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GastspielGastspiel: Kleines großes Abenteuer

Von thomas schaarschmidt 04.05.2013, 16:50
Im Wiener „Haus der Begegnung“ waren 400 Besucher beim Konzert dabei.
Im Wiener „Haus der Begegnung“ waren 400 Besucher beim Konzert dabei. AZC Lizenz

dessau/MZ - Wie es war, auf einmal in sechzig erwartungsfrohen Dessau-Wiener Augenpaare zu schauen? Adda Noack lächelt. „Es war ein tolles, ein schönes Gefühl.“ Keine Spur von Aufregung? „Vielleicht ein bisschen“, gibt Noack zu, „aber eigentlich würde ich das gemeinsame Konzert am liebsten gleich noch mal machen.“

Das Anhaltinische Zupforchester ist eine Institution in der Musikszene der Region. Seit über neunzig Jahren existiert es, einmal in der Woche trifft man sich zur Probe in der Dessauer Musikschule, etwa fünf- oder sechsmal im Jahr werden Konzerte aufgeführt. Die Mitglieder sind über halb Mitteldeutschland verteilt. Es gibt viel Tradition, viel Hingabe und eine klare Selbstdefinition: „Wir wollen nie langweilen, sondern uns auch mal etwas erlauben“, sagt Adda Noack. Seit dem vergangenen Wochenende gilt das nicht nur musikalisch.

"Wir wollten einfach einmal raus aus dem jährlichen Alltag"

Gemeinsam mit ihrem Orchester war Noack - seit dem Jahr 2004 ist die Gitarrenlehrerin Dirigentin und musikalische Leiterin - zu Gast in Wien, um dort gemeinsam mit dem „Neuen Favoritner Mandolinen Orchester“ der österreichischen Hauptstadt ein Konzert zu geben. Nun sind Auslandsgastspiele für Klangkörper nichts Ungewöhnliches - in diesem speziellen Falle aber schon. Denn weder gab es eine Einladung, noch fand ein Festival statt. Das Dessauer Orchester fuhr aus einem anderen Grund: Es hatte Lust, etwas Neues zu erleben. „Wir wollten einfach einmal raus aus dem jährlichen Alltag, etwas anderes machen“, blickt Brigitte Gräfe - immerhin schon seit 1955 im Orchester - ein gutes Jahr zurück.

Damals half das Internet. „Ehrlich gesagt haben wir gegoogelt, wo es in Europa ein ähnliches Orchester wie unseres vom Alter und vom Programm her gibt“, sagt Adda Noack. Fündig würde man in Wien - und schrieb das dortige Orchester an, ob es Interesse an einem Kennenlernen und einem gemeinsamen Auftritt habe. Die Antwort kam bald - und man einigte sich auf das letzte April-Wochenende 2013 als einen Termin.

Das hat das Orchester geprägt, vielleicht sogar etwas verändert. „Wir sind über die vielen Jahre schon eine gute Gemeinschaft gewesen“, sagt Brigitte Gräfe, „doch diese Fahrt hat uns noch einmal näher gebracht.“ Und sie war Ansporn und Lohn zugleich.

„Solch ein Höhepunkt ist wichtig, um der harten Probenarbeit ein Ziel zu geben und sich auch wieder auf neue Programme zu freuen“, weiß Adda Noack, die nach der ersten und einzigen gemeinsamen Probe in Wien zuversichtlich war. „Natürlich mussten wir uns erst einmal alle aufeinander einstellen, aber nach einer Weile hat das gut funktioniert.“ Wohl auch, weil man neben dem gemeinsamen Musizieren auch zusammen Essen ging und viel voneinander erfuhr.

Wertschätzung wird oft vermisst

Das Konzert der 60 Musiker dann - knapp 400 Besucher waren ins nahezu ausverkaufte Wiener „Haus der Begegnung“ gekommen - wurde ein riesiger Erfolg, beide Orchester wurden stürmisch gefeiert. Und ihre Arbeit, ihr Engagement gewürdigt. „Die Wertschätzung, die uns dort entgegengebracht wurde, vermissen wir oft in Dessau“, sagt Brigitte Gräfe. Schon auf der Rückreise stand für das anhaltinische Orchester und die mitgereisten Familienmitglieder fest: Dem Ausflug nach Wien soll irgendwann ein weiterer folgen. Wann, ist zweitrangig. Denn das Orchester weiß nun: Das nächste kleine große Abenteuer kommt bestimmt.