Tortenhaus in Mildensee

Tortenhaus in Mildensee: Ute Neumann stellt kleine Kunstwerke her

Mildensee - Mildenseer Kinder machten früher gern einen Abstecher, bevor sie sich im Schulhaus Dellnau auf die Bänke setzten: zum Bäcker gegenüber. Mildensee hatte in den 1960er Jahren mal drei Bäckereien - der Einback von Bruno und Margrit Schurak in der Oranienbaumer Straße aber war legendär. Aus Hefeteig locker gebacken wie ein Milchbrötchen konnte ein frisches Stück Einback vor dem Schulklingeln noch schnell weggeputzt ...

Von Silvia Bürkmann 21.07.2017, 15:45

Mildenseer Kinder machten früher gern einen Abstecher, bevor sie sich im Schulhaus Dellnau auf die Bänke setzten: zum Bäcker gegenüber. Mildensee hatte in den 1960er Jahren mal drei Bäckereien - der Einback von Bruno und Margrit Schurak in der Oranienbaumer Straße aber war legendär. Aus Hefeteig locker gebacken wie ein Milchbrötchen konnte ein frisches Stück Einback vor dem Schulklingeln noch schnell weggeputzt werden.

Auch ein halbes Jahrhundert später kräuselt Rauch aus dem Schornstein des alten Backsteinhauses im Schatten des Napoleonsturmes. Doch statt dunkler Rauchschwaden aus Kohlekaminen entweichen helle Dampfwölkchen aus dem Schornstein: heute aus ölbefeuertem Ofen.

Ute Neumann regiert seit 25 Jahren in der Backstube

In der Backstube steht und regiert seit 25 Jahren Schuraks Tochter Ute Neumann. Sie führt die 1972 von den Eltern erworbene, alteingesessene Dorfbäckerei in zweiter Generation seit 1992 als Inhaberin und Konditorin von „Tortenhaus und Bäckerei“.

Bäckerstochter Ute ist mit ihrem großen Bruder Tilo wortwörtlich in Backstuben aufgewachsen. Bäckermeister Bruno Schurak und Ehefrau Margrit hatten sich 1962 in Hornburg im Mansfelder Land selbstständig gemacht, später in Zörbig eine Bäckerei gepachtet und waren 1972 nach Mildensee gekommen, wo Gustav Harnischmacher Haus und Laden verkaufte. Da tat noch ein mit Schamotte gemauerter Altdeutscher Backofen Dienst, den Schurak durch einen Dampfbackofen ersetzte.

1992 setzte Neumann zuerst auf die klassische Bäckerei

Bei der Geschäftsübernahme 1992 stieg Ute Neumann zunächst vehement in die klassische Bäckerei ein. Holte sich mit Bäckermeister Herbert Tröschel einen versierten Kollegen an die Seite. Denn sie ist eigentlich die Zuckerbäckerin, hatte nach der Schule eine Konditorenlehre bei Konditor Altmann gemacht.

Nach Hochzeit und Geburt von Sohn Markus (1984) und Tochter Andrea (1986) war die Konditorin nach kurzen Pausen ins elterliche Geschäft eingestiegen. In der Marktwirtschaft aber erwuchs für die kleine, klassische Bäckerei ein enormer Konkurrenz- und Preisdruck. Ute Neumann setzte auf die Nische und das, was sie mit Begeisterung gelernt hat und liebt: die Fertigung einzigartiger Torten.

Mundpropaganda wirkt

Mit Hingabe für das kleinste Detail entstehen im Tortenhaus geschmackvolle Kunstwerke. Die Hochzeitstorte mit individuellem Scherenschnitt-Dekor verlangt vom Kundengespräch bis zur Auslieferung eine Woche Zeit. Und hinterlässt neben dem momentanen Geschmackserlebnis bleibende Spuren. Hier wirkt im doppelten Sinn Mundpropaganda: „Willst Du was Besonderes, geh’ zu Frau Neumann.“