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Kurt-Weill-Fest 2016 in Dessau Kurt-Weill-Fest 2016 in Dessau: Modernes und Schrilles

Von ute könig 19.10.2015, 18:56
Intendant Michael Kaufmann blickte in einem Gespräch mit der MZ-Lokalredaktion auf das kommende Kurt-Weill-Festival voraus.
Intendant Michael Kaufmann blickte in einem Gespräch mit der MZ-Lokalredaktion auf das kommende Kurt-Weill-Festival voraus. Ute König Lizenz

dessau-rosslau - Es wird modern beim nächsten Kurt-Weill-Fest: „Krenek, Weill und die Moderne“ lautet das Motto. Und es wird wohl auch ein wenig schrill: Stargast des Festivals 2016 ist Nina Hagen. Die deutsche Sängerin gibt zwei Konzerte in Dessau und Magdeburg.

Genau die richtige Partnerschaft

Das Engagement Nina Hagens ist einer Partnerschaft zu verdanken, die Michael Kaufmann sehr am Herzen liegt: der Partnerschaft mit dem Beatclub. „Am Ende eines Telefonats sagte Jörg Folta: ,Übrigens, ich könnte Nina Hagen zum Kurt-Weill-Fest holen’“, erzählt der Intendant des Kurt-Weill-Festes. Der zögerte nicht lange und gab dem Beatclub-Chef grünes Licht. An dieser Kooperation sehe man, wie wichtig solche seien und welche Qualität in ihnen stecken, betont Kaufmann. Eine Anfrage bei Nina Hagens Agentur durch das Kurt-Weill-Fest selbst wäre vermutlich wenig erfolgreich verlaufen. Der Beatclub aber war dafür genau der richtige Partner.

Von Nina Hagens Management zugesagt sei, dass das eine oder andere von Brecht und Weill auf die Bühne kommt. Wie das Programm der schrillen Künstlerin genau aussehen wird, da lässt sich selbst der Intendant überraschen. „Das kann in alle Richtungen gehen. Aber das ist ja auch gut“, so Kaufmann.

Denn wer das Kurt-Weill-Fest kennt, weiß, dass sich das Programm am jeweiligen Motto orientiert, es jedoch immer auch Überraschungen und Entdeckenswertes abseits bietet. Kaufmann vergleicht es mit einem Fluss. „Je breiter er wird, umso unterschiedlicher und interessanter werden die Uferlandschaften.“ Ein gigantischer Wasserfall sei auch etwas schönes. „Aber das ist eben ein einmaliges Erlebnis.“ Sein persönlicher Anspruch ist es, das Festival so zu gestalten, dass offene Gedanken möglich sing. Und so ist kaum zu bezweifeln, dass sich auch Nina Hagen bestens in das Dessauer Festival einpassen wird.

Für zwei Auftritte ist die Künstlerin gebucht. Wie bereits die Konzerte von Ute Lemper beim vergangenen Festival wird eines in Dessau und eines in Magdeburg stattfinden. Kaufmann hält an seinem Vorhaben fest, das Festival auch in die Region zu bringen. Hauptstandort ist und bleibt natürlich Dessau. Genauso wie die Idee der Moderne vom Bauhaus in die ganze Welt getragen wurde, solle auch heute gesehen werden, welches Potenzial und welche Ausstrahlungskraft die Stadt habe.

Deshalb setzt Michael Kaufmann beim kommenden Kurt-Weill-Fest auf noch eine und diesmal geographische Partnerschaft. Anlässlich des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit steht das erste Festival-Wochenende ganz im Sinne der Städtepartnerschaft von Dessau und Ludwigshafen. „Diese Städtepartnerschaft ist mittlerweile etwas vergessen“, so Kaufmann. „Das finde ich schade.“ Deshalb ist die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz erneut in Dessau zu Gast. Nach dem Eröffnungskonzert spielt das Orchester ein Programm mit Filmmusik unter dem Motto „Von Babelsberg nach Hollywood“.

Partnerstadt dazugeholt

Michael Kaufmann will sich mit diesem Engagement keine eigene Karte zuspielen. Schließlich ist er nicht nur Intendant des Weill-Festes, sondern auch Intendant der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Er möchte vielmehr den „Zufall“, wie er es nennt, und damit den sich daraus ergebenden finanziellen Vorteil nutzen, dass er an beiden Orten tätig ist. „Wir könnten ein solches Programm auf dem freien Markt nicht machen“, betont Kaufmann.

Das dritte Programm entsteht ebenfalls in Ludwigshafen. Der Artist in Residence des Kurt-Weill-Festes 2016, Ernst Kovacic, erarbeitet mit Musikstudenten aus Mannheim und Karlsruhe das Programm für ein Salonkonzert, in dem er selbst als Stehgeiger zu erleben sein wird. Dieses Projekt ist einerseits ganz im Sinne der Nachwuchsförderung als Ziel des Weill-Festes. Andererseits zeigt es eine neue Sicht möglicher Festival-Facetten. „Ich denke, wir können dem Publikum wieder einiges für kleinere und größere Entdeckungsreisen bieten“, so Kaufmann. (mz)

Intendant Wolfgang Kaufmann blickte in einem Gespräch mit der MZ -Lokalredaktion auf das kommende Kurt-Weill-Festival voraus.
Intendant Wolfgang Kaufmann blickte in einem Gespräch mit der MZ -Lokalredaktion auf das kommende Kurt-Weill-Festival voraus.
dpa Lizenz