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Unruhige Nacht: Warten auf Stefanie

Dessau/MZ. - Nur für einen einzigen Augenblick zögert sie. Als Undine S., die Mutter der ermordeten Stefanie, von Richter Manfred Steinhoff im Saal 18 des Dessauer Landgerichts nach vorn gebeten wird, da will die 49-Jährige einen Augenschlag innehalten. Auf dem Tisch da vorn liegen Bilder. Fotos, die die ermittelnden Kriminalisten am 28. Mai im Keller des Wohnhauses in der Schützenstraße 5 angefertigt haben. Sie zeigen Spuren und sie zeigen die am Boden liegende ...

Von Annette Gens 30.11.2005, 18:06

Nur für einen einzigen Augenblick zögert sie. Als Undine S., die Mutter der ermordeten Stefanie, von Richter Manfred Steinhoff im Saal 18 des Dessauer Landgerichts nach vorn gebeten wird, da will die 49-Jährige einen Augenschlag innehalten. Auf dem Tisch da vorn liegen Bilder. Fotos, die die ermittelnden Kriminalisten am 28. Mai im Keller des Wohnhauses in der Schützenstraße 5 angefertigt haben. Sie zeigen Spuren und sie zeigen die am Boden liegende Stefanie.

Undine S. ist äußerlich eine starke Frau, an jedem Prozesstag sitzt sie als Nebenklägerin im Gerichtssaal, verfolgt die Aussagen der Zeugen. Am Mittwoch musste sie selbst aussagen und sie schildert, was sich am Freitag, als ihre Tochter noch lebte, und an dem darauf folgenden Sonnabend ereignete. Sie erzählt auch über Stefanies Angewohnheiten.

Am Freitag gegen 21 Uhr hatten Mutter und Tochter noch einmal telefoniert. Undine S. wusste, dass Stefanie zum diesem Zeitpunkt auf einer Schulveranstaltung des Fürst-Franz-Gymnasiums im Stadtteil Ziebigk war und später mit Freunden ins Kiez wollte. Gewöhnlich kam die 17-Jährige dann gegen 1 Uhr nach Hause. Nur in dieser Nacht eben nicht. "Ich hatte unruhig geschlafen, war zeitig aufgestanden, versuchte Stefanie gegen 5 Uhr über ihr Handy zu erreichen. Das Handy war an, aber sie nahm nicht ab", schildert sie. Um sich abzulenken, war die 49-Jährige auf die Straße gegangen und hatte die Zeitungen, die ihre Tochter und eine Freundin an jedem Wochenende in der Umgebung austeilten, in den Keller gebracht. Dort fand sie Stefanie am Boden liegend. Sie rüttelte sie leicht an der Schulter, sah die Platzwunde am Kopf und eine Blutstelle am Boden und holte Nachbarn um Hilfe. Die forderten zunächst einen Arzt und wenig später die Polizei an.

Auch Elke R., die Mutter des Angeklagten und Nachbarin von Stefanies Mutter, war am Mittwoch in den Gerichtssaal gekommen. Aber nur für kurze Zeit. Sie nutzte ihr Zeugnisverweigerungsrecht und sagte nicht aus.

Im Laufe der Verhandlung kamen am Mittwoch außerdem Gutachter zu Wort. Unter anderem stellte Prof. Dieter Krause, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin Magdeburg, die Ergebnisse einer sehr komplizierten DNA-Untersuchung vor, die erst vor einiger Zeit durch den Fortschritt der Wissenschaft möglich geworden ist. Aus dem Schamhaar des Opfers sowie von deren Unterlippe waren während der Obduktion drei Haare sichergestellt worden, die erst vorigen Monat in Magdeburg gentechnisch aufwändig untersucht und mit der DNA von Stefanie sowie des Tatverdächtigen Andy R. verglichen worden waren. Diese Haare, so der Sachverständige, stammten ganz sicher vom Opfer. An einem konnte jedoch eine männliche DNA festgestellt werden, die offensichtlich von Außen (zum Beispiel durch Berühren - die Red.) aufgebracht worden war. Diese Spur konnte im Labor weiter differenziert werden. Aus Sicht des Sachverständigen ist nicht auszuschließen, dass es sich um die DNA des Angeklagten handelt. Wie dieses Indiz vom Gericht gewertet wird, bleibt abzuwarten. Andy R. jedenfalls nahm dies ohne Kommentar zur Kenntnis.