Affäre um Manfred Kübler

Affäre um Manfred Kübler : Polizisten in der Volksbank Halle

Halle (Saale) - Die Situation bei der Volksbank in Halle hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach MZ-Informationen haben am vergangenen Donnerstag Polizei und Staatsanwaltschaft die Räume des Geldinstituts in der Wilhelm-Külz-Straße durchsucht. Offenbar hängen die Ermittlungen mit der seit Wochen laufenden Affäre um den Vorstandsvorsitzenden Manfred Kübler zusammen. Die genauen Vorwürfe sind aber noch unklar. Die Staatsanwaltschaft wollte sich am Wochenende auf MZ-Anfrage nicht dazu äußern. Erst heute könne eine Stellungnahme abgegeben werden, sagte der Sprecher Klaus ...

Von Jan-Ole Prasse 06.07.2015, 08:17

Die Situation bei der Volksbank in Halle hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach MZ-Informationen haben am vergangenen Donnerstag Polizei und Staatsanwaltschaft die Räume des Geldinstituts in der Wilhelm-Külz-Straße durchsucht. Offenbar hängen die Ermittlungen mit der seit Wochen laufenden Affäre um den Vorstandsvorsitzenden Manfred Kübler zusammen. Die genauen Vorwürfe sind aber noch unklar. Die Staatsanwaltschaft wollte sich am Wochenende auf MZ-Anfrage nicht dazu äußern. Erst heute könne eine Stellungnahme abgegeben werden, sagte der Sprecher Klaus Wiechmann.

Der Aufsichtsrat der Volksbank hatte vor gut einem Monat die beiden Vorstände Manfred Kübler und Egbert Alter beurlaubt. Offizieller Grund war ein Zerwürfnis im Vorstand. Allerdings waren in den letzten Monaten schwere Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden Kübler erhoben worden. Nach MZ-Informationen ist seit vergangenen Montag Egbert Alter wieder als Vorstand eingesetzt. Der Aufsichtsrat hob seine Beurlaubung auf.

Die Vorwürfe gegen Kübler datieren aus dem vergangenen Jahr. Nach einem internen Prüfbericht des Genossenschaftsverbandes soll der 62 Jahre alte Vorstandsvorsitzende Kredite über 1,35 Millionen Euro erhalten haben, ohne dafür irgendwelche Sicherheiten hinterlegt zu haben. Genehmigt wurden diese Darlehen von einem Untergremium des Aufsichtsrates - dem dreiköpfigen Personalausschuss.

Erst im Sommer 2014 sollen allen Mitgliedern des zehnköpfigen Aufsichtsrates der Volksbank diese Kreditvergaben bekanntgeworden sein. Seitdem geht ein tiefer Riss durch das Gremium. Fünf Mitglieder forderten Kübler auf, Sicherheiten für die Kredite zu hinterlegen. Dies lehnte der Vorstandsvorsitzende offenbar ab und hatte die anderen Aufsichtsräte auf seiner Seite. Stattdessen sollten die fünf Kritiker im Mai dieses Jahres auf einer außerordentlichen Vertreterversammlung abgewählt werden. Dieser Plan scheiterte allerdings. Stattdessen wurden Forderungen auf der Vertreterversammlung laut, den gesamten Aufsichtsrat neu zu besetzen. Zuvor soll aber ein Bericht der Bankenaufsicht Bafin zu den Vorgängen abgewartet werden. Der liegt bis heute noch nicht vor. Die ursprünglich für den 22. Juni angesetzte Vertreterversammlung wurde abgesagt. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Neben den Kreditvergaben steht Kübler auch wegen seines hohen Gehaltes in der Kritik. Das soll mehr als doppelt so hoch sein wie die Vergütung anderer Vorstandsvorsitzender vergleichbarer Volksbanken. Auch dies wird im Prüfbericht für das Jahr 2013 kritisiert. Kübler selbst hat bisher gegenüber der MZ trotz mehrfacher Nachfragen jede Stellungnahme zu den Vorwürfen abgelehnt. (mz)