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Gedenken an die getötete Yangjie Li

Gedenken an die getötete Yangjie Li: Anteilnahme in Dessau: Der Lauf der Trauernden

Dessau - Sie wollen zeigen, dass sie zusammen stehen in dieser schweren Zeit, dass sie sich nicht von diesem grausamen Verbrechen unterkriegen lassen. Über 150 Dessau-Roßlauer, darunter viele Studenten, sind am Mittwochabend vom Stadtpark aus zu einem Gedenklauf für die ermordete 25-jährige Studentin Yangjie Li gestartet. „Jogging in Memorial of Yangjie Li“ ist der Lauf überschrieben, der bis zum Hochschulgelände ...

Von Lisa Garn und Kai Gauselmann 18.05.2016, 18:20

Sie wollen zeigen, dass sie zusammen stehen in dieser schweren Zeit, dass sie sich nicht von diesem grausamen Verbrechen unterkriegen lassen. Über 150 Dessau-Roßlauer, darunter viele Studenten, sind am Mittwochabend vom Stadtpark aus zu einem Gedenklauf für die ermordete 25-jährige Studentin Yangjie Li gestartet. „Jogging in Memorial of Yangjie Li“ ist der Lauf überschrieben, der bis zum Hochschulgelände führte.

Trauer verarbeiten

Es ist auch einer der Wege, um die Trauer zu verarbeiten. „Es ist eine schrecklich und erschütternde Tat, für alle. Mit dem Lauf wollen wir der Familie zeigen, dass sie nicht allein ist“, sagt die Studentin Dilyana Dobreva, die den Lauf mitorganisiert hat. Die Läufer bekamen vor dem Start gelbe Bänder. „Sie symbolisieren das Leben. Wir wollen das Leben feiern und uns nicht kleinkriegen lassen.“

Auch Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jörg Felgner (SPD) hat bestürzt auf den Mord an einer chinesischen Studentin in Dessau reagiert. „Ich bin wie viele Sachsen-Anhalter bestürzt über dieses abscheuliche Verbrechen“, sagte er der MZ. Er habe „großes Mitgefühl mit den Angehörigen“ und wolle sich am Donnerstag in das Kondolenzbuch der Hochschule eintragen. „Ich habe die Hoffnung, dass die Tat schnellstmöglich aufgeklärt wird“, so Felgner.

Viel Angst und Unsicherheit

Die 25-jährige Yangjie Li war vergangene Woche tot aufgefunden worden, nachdem sie von ihrer Joggingrunde nicht zurückgekehrt war. Unter den gut 800 chinesischen Studenten der Hochschule Anhalt gibt es seitdem viel Angst und Unsicherheit. Die chinesische Botschaft hat in einer Art Reisewarnung derweil davor gewarnt, nachts Sport im Freien zu treiben. Felgner wies derlei Sicherheitsbedenken zurück. „Sachsen-Anhalt und die Hochschule Anhalt mit ihren Standorten sind weltoffen und sicher für Studierende aus aller Welt“, so der Minister.

Gedenkminute geplant

Am Donnerstagvormittag wird es auf dem Hochschul-Campus eine Gedenkminute geben. Auch Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Peter Kuras wird daran teilnehmen. „Dass dies mitten in der Stadt, mitten unter uns, möglich war, ist zutiefst erschütternd und auch beängstigend“, teilte er mit. Umso mehr solle sich die Gemeinde chinesischer Studierender gewiss sein, wie sehr sie Teil des öffentlichen Lebens der Stadt ist. „Wir freuen uns, sie hier zu haben und wir wollen alles dazu beisteuern, dass sie auch weiterhin dem Hochschulstandort treu bleiben“, so Kuras. Er hoffe auf eine schnelle Aufklärung und appellierte an die Bürger, „den Alltag trotz der natürlich berechtigten Sorgen mit Besonnenheit, aber auch Wachsamkeit zu bestreiten“.

Nimmt Image der Hochschule Schaden?

Die Hochschule Anhalt widerspricht unterdessen Berichten, wonach Anmeldungen für internationale Studiengänge in Größenordnungen zurück gezogen worden seien. Allerdings: Für den englischsprachigen Master Architektur gibt es Absagen: „Es sind drei oder vier Studenten von einer Universität in der Henan-Provinz, an der auch Yangjie Li studiert hatte, die ihre Bewerbung zurück gezogen haben“, erklärt Professor Rudolf Lückmann, der die Kooperationsprojekte mit chinesischen Hochschulen betreut. „Es ist auch mehr als verständlich dass sich vielleicht Lehrer, die Yangjie Li ausgebildet haben, Sorgen machen und davon abraten.“ Der englischsprachige Master an der Hochschule sei aber weltweit begehrt. „Für Architektur gibt es 20 Plätze, etwa 80 Bewerbungen liegen vor. Es ist also alles im grünen Bereich.“

Dass das Image der Hochschule nun langfristigen Schaden nimmt, davon geht Lückmann nicht aus. Entsetzt zeigt er sich allerdings über die Berichterstattung in vielen chinesischen Medien. „Es sind zum Teil völlig unsachliche und überhitzte Berichte. Darin wird vermittelt, dass Sachsen-Anhalt gefährlich und eine No-Go-Area ist.“ (mz)