Mansfeld-Südharz Mansfeld-Südharz: Erste Mieter ziehen in die Petrihöfe
eisleben/MZ. - Ein langer Weg nähert sich seinem Ende: Fünf Jahre, nachdem die Idee für die Eisleber Petrihöfe erstmals öffentlich vorgestellt wurde, steht das Projekt in der Petristraße 8-10 nun vor dem Abschluss. "Bis auf die Außenanlagen sind wir fertig", sagte Steve Richter, Baukoordinator bei der Eisleber Wohnungsbaugesellschaft (Wobau), im Gespräch mit der MZ. Die ersten Mieter seien bereits eingezogen. "Darunter sind zum Beispiel eine junge Familie ebenso wie ein 90-jähriger Mann", so Richter. Und genau das sei ja auch das Konzept gewesen, nämlich ein generationsübergreifendes Wohnen. Etwa die Hälfte der insgesamt 21 Wohnungen sowie die Gewerbeflächen sind bislang vermietet. Für die anderen Wohnungen - alle sind barrierefrei - haben sich schon zahlreiche Interessenten vormerken lassen. Unter anderem noch frei sind zwei rollstuhlgerechte Wohnungen. Praktisch für Senioren und Pflegebedürftige: Im Vorderhaus Petristraße 8 ist der Kranken- und Altenpflegedienst Beinert dabei, eine Tagespflege einzurichten.
Das Projekt hat eine bewegte Geschichte. Zunächst hatte ein Berliner Architekturbüro Pläne für Mehrgenerationenhäuser sowie ein Kunst- und Kulturzentrum entwickelt. Später kam es allerdings zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und dem Büro. In der Folge sollte die Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft (Saleg) das Projekt realisieren; 2009 übernahm es dann die Wobau. Mitte 2010 begannen die Bauarbeiten. Von den beiden historischen Ackerbürgerhäusern 8 und 10, die eigentlich saniert werden sollten, konnten auf Grund des sehr schlechten Zustands letztendlich nur einige Mauern erhalten werden. Ein großes Problem sei auch der zum Teil "miserable" Baugrund gewesen, so Richter. Im vorderen Bereich habe man deshalb den Boden mehrere Meter tief ausgetauscht. Der Neubau musste zudem um drei Meter gegenüber der ursprünglichen Planung verschoben werden, weil der Verwalter eines Nachbargrundstücks einer Grenzbebauung nicht zustimmte. Diese Verschiebung des Baukörpers führte wiederum dazu, dass eine komplett neue Planung für die Außenanlagen erarbeitet werden musste. Deshalb konnten die Anlagen auch noch nicht fertiggestellt werden. Statt entlang des Neubaus werden nun an dem Hang hinter dem Haus eine Terrasse sowie eine Grünfläche entstehen. Die beiden originalen Eingänge zu dem früheren Bierkeller sollen erhalten bleiben; sie werden mit Schutzgittern versehen. "So lange es das Wetter zulässt, wird an den Außenanlagen gearbeitet", so Richter.
Laut Wobau-Geschäftsführer Marc Reichardt handelt es sich mit Baukosten von rund 3,5 Millionen Euro um eines der bisher anspruchsvollsten Projekte des kommunalen Unternehmens in der Altstadt. Gefördert wird die Investition durch den Bund, das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Eisleben. Als ein Modellvorhaben im Experimentellen Wohnungs- und Städtebau sollen die Petrihöfe unter anderem private Folge-Investitionen auslösen. Und dazu könnte es tatsächlich bald kommen. Wie Baukoordinator Richter sagte, überlege ein Eigentümer in der Petristraße bereits, sein Haus jetzt ebenfalls zu sanieren.