Mein Sport - meine Welt

Mein Sport - meine Welt: Vielseitig, ehrgeizig, erfolgreich

Naumburg - Die Vielfalt der Sportarten in der Saale-Unstrut-Finne-Region ist groß - genauso wie das Engagement der Athleten, Trainer und Funktionäre. Diese stellt Naumburger Tageblatt/MZ in der Serie „Mein Sport - meine Welt“ in loser Folge vor. Dazu füllen die Sportler einen ...

Von Torsten Kühl

Die Vielfalt der Sportarten in der Saale-Unstrut-Finne-Region ist groß - genauso wie das Engagement der Athleten, Trainer und Funktionäre. Diese stellt Naumburger Tageblatt/MZ in der Serie „Mein Sport - meine Welt“ in loser Folge vor. Dazu füllen die Sportler einen Fragebogen aus.

Im 16. Teil der Serie dreht sich alles um  die 14-jährige Ju-Jutsuka Hannah Möttig von der KSG „Tani Otoshi“ Naumburg. Die Neuntklässlerin ist Schülerin des Domgymnasiums und besitzt den grünen Gürtel (3. Kyu) im Ju-Jutsu sowie den orangenen Gürtel (4. Kyu) im Judo. „Ich war schon immer recht sportlich“, erzählt Hannah Möttig. „Mit nicht mal drei Jahren bin ich Rad gefahren und war zum Beispiel im Weißenfelser Radsportverein Team White Rock aktiv.“ Da sie aber Kampfsport schon immer sehr interessant gefunden habe, ist sie seit März 2014 Mitglied  der Kampfsportgemeinschaft „Tani Otoshi“. Dort wird Ju-Jutsu gelehrt, das sich aus Elementen verschiedener Sportarten – insbesondere Judo, Karate und Aikido – zusammensetzt.

Seit 2015 nimmt Hannah Möttig  an Wettkämpfen teil. „Zum Ju-Jutsu gehören die drei Wettkampftypen Fighting, Duo-System und Ne-Waza, das überwiegend aus Bodentechniken besteht. Ich habe mich für das Ju-Jutsu-Fighting entschieden“, erklärt die Naumburgerin, die in der kommenden Woche 15 Jahre alt wird. „Schnell zeigte sich für mich, dass ich mich im Ju-Jutsu spezialisieren möchte. Da unser Verein nur einmal wöchentlich ein Training unter der Leitung von Christoph Pleyer anbietet und ich meine Fähigkeiten verbessern wollte und will, bin ich seit 2017 zusätzlich noch Mitglied in der Judo-Abteilung der SG  Friesen Naumburg.“ Zudem trainiert Hannah Möttig  etwa acht Mal im Jahr  als Landeskader  im  Zeitzer Stützpunkt.

„In meiner Freizeit und auch mit meiner Familie fahre ich Rad (Mountainbike und Rennrad), laufe, mache Fitnesstraining, fahre Inlineskates oder im Winter Langlaufski“, berichtet die Ju-Jutsuka. Hannah Möttig wurde 2015 und 2019 Landesmeisterin sowie 2016 und 2016 Vizelandesmeisterin. Als Ostdeutsche Schülermeisterin wurde sie 2018 in Berlin als „Beste Technikerin“ geehrt. Bei den Deutschen Schülermeisterschaften 2018 in Maintal (Hessen) wurde sie Dritte, und bei der darauffolgenden Sportlerwahl im Burgenlandkreis belegte sie den zweiten Platz in der Kategorie Nachwuchs Einzel.

„Leider gab es eine Neuregelung der Altersklassen, so dass ich 2019 nicht an den Ostdeutschen Meisterschaften und den Deutschen Schülermeisterschaften teilnehmen durfte. Mein letzter Wettkampf war im März 2020 in Zeitz - der Pokal des Präsidenten - kurz vor dem Lockdown. Dort belegte ich den ersten Platz. Seitdem warte ich auf weitere Wettkämpfe“, sagt Hannah Möttig, die den Steckbrief unserer Zeitung folgendermaßen ausgefüllt hat.

1 Darum liebe ich meinen Sport: Ju-Jutsu bietet -  durch Einflüsse des Judo, Karate und Aikido – eine große Vielfalt an Techniken, im Stand und am Boden, mit und ohne Partner, mit einem höheren Leistungsstand auch mit Waffen wie zum Beispiel Stock, Messer und Pistole. Dieser Sport vereinigt spezielle Fähigkeiten wie Fitness, Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Reaktionsvermögen. Ich mag am Ju-Jutsu, dass es das Prinzip ist, sich zu verteidigen/zu siegen durch Nachgeben (Ju = „sanft“ + „Jutsu“ = „Kunst“).  Durch das Fighting habe ich gelernt, mit vielen unterschiedlichen Trainingspartnern umzugehen. Man muss auf die Aktionen des Kontrahenten reagieren können, um sich durchzusetzen. Hieraus lernt man eben am schnellsten aus seinen eigenen Fehlern.  Einen Kampf gewonnen zu haben, ist natürlich auch ein tolles Gefühl. Und wie mein Trainer Christoph Pleyer immer betont und vorlebt: Durch die Kampfsportetikette und die Ju-Jutsu-Regeln haben Respekt und Disziplin einen hohen Wert.

2 Diese Ausrüstung benötigt man/das reicht schon für Anfänger: In erster Linie braucht man die Freude an der Bewegung und die Neugier, immer etwas dazulernen zu wollen. Man benötigt einen Kampfsportanzug (Gi) mit weißem Gürtel, aber man darf zu Beginn gern auch in normalen Sportsachen bei uns vorbeischauen. Wir haben sogar Anzüge zum Ausleihen. Später braucht man Faust- und Fußschützer, die  aber der Verein stellt. Wenn man an Wettkämpfen teilnehmen möchte, benötigt man noch einen Mundschutz. Jungs brauchen noch einen Tiefschutz. Im Dojo, der Trainingsstätte, selbst liegt dann eine Kampfsportmatte (Tatami) bereit.

3 Deshalb trete ich so gern für meinen Verein an: Unser Verein ist mit rund 40 Mitgliedern recht klein. Alle kennen sich und unterstützen sich. Außerhalb der Matte organisiert unser Verein zum Beispiel jedes Jahr die Abnahme des Sportabzeichens des DOSB, eine Radtour oder Wanderung, ein Sommer- und ein Weihnachtsfest. Unsere Trainingsgruppe ist altersdurchmischt, so kann man von den anderen etwas
lernen und den anderen auch etwas beibringen. Unsere Trainer geben uns entsprechend unseren Fähigkeiten unterschiedliche Aufgaben, so dass wir uns weiterentwickeln können. Neben unserem regulären Training organisieren unsere Übungsleiter kleine Trainingslager an Wochenenden, die für alle Sportler offen sind. Dort haben wir gemeinsam Spaß und  bereiten uns auch auf unsere Gürtelprüfungen oder auf Wettkämpfe vor.

4 Mein/e Lieblingsgegner ist/ sind: Ich trete gern gegen Gegner mit Erfahrungen, zum Beispiel auch in anderen Kampfsportarten, an. Spannend ist es, zu überregionalen Turnieren zu fahren, wo man neue Wettkämpfer kennenlernt. Mein wichtigster Gegner und Trainingspartner sind meine inneren und körperlichen Grenzen, die ich immer erweitern möchte.

5 Am meisten hat mich inspiriert/meine Vorbilder sind: Ich fand schon immer in Filmen Kampfszenen oder Superhelden toll, die über extreme körperliche und mentale Stärken verfügen.

6 Das war meine bisherige sportliche Sternstunde: Toll war am 18. April 2015 meine erste Landesmeisterschaft hier in Naumburg. Ich habe einen Kampf in weniger als 30 Sekunden gewonnen und wurde schließlich auch Landesmeisterin. Meine ganze Familie war dabei. Ich war erst neun  Jahre alt. Stolz bin ich natürlich auf meine Gürtelprüfungen. Bei diesen bin ich aufgeregter als bei den Wettkämpfen. Ein absoluter Höhepunkt für mich waren am 25. Mai 2018 die Deutschen Schülermeisterschaften in Maintal (Hessen), bei denen ich den dritten Platz  belegte. Das war eine Veranstaltung mit 330 Kämpfern. Feierlich wurde der Wettkampf mit der Aufstellung aller Teilnehmer aus ganz Deutschland gestartet, und es wurde die Nationalhymne gespielt. Es war wahnsinnig viel los. Die Anspannung war allen anzusehen. Mein Trainer hat mich sehr unterstützt. Es war sehr spannend, sich mit Kämpfern aus ganz Deutschland zu messen und dann sogar Bronze zu holen. Für diesen Erfolg bin ich für die Sportlerwahl im Burgenlandkreis nominiert worden. Die Ehrung im Lichthof in Freyburg  war ebenso ein sehr feierlicher und schöner Moment für mich.

7 Das möchte ich in meinem Sport noch erreichen: Ich möchte die Qualifikation für die Deutschen Schülermeisterschaften noch einmal schaffen und diese Herausforderung und diese Atmosphäre an- und wahrnehmen sowie gegen die besten Kämpfer Deutschlands antreten. Mal sehen, was dann noch kommt. Und ich möchte noch zu weiteren Gürtelprüfungen antreten.

8 Das gefällt mir nicht, das müsste sich in meiner Sportart/meinem Verband ändern: Generell wäre mehr Aufmerksamkeit für den Kampfsport in der Öffentlichkeit schön. Wobei ich es toll finde, dass das Naumburger Tageblatt über uns so oft berichtet. Speziell zu Corona-Zeiten ist Ju-Jutsu undenkbar, da es ein Kontaktsport ist. Das Training mit meinen Freunden und Trainingspartnern fehlt mir sehr. Ich versuche mich mit Ausdauertraining und Fitnessübungen sowie den Übungsvideos – zum Beispiel  für Schlag- und Tritttechniken – meiner Trainer oder dem Kadertraining über Zoom fit zu halten.