Mordfall Yangjie Li

Mordfall Yangjie Li: Dessauer Polizeichef an Fachhochschule in Aschersleben versetzt

Dessau-Rosslau - Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) wird den suspendierten Dessauer Polizeichef Jörg S. an die Fachhochschule der Polizei nach Aschersleben (Salzlandkreis) versetzen. „Die Versetzung wird gegenwärtig vorbereitet und soll dann unverzüglich erfolgen“, sagte Ministeriumssprecher Michael ...

Von Steffen Brachert und Jan Schumann 28.06.2016, 07:58
In­nen­mi­nis­ter Holger Stahl­knecht (CDU) hat den Dessauer Polizeichef nach Aschersleben versetzt.
In­nen­mi­nis­ter Holger Stahl­knecht (CDU) hat den Dessauer Polizeichef nach Aschersleben versetzt. dpa-Zentralbild

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) wird den suspendierten Dessauer Polizeichef Jörg S. an die Fachhochschule der Polizei nach Aschersleben (Salzlandkreis) versetzen. „Die Versetzung wird gegenwärtig vorbereitet und soll dann unverzüglich erfolgen“, sagte Ministeriumssprecher Michael Kraska.

An der Hochschule werden Polizeischüler ausgebildet und Weiterbildungen für Polizisten durchgeführt. Jörg S. soll jedoch nicht als Dozent, sondern in der Verwaltung eingesetzt werden.

Der Ex-Polizeichef ist der Stiefvater des 20-jährigen Haupttatverdächtigen im Mordfall Yangjie Li. Der Ex-Revierleiter war infolge der Ermittlungen zum Tod der  chinesischen Studentin bei Innenminister Stahlknecht in Ungnade gefallen. 

Sein „pietätloses Verhalten“ habe der Polizei geschadet. Jörg S. waren Anfang Juni die Dienstgeschäfte untersagt worden, nachdem er mit seiner Frau - gleichzeitig  Mutter des Tatverdächtigen - eine Gartenkneipe in Dessau eröffnet hatte. Das war nur einen Tag nach der Trauerfeier für die ermordete Studentin. Beide Polizisten waren damals krankgeschrieben.
Stahlknecht hatte die Eröffnung als „fatales Signal“ gewertete. Der Revierleiter sei dem moralischen Anspruch und der Vorbildfunktion als Führungskraft in der Polizei nicht gerecht geworden. Auch Ramona S. wurde suspendiert.

Ministeriumssprecher Michael Kraska erklärte, Jörg S. habe Anspruch auf eine „amtsangemessene Verwendung. Dieser Anspruch wird erfüllt“. Wann Jörg S. versetzt wird, ist noch unklar. Der Beamte ist weiterhin krankgeschrieben.

Unterdessen schweigen die beiden 20-jährigen Verdächtigen in dem Mordfall zu den Fragen der Ermittler. Eine Reihe von Spurengutachten werde in diesen Tagen vorgelegt, sagte Klaus Tewes, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg. Dabei gehe es unter anderem um analysierte Blutspuren vom Tatort.

Laut dem Oberstaatsanwalt gibt es aktuell keinen Anfangsverdacht, nach dem das suspendierte Polizistenpaar Einfluss auf die Ermittlungen in dem Fall genommen hat.