Luftangriff im Jahr 1945

Luftangriff im Jahr 1945: Schrecken über Amsdorf

Amsdorf - Am 9. Februar 1945 ertönten im Mansfelder Seegebiet die Sirenen. Fliegeralarm! Für die Menschen in Röblingen und Umgebung eigentlich nichts Besonderes. „Wir hatten oft Alarm, auch nachts“, blickte eine alte Amsdorferin viele Jahre später ...

Von Burkhard Zemlin

Am 9. Februar 1945 ertönten im Mansfelder Seegebiet die Sirenen. Fliegeralarm! Für die Menschen in Röblingen und Umgebung eigentlich nichts Besonderes. „Wir hatten oft Alarm, auch nachts“, blickte eine alte Amsdorferin viele Jahre später zurück.

Überraschende Attacke

Die Fliegerverbände am Himmel boten zwar immer ein eindrucksvolles Bild, wurden von vielen aber wohl kaum noch als Bedrohung wahrgenommen, weil die Bombergeschwader erfahrungsgemäß andere Ziele ansteuerten, und die lagen zumeist zwischen Halle-Merseburg und Leuna.

Doch an diesem 9. Februar war alles anders, die Piloten klinkten über Amsdorf drei Bomben aus, möglicherweise mit der Absicht, die Überlandzentrale der Elektrizitätsversorgung am Rande der Bahnline Halle – Eisleben zu zerstören. Doch diese Zentrale blieb unversehrt, getroffen wurden zwei Wohnhäuser, so auch das Heim der Familien Nölke und Memleb, über die an diesem Tag das Unglück hereinbrach.

Trauma nie überwunden

Anna Nölke und ihre Tochter Erna Memleb mit dem dreijährigen Enkelkind starben in den Trümmern. Der 20-jährige Heinz Memleb, der auf Genesungsurlaub nach Hause gekommen war, wurde dabei verschüttet, erlebte Todesängste. Er sollte sich nie wieder von diesem Schrecken erholen, bis ans Ende seines Lebens 1990. „Jedes Jahr vor dem 9. Februar war er fix und fertig“, erinnern sich seine Angehörigen. Da war es besser, ihn gar nicht erst anzusprechen, um nicht die alte Wunde wieder aufzureißen, deren Narbe immer noch so weh tat. Heinz Memleb gehörte zu jenen, die in jungen Jahren die ganze Grausamkeit des Krieges zu spüren bekamen. Als er vor 70 Jahren auf Genesungsurlaub nach Hause kam, glaubte er das Schlimmste bereits überstanden zu haben. Im August 1943 hatte er an der Front ein Bein verloren. Konnte es für ihn danach noch schlimmer kommen?

Doch dann passierte das, was keiner so recht begreifen konnte. Keiner verstand, aus welchem Grund der Pilot seine todbringende Last ausgerechnet über Amsdorf abwerfen musste, über der Hauptstraße 40.

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Schornsteinfegermeister Florian Waroschütz, dessen Haus an diesem Tag ebenfalls nach dem Bombenabwurf in Trümmer sank, hatte Glück im Unglück. Er war an jenem Tag mit seiner Familie verreist und erfuhr erst später von dem Luftangriff. Bald nach dem Krieg ist er weggezogen, in Amsdorf vermag heute keiner mehr zu sagen wohin. Familie Memleb aber ist geblieben und hat ihr Heim wieder aufgebaut. Ein hartes Stück Arbeit, weil die Behörden keine Unterstützung dabei leisteten, lediglich Freunde und Nachbarn halfen. Die staatlichen Stellen sagten, dass die Amerikaner die Bomben geworfen hätten, und so blieb die Familie auf sich gestellt.

Bombenopfer auch in Helfta

Insgesamt waren während des Krieges im Mansfelder Seekreis vier Todesopfer zu beklagen, alles Frauen und Kinder. Neben Anna Nölke, Erna Memleb und deren dreijähriger Tochter Christa Memleb in Amsdorf musste auch Ida Naundorf sterben. Am 11. September 1944 wurde die 58-Jährige bei der Gartenarbeit unter den Trümmern ihres Hauses Gartenstraße 20 begraben. Ihr Gedächtnismal befindet sich nur wenige Schritte hinter der Georgskirche - als eine ständige Mahnung an die Nachgeborenen zum Frieden. (mz)