Übergriff in Roßlau

Missbrauch Kind in Roßlau - Haftbefehl gegen 27-Jährigen aus Niger

Roßlau - Nach einem sexuellen Übergriff auf ein neunjähriges Mädchen in Roßlau hat das Amtsgericht Dessau-Roßlau am Montagnachmittag Haftbefehl gegen einen Tatverdächtigen aus dem Niger erlassen.

Von Steffen Brachert 10.06.2019, 16:43

Nach einem sexuellen Übergriff auf ein neunjähriges Mädchen in Roßlau hat das Amtsgericht Dessau-Roßlau am Montagnachmittag Haftbefehl gegen einen Tatverdächtigen aus dem Niger erlassen.

Gegen den 27-Jährigen wird wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs ermittelt. Der Mann wurde am Montag in eine Justizvollzugsanstalt gebracht. Weitere Angaben in dem Fall machten Polizei und Staatsanwaltschaft zum Schutz des Kindes nicht.

Mädchen auf Elbwiesen missbraucht: Zeugen hören Schreie

Der Übergriff hat sich am Sonntagvormittag in den Elbwiesen an der Südstraße ereignet. Der Mann soll das Mädchen dort auf eine ungemähte Rasenfläche gedrängt und ausgezogen haben. Spaziergänger hatten gegen 10.30 Uhr Hilferufe gehört und waren in die Richtung gelaufen.

Das Mädchen konnte sich genau in diesem Moment befreien. Der Mann flüchtete mit einem blauen Mountainbike in Richtung der Roßlauer Wasserburg.

Die Polizei leitete eine Großfahndung ein und forderte zur Unterstützung aus der Luft auch einen Hubschrauber an. Dieser kreiste lange über Roßlau. Am Ende konnte der Mann gegen 13.45 Uhr von mehreren Zeugen in der Lukoer Straße gestellt und überwältigt werden. Dabei soll auch Pfefferspray zum Einsatz gekommen sein. Die Polizei übernahm den Tatverdächtigen kurze Zeit später.

Nach Missbrauch in Roßlau: Hubschrauber im Einsatz

Der Übergriff hatte am Pfingstsonntag in Roßlau für große Aufregung gesorgt. Zahlreiche Dessau-Roßlauer hatten am Sonntag über Facebook einen eilig veröffentlichten Fahndungsaufruf geteilt und verbreitet und auch selbst nach dem Tatverdächtigen gesucht. Auch der über der Stadt kreisende Hubschrauber sorgte für viele Nachfragen.

Nach der Festnahme des Tatverdächtigen hatte es gegen 18 Uhr in Roßlau noch eine Spontandemo gegeben. Treffpunkt war der Bahnhof in Roßlau. Unter der Überschrift „Schützt unsere Kinder“ zogen nach Polizeiangaben etwa 120 Menschen durch Roßlau. Die Demo blieb friedlich.

Christa Müller (Bürgermeisterin Roßlau) ist fassungslos 

„Ich bin fassungslos“, sagte eine geschockte Roßlauer Bürgermeisterin Christa Müller, die im Urlaub von dem Verbrechen in ihrer Stadt erfuhr. Ihre Gedanken seien bei dem Opfer und dessen Familie. Müller forderte „eine scharfe Reaktion von Staat und Justiz“. Man könne nicht länger einfach zusehen und immer wieder nach Entschuldigungen suchen. „In diesem Fall muss mit aller Härte des Gesetzes durchgegriffen werden.“

Auch Roßlaus Kreisoberpfarrer Jürgen Tobies sprach von einer „fürchterlichen und empörenden Tat“ und nahm Polizei und Staatsanwaltschaft in die Pflicht. „Die haben nun das erste Wort.“ Es gelte, den Fall aufzuklären, und für Fakten zu sorgen.

Flüchtling war im Landkreis Wittenberg gemeldet und hatte einen Duldungsstatus

Der Tatverdächtige aus dem Niger soll nach MZ-Informationen in den Zuständigkeitsbereich der Ausländerbehörde des Landkreises Wittenberg fallen. Was der Mann in Roßlau wollte, ist offen.

Über seinen Aufenthaltsstatus ist offiziell nichts bekannt. Nach MZ-Informationen soll der Mann aber eine Duldung haben. Eine Duldung verschafft einem Ausländer keinen rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland.

Ein Geduldeter muss perspektivisch das Bundesgebiet verlassen, es wird aber vorübergehend davon abgesehen, die Ausreisepflicht mit dem Zwangsmittel der Abschiebung durchzusetzen. Die Duldung des tatverdächtigen Mannes sollte nach MZ-Information am 18. Juni auslaufen. (mz)