Streit um Baupläne in Halle An der Liebenauer Straße sind Kompromisse gefragt (Kommentar)
Warum der Widerstand gegen die Baupläne an der Liebenauer Straße nur ein Vorgeschmack auf Kommendes ist.

Halle/MZ - Der Widerstand gegen ein großes Wohnungsbauprojekt im Süden von Halle ist nur ein Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Jahren noch bevorstehen wird: Der Druck durch den Klimawandel steigt. Die Zahl trockener und heißer Tage wird zunehmen – und damit die Notwendigkeit sich darauf einzustellen. Städte werden sich verändern.
Konflikte sind programmiert – Klimaanpassung gegen den Druck, Wohnraum zu schaffen. In Großstädten stellt sich die Frage noch einmal ganz anders als in kleineren Orten, wo die Immobilienwirtschaft klagt, niedrige Bestandsmieten erschwerten klimagerechtes Sanieren und Bauen.
Am Stadtrand zu bauen, befördert bloß Zersiedelung und Boden-Versiegelung
Hinzu kommen individuelle Interessen. Es ist verständlich, dass niemand gerne ein Haus vor den eigenen Balkon gesetzt bekommen möchte. Dennoch ist es richtig, im Wohnungsbestand zu verdichten, also Baulücken zu füllen oder – wie im konkreten Streitfall – an vorhandene Bebauung anzuschließen. Auf der sprichwörtlichen „grünen Wiese“ am Stadtrand zu bauen, befördert bloß Zersiedelung, Boden-Versiegelung und zusätzlichen Verkehr mit allen negativen klimatischen Folgen – ein Fehler aus den 90er Jahren, der sich nicht wiederholen darf.
Die Frage ist allerdings: Wie dicht darf die Verdichtung denn sein? In dieser Frage ist Kompromissbereitschaft von allen Seiten gefordert. Die eine perfekte Lösung gibt es nicht.