Ausflugslokal in Brachwitz

Ausflugslokal in Brachwitz: Per Schiff zum Saalekietz

brachwitz/MZ - Christian Hager ist ein fröhlicher Mensch. Als er vor gerade mal einem Jahr das alte, heruntergekommene Ausflugslokal an der Saale in Brachwitz zu sanieren begann, stand für ihn fest: 2013 ist Eröffnung. Damals konnte der junge Zimmermann aus Thüringen freilich nicht ahnen, dass im Juni 2013 eine verheerende Flut den Landstrich entlang der Saale und damit auch seine neue Heimat in eine Insellandschaft verwandeln würde. „Mir blieb nichts übrig als die Aussicht zu genießen“, sagt der 32-Jährige heute ...

Von kornelia privenau

Christian Hager ist ein fröhlicher Mensch. Als er vor gerade mal einem Jahr das alte, heruntergekommene Ausflugslokal an der Saale in Brachwitz zu sanieren begann, stand für ihn fest: 2013 ist Eröffnung. Damals konnte der junge Zimmermann aus Thüringen freilich nicht ahnen, dass im Juni 2013 eine verheerende Flut den Landstrich entlang der Saale und damit auch seine neue Heimat in eine Insellandschaft verwandeln würde. „Mir blieb nichts übrig als die Aussicht zu genießen“, sagt der 32-Jährige heute rückblickend.

Die Flut leckte an der ersten Stufe zur Terrasse, schwappte in eine Gästewohnung, war im Keller nur 20 Zentimeter vom Sicherungskasten für das ganze große Gebäude entfernt und hatte zuvor den bereits fertiggebauten Bootsanleger schon vollständig überschwemmt. Für den absoluten Notfall hatte Hager mit seinem kleinen Trecker einen Fluchtweg geschoben. Er musste ihn glücklicherweise nicht nutzen.

Gastronomie an der Saale gibt es im nördlichen Saalekreis in einigen Lokalen. Auf Tradition zurückblicken kann Axel Kinkal mit dem Alt-Wettin. Das Hof-Café in Trebitz bei Kloschwitz hat Kathrin Merten erst nach der Wende eingerichtet. Und die über 200 Jahre alte Dorfkirche in Mücheln (Wettin) hat der Architekt Veit Jäger zu Café mit Galerie umgebaut. (kpr)

Als das Wasser sich zurückgezogen hatte, kamen all jene Freunde und Helfer nach Brachwitz, die schon bei der Sanierung mitgearbeitet hatten. Christians Bruder Thomas, beide sind Zimmerleute, Betonbaumeister Karl Hoffmann, Trockenbauer Dirk Siebert und der Künstler Benjamin Löffler, der die Deckenmalerei übernommen hat - alle haben sofort wieder mit zugepackt, um die größten Schäden zu beseitigen. „Jetzt müssen wir noch die Fassade verputzen und Pfosten mauern, in die dann Holzbänke eingepasst werden“, sagt Hager.

Der Bootsanleger hat das Hochwasser gut überstanden. Hager hatte das Holz zuvor geölt. Nun soll hier in wenigen Wochen das erste Passagierschiff anlegen. Hager sagt: „Wir eröffnen unser Café Saalekietz mit einem großen Fest am 21. September um 15.30 Uhr.“ Dann können Besucher aus Halle mit der MS „Händel“ ab Giebichensteinbrücke bis zum Café Saalekietz schippern. Hager bemüht sich noch um Blasmusik zur Dampferfahrt. Und vielleicht lässt sich aus der Tour ja zusammen mit dem Reeder ein touristisches Angebot entwickeln.

Egal, welches Wetter am Eröffnungstag sein wird - Christian Hager ist gerüstet. Der Saal ist eingerichtet, der Kamin funktionsbereit. Die Terrasse ist mit Klinkern gepflastert. Im Gras stehen Tische und eine ganz besondere Bank. Hager hat den Stamm einer Pappel ausgehöhlt. Von hier hat man einen tollen Blick auf den Fluss.