Feier zur Deutsche Einheit in Dessau

Feier zur Deutsche Einheit in Dessau: Bilanz und Ausblick

Dessau - Der 3. Oktober 2015, er war für Lothar Ehm, CDU-Politiker und Vorsitzender des Kuratoriums Friedensglocke, gleich ein mehrfacher Grund zum Feiern. Vor 25 Jahren wurden DDR und BRD ein Deutschland. Am 3. Oktober 2000 war die Dessauer Friedensglocke fertig, gegossen aus Waffen der DDR-Kampftruppen. Vor fünf Jahren wurde der Platz mit Glocke zum „Platz der deutschen ...

Von Danny Gitter 04.10.2015, 17:55

Der 3. Oktober 2015, er war für Lothar Ehm, CDU-Politiker und Vorsitzender des Kuratoriums Friedensglocke, gleich ein mehrfacher Grund zum Feiern. Vor 25 Jahren wurden DDR und BRD ein Deutschland. Am 3. Oktober 2000 war die Dessauer Friedensglocke fertig, gegossen aus Waffen der DDR-Kampftruppen. Vor fünf Jahren wurde der Platz mit Glocke zum „Platz der deutschen Einheit“.

Auch ein anderes epochales Ereignis schloss Ehm in seine Gedanken zur traditionellen Einheitsfeier am Sonnabend ein. „70 Jahre ist es jetzt her, dass der 2. Weltkrieg zu Ende ging und wir in Mitteleuropa in Frieden leben. Dazu haben auch wir in Dessau beigetragen, als wir mit Kerzen in der Hand einen militärischen Machtblock zum Einsturz brachten“, erinnert sich der Stadtratsvorsitzende. „Man müsste sich im Prinzip jeden Tag darüber freuen und sich ins Bewusstsein rufen, was wir für ein wahnsinniges Glück hatten, ohne einen Schuss und Toten eine Revolution hinbekommen zu haben“, so Ehm.

Zusammengewachsen, was zusammen gehörte

Es waren jene Tage und Wochen im Herbst 1989, die der deutschen Einheit den Weg bereiteten. Da begann zusammenzuwachsen, was laut Willy Brandt zusammengehörte. 25 Jahre, ein Vierteljahrhundert, eine Silberhochzeit später, zogen am Sonnabend Lothar Ehm, die Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Berenbruch sowie andere Kirchenvertreter und der Dessau-Roßlauer Oberbürgermeister Peter Kuras an der Friedensglocke Bilanz. Am Anfang ist es immer am Schönsten. „Wir haben sie noch alle im Kopf, die Bilder von den vollen Marktplätzen mit Demonstranten, die Menschen auf der Berliner Mauer und wie sich Wildfremde in den Armen lagen“, blickt Friedrich-Berenbruch zurück. Der deutsche Wortschatz wurde reicher: Wendeherbst, Mauerspecht, Ossi und Wessi.

Ernüchterung im Alltag

Doch dann kam der Alltag. „Da war auch viel Ernüchterung dabei“, weiß die Kreisoberpfarrerin. Bilder von streikenden Belegschaften und abgewickelten Betrieben prägten das wiedervereinigte Deutschland. Die Leute in den neuen Bundesländern lernten neue Begriffe, wie Existenzangst und Perspektivlosigkeit. „Doch gibt es mehr Licht als Schatten. Gott sei Dank, durften wir diese Zeit miterleben“, so Friedrich-Berenbruch. Es sei größtenteils ein glückliches Land. Das aber auch weiß, wie in jeder guten Ehe: Zur Silberhochzeit ist noch nicht alles gesagt! Neue Herausforderungen halten die Beziehung frisch.

Deutschland ist eine Ausnahme

Was in Deutschland gelungen ist, scheint global gesehen eine Ausnahme: Nicht überall endet der Wunsch nach Freiheit und Veränderung in einer friedlichen Revolution. Es kriselt auf der Welt und viele fliehen vor diesen Krisen. Auch nach Deutschland. „Unser Land und unsere Stadt sind in den 25 Jahren aufgeblüht“, zieht Peter Kuras ein positives Fazit. „Doch manche fühlen sich mit den Veränderungen und im neuen System überfordert“, stellt der Oberbürgermeister fest. Oft suchen sich diejenigen dann ein Ventil, das derzeit neben Politikverdrossenheit mit Ablehnung von Flüchtlingen einhergeht. „Wir müssen für diese Menschen Antworten finden, aber deutlich machen, dass in einer freiheitlichen Grundordnung kein Platz für extreme Tendenzen ist“, verdeutlicht Kuras und fordert andererseits den Respekt friedlicher Werte auch von den Flüchtlingen ein. Nur so könne für das Stadtoberhaupt in den nächsten 25 Jahren die deutsche Einheit gedeihen. (mz)