ZDF-Talkshow Maybrit Illner

ZDF-Talkshow Maybrit Illner mit Dieter Hallervorden: „Sind Friseure wichtiger als die Kunst?“

Berlin - Der Dessauer Ehrenbürger und Leiter des Berliner Schlossparktheaters, Dieter Hallervorden, hat Kritik an den geplanten Corona-Lockerungen geäußert. Hallervorden war am Donnerstag zu Gast in der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner und warf dort die Frage auf: „Sind Friseure wichtiger als die ...

Von Frank Krause 05.03.2021, 16:32

Der Dessauer Ehrenbürger und Leiter des Berliner Schlossparktheaters, Dieter Hallervorden, hat Kritik an den geplanten Corona-Lockerungen geäußert. Hallervorden war am Donnerstag zu Gast in der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner und warf dort die Frage auf: „Sind Friseure wichtiger als die Kunst?“

In einem knapp fünfminütigen Interview zeigte er sich wiederholt entsetzt über den Umgang der Politik mit Kunst und Kultur in den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie. Es wäre wahrscheinlich einfacher, sein Theater wieder zu eröffnen, wenn er daraus einen Friseursalon mache.

„Mich hat auf die Palme gebracht, dass ein nicht so ganz unbekannter Politiker das Wertgefühl von Würde mit einem Haarschnitt verwelkt“, ärgerte sich der 85-Jährige im Interview und nahm dabei direkt Bezug auf ein Zitat des ebenfalls zugeschalteten CSU-Politikers Markus Söder. Dieser hatte die Wiedereröffnung von Friseursalons mit „Würde in diesen schwierigen Zeiten“ gleichgesetzt.

Wer auch immer das aktuelle Öffnungskonzept erarbeitet habe, „ich würde ihn sofort als Kabarettautor versuchen zu gewinnen“

Es ist nicht das erste Mal, dass Hallervorden sich für einen besseren Umgang mit der Kulturszene einsetzt: Unter dem Motto „Alarmstufe Rot“ hatte er Ende Oktober 2020 Seite an Seite mit hunderten Kulturschaffenden in Berlin demonstriert und parallel beim Verwaltungsgericht Berlin für eine mögliche Wiedereröffnung seines Schlossparktheaters geklagt.

„Man hat das Gefühl, dass die Regierung von Organisation so wenig versteht wie eine Heuschrecke vom Dressurreiten.“ Mal sei ein Inzidenzwert von 50, dann von 35 relevant, mal wird der Impfstoff von Astrazeneca nur für unter 65-Jährige empfohlen, dann wieder nicht. Das sorge auch in der Bevölkerung für viel Unverständnis und Verwirrung. Wer auch immer das aktuelle Öffnungskonzept erarbeitet habe, „ich würde ihn sofort als Kabarettautor versuchen zu gewinnen.“

Impfung als „richtigen Weg, diesem Virus zu begegnen“

Er selbst sei trotz seines hohen Alters und der damit verbundenen Priorisierung nur mit großer Mühe und äußerst kurzfristig an einen Impftermin gekommen, dafür musste er sogar die Dreharbeiten für seine neue ZDF-Serie „Mein Freund, das Ekel“ unterbrechen. Trotzdem verteidigte Hallervorden das Impfen und sieht als es den „richtigen Weg, diesem Virus zu begegnen“.

Auch wenn er Impfprivilegien als kritisch einstuft, sagte Hallervorden dennoch: „Ich würde jede Möglichkeit ergreifen, um wieder dem Beruf nachzugehen, den ich aus einem Hobby heraus gewählt habe.“ So gebe es genügend kulturhungrige Leute, die wieder eine Chance bekommen sollten, am kulturellen Leben teilzuhaben. Schließlich forderte er von den anwesenden Politikern ein Recht auf Kunst und Kultur in der Verfassung zu verankern. Eine echte Reaktion darauf unterband Moderatorin Maybrit Illner allerdings kurzerhand. (mz)