Die Maßnahme ist beschlossen. Doch es gibt Widerstand gegen das Vorhaben.

Von Denny Kleindienst

Womöglich war es das letzte Mal. Rund 50 Freizeitsportler haben sich am Samstag auf der Nordspitze der Peißnitz getroffen, um gemeinsam den Waldweg entlang zu laufen, der wegen seines weichen Untergrunds insbesondere bei Joggern beliebt ist.

Dass der Weg, wie er aktuell ist nicht bleiben soll, ist im Stadtrat beschlossen worden. Speziell im Ausschuss für städtische Bauangelegenheiten war der Weg mehrfach Thema. „Letzten Endes“, so der Ausschussvorsitzende Sven Thomas (Hauptsache Halle), habe eine Mehrheit der Auftragsvergabe für die Erneuerung des Weges zugestimmt. Im Oktober sollen die Bauarbeiten beginnen, eventuell schon an diesem Montag.

Das „sinnloseste Projekt in der Stadt“

Das Datum konnte Grünen-Stadtrat Wolfgang Aldag am Samstag allerdings nicht bestätigen, obwohl er bei der Stadt nachgefragt habe. Und auch wenn er es sich wünschen würde, so sieht Aldag kaum Chancen, das Vorhaben noch zu stoppen. Die Joggingrunde, zu der die bündnisgrüne Stadtratsfraktion eingeladen hatte, sollte zumindest noch einmal auf „den Unsinn“ dieser Baumaßnahme mitten im Naturschutzgebiet hinweisen.

Für die Grünen handelt es sich um das „sinnloseste Projekt in der Stadt“. Laut Wolfgang Aldag wäre es das Beste, wenn der Weg bleibt, wie er ist. Denn es sei, „der letzte Weg in der Stadt, der diese naturnahen Oberflächeneigenschaften hat“. Wobei Aldag, der die Joggingrunde im passenden Laufoutfit anführte, nicht nur an die Freizeitsportler denkt.

Was der Landschaftsarchitekt prophezeit

Als Landschaftsarchitekt und Gutachter für Schäden an Freianlagen, wozu auch der Wegebau gehört, wie er betont, prophezeit er schon jetzt: „Wir werden es sehen, kurze Zeit nach der Fertigstellung wird durch den Eintrag von organischem Material, wie zum Beispiel Laub, und durch mangelnde Pflege der Weg im gleichen Zustand sein, wie vor der Erneuerung.“ Die erst vor einem Jahr neugemachten Wege auf der Rabeninsel nennt er als schlechtes Vorbild.

Was Aldag außerdem nicht als Argument gelten lässt: Dass der Wegebau auf der Nordspitze der Peißnitzinsel aus Fluthilfemitteln bezahlt wird. Die mehr als 200.000 Euro wären seiner Ansicht nach an anderer Stelle besser aufgehoben. Er nennt das Riveufer oder die Uferpromenade an den Klausbergen als Beispiel. Auch die Linksfraktion in Halle hatte den Wegebau in diesem Jahr schon als Geldverschwendung kritisiert.

Während René Rebenstorf, Beigeordneter für Stadtentwicklung und Umwelt, daran erinnert hatte, dass die Stadt fast 40.000 Euro an Planungsleistungen zurückzahlen müsse, sollte man das Projekt beerdigen. Mitgelaufen ist am Samstag auch Constanze Kaplick.

Vor einer Woche hat sie die Petition „Für Umwelt und Gesundheit - Kein Schotter auf der Nordspitze“ ins Leben gerufen und einen Zwischenstand an Verwaltung und Stadtrat geschickt. Sie fordert einen Stopp und eine erneute Überprüfung der Maßnahme. Am Sonntag hatte die Petition bereits 947 Unterstützer. (mz)