Fundort der ermordeten Chinesin

Mord an Yangjie Li: Abschiedszeremonie - Weiße Rosen als Erinnerung in der Hausmannstrasse in Dessau

Dessau - Am Mittwoch beräumten Freunde der ermordeten Dessauer Studetin Yangjie Li den Trauerplatz in der Hausmannstraße und pflanzten weiße Rosen zur Erinnerung.

Von Sylke Kaufhold

Der Himmel schickte um 18 Uhr ein Tränenmeer auf die Erde, just zu dem Zeitpunkt, als sich in der Hausmannstraße, am Fundort der ermordeten Yangjie Li, Menschen versammelten, um einen Abschluss zu finden.

Der Platz, der in den vergangenen Wochen symbolträchtig für eine unfassbare Tat wurde, ist am Mittwoch zu einem Ort der besonderen Erinnerung geworden. Blumen und Kerzen wurden weggeräumt. Stattdessen war eine Pflanzgrube ausgehoben, stand ein weißer Rosenstrauch bereit.

Etwa 80 Personen - Anwohner aus dem Quartier, Vertreter der Stadt, Politiker und chinesische Studenten - waren gekommen, um gemeinsam einen Abschluss zu gestalten. Unter ihnen auch Jan Paul, Chef der Firma Galabau, der Rose und Erde zur Verfügung gestellt hat. „Diese Form des Erinnerns gefällt mir sehr, deshalb habe ich dies sehr gern unterstützt.“

Etwas Lebendes soll an ihre Tochter erinnern, berichtete Rudolf Lückmann, Professor der Hochschule Anhalt, von dem Wunsch der Eltern. In seiner Rede ließ er die Tat und die Wochen danach Revue passieren. „Die Rose bedeutet in China Unschuld“, sagte Lückmann. „Die Unschuld Yangjie Lis wird das Verfahren zeigen“, nahm der Professor Bezug auf öffentliche Äußerungen, die das Ansehen und den Ruf des Mädchens vergiftet hätten. Eines sei ihm deutlich geworden, betonte Lückmann: „Wir müssen die Opfer mehr schützen. Es kann nicht sein, dass sie mehr Angst haben müssen als die Täter.“

Der weiße Rosenbusch, der am Mittwoch gepflanzt wurde, wird im nächsten Jahr blühen, in dem Monat, in dem Yangjie Li genau dort gefunden wurde. „Wir sollten die Rose als Erinnerung an die Liebe verstehen“, sagte Lückmann.

Worte eines Erinnerungsgedichtes, geschrieben und vorgetragen von der Dessauerin Heidrun Kligge, begleiteten das Einpflanzen des Rosenbusches. Auch Thomas Butzmann, Regionalbereichsbeamter in der Innenstadt, gehörte zu den Besuchern. „Das war sehr emotional, man hat eine würdevolle Form gefunden und den Wunsch der Angehörigen respektiert“, fand der Polizist. Berührungsängste habe er keine, trotz der Kritik an der Polizei. „Ich bin da und zeige meine Verbundenheit.“ Auch er wünsche sich sehr, dass die Tat schnell aufgeklärt wird. „Damit auch bei uns als Polizei Ruhe einkehren kann.“

In der Hausmannstraße wird es künftig nur die weiße Rose sein, die an das chinesische Mädchen erinnert - und auch die Tat selbst nie in Vergessenheit geraten lässt. Ganz am Ende trugen deshalb chinesischen Mitstudenten das Foto von Yangjie Li fort. (mz)