Cybersicherheit aus Halle

Cybersicherheit aus Halle: Ein Alcatraz für Internetdaten

Halle (Saale) - Für Internetdienste gibt es strenge Vorschriften. Doch kaum jemand weiß, was alles dazu hört. Das hallesche Unternehmen Alfahosting gibt Einblicke.

Von Silvia Zöller 22.09.2019, 05:00

Hier kommt normalerweise niemand hinein, der nicht dienstlich etwas mit Internetsicherheit oder Reparatur von Servern zu tun hat. Wer das Datenzentrum des halleschen Internetdienstleister Alfahosting betreten will, muss erst einen ausführlichen Sicherheitscheck über sich ergehen lassen - und in Begleitung eines Berechtigten sein. „Selbst ich komme nicht alleine hinein“ sagt Daniel Hagemeier, Geschäftsführer von Alfahosting.

Für rund 200.000 Kunden deutschlandweit stellt das hallesche Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als eine Million E-Mail-Postfächer und über eine Million Internetseiten zur Verfügung - Tendenz steigend. Jedoch: Das Datenzentrum steht nicht in Halle: „Dafür reichen die Flächen und vor allem die Bandbreite der Kabel nicht aus“, so Hagemeier.

„Wir haben Kunden, die eine doppelte Speicherung ihrer Daten wünschen“

Stattdessen hat sich das Unternehmen in das Leipziger Datenzentrum der Envia-Tel eingemietet - wie auch weitere Kunden. In Düsseldorf und Hannover hat Alfahosting weitere Datencenter. „Wir haben Kunden, die eine doppelte Speicherung ihrer Daten wünschen“, erklärt der Geschäftsführer.

Cybersicherheit - was dahinter steht, ist aufwendiger, als man sich es vorstellen kann. Brandschutz, Stromversorgung, mechanische und elektronische Absicherung werden in dem Leipziger Datenzentrum mit einem riesigen Aufwand betrieben. Nicht einfach so, sondern weil es das Bundesamt für Informationssicherheit vorschreibt und auch regelmäßig kontrolliert, erläutert Hagemeier. „Ohne diese Standards zu erfüllen, würden wir keine Genehmigung bekommen, dieses Datencenter zu betreiben.“

Sauerstoffgehalt dauerhaft auf 17 Prozent gesenkt

Obwohl es in den Räumen eigentlich nicht brennen kann, weil der Sauerstoffgehalt dauerhaft auf 17 Prozent gesenkt ist, ist zusätzlich eine Stickstoffanlage installiert. So würde ein Brand durch die Flutung der Räume mit Stickstoff sofort erstickt. Eine Klimaanlage sorgt für eine dauerhafte Temperatur von 20 bis 24 Grad - denn die Server produzieren Hitze.

Zudem ist das Zentrum an zwei unabhängige Stromkreise angeschlossen, so dass selbst bei einem Stromausfall keine Daten verloren gehen. Sollte dennoch der Strom komplett ausfallen, was noch nie der Fall war, kommt ein Dieselgenerator zum Einsatz.

Nicht nur Stacheldraht und Videokameras

Doch nicht nur Stacheldraht und Videokameras machen das Datencenter zum hochgesicherten Alcatraz. Bevor man überhaupt zu den Alphahosting-Servern kommt, muss man sechs Zutrittskontrollen überwinden. Dann steht man vor einem Käfig, der nochmals nur per Zugangskarte geöffnet werden kann.

Die eigentlichen Server sind per Schloss in sogenannten videoüberwachte Racks, also Schränke, gesichert. Mehrere „Fireboxen“ wehren Angriffe ab. Trotzdem gibt es rund 6.000 Angriffe pro Minute, sagt Daniel Hagemeier. Diese werden teils automatisch abgewehrt, teilweise aber auch manuell von einem der 24 Technik-Mitarbeiter.

„Aber es gibt auch böse Kunden“

„Aber es gibt auch böse Kunden, die von innen heraus mit betrügerischen Internetseiten arbeiten“, räumt Hagemeier ein. Auch deren Identifizierung und Bekämpfung ist Aufgabe des Alfahosting-Teams. Alles das kann man auch einfacher machen, sagt der Experte. „Aber dann hat es eben nicht diese hohen Sicherheitsstandards.“

Ist man einmal in dem Datenzentrum, kommt man auch nicht mehr alleine hinaus. Dafür braucht es wiederum Berechtigte, die die Türen freischalten und öffnen - eben wie in dem Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz. (mz)