Eine der Musen in Bronze und Öl

Roßlau/MZ. - Das Thema und seine Variationen sind bekannt und offenbar ewig interessant. Die Chemnitzer Ausstellung "Picasso et les femmes" ist so lang auch nicht her. Fernande Olivier, die "entzückende Schlampe", wie Picasso seine erste große Geliebte nannte, trat am Montag auf die Leinwand in der Roßlauer Stadtbibliothek: Fernande nackt, so anmutig wie anziehend, "Die Toilette", Öl auf Leinwand aus dem Jahr 1906 oder Fernande in Bronze gegossen, "Tet de femme" von 1909, ein Geflecht aus Volumen und ...

Von Thomas Altmann 15.05.2007, 18:05

Das Thema und seine Variationen sind bekannt und offenbar ewig interessant. Die Chemnitzer Ausstellung "Picasso et les femmes" ist so lang auch nicht her. Fernande Olivier, die "entzückende Schlampe", wie Picasso seine erste große Geliebte nannte, trat am Montag auf die Leinwand in der Roßlauer Stadtbibliothek: Fernande nackt, so anmutig wie anziehend, "Die Toilette", Öl auf Leinwand aus dem Jahr 1906 oder Fernande in Bronze gegossen, "Tet de femme" von 1909, ein Geflecht aus Volumen und Leere.

So wandelt sich die Gestalt der Geliebten von der "Rosa Periode" zum Kubismus. Clemenz-Kirsch, Bibliothekarin aus Halle, hat sieben Vorträge zu sieben Frauen, zu den sieben Frauen Picassos erarbeitet. Zweimal hatte er geheiratet, 1918 die russische Tänzerin Olga Kokhlowa und 1961 die 46 Jahre jüngere Jaqueline Roque. Zu den großen Geliebten zählten etwa Marie-Theresa Walter, Dora Maar und Françoise Gilot.

Aus den Vorträgen solle nun ein Buch werden: "Die sieben Leben des Pablo Picasso". Das Buch erscheine in absehbarer Zeit. Da darf man gespannt sein, welche Variationen die Bibliothekarin dem Thema hinzutragen wird, zumal über die "stilistische Bedeutung" der Musen und deren Lebensweg jenseits von Picassos Wegen ja auch schon einiges gesagt worden ist. In der Bibliothek also geht es um die "entzückende Schlampe".

Wir treffen Picasso und Fernande in seinem Pariser Atelier in der Rue de Ravignan 13, im "Bateau Lavoir". So nannte Max Jacob in Anspielung an die Waschschiffe an der Seine das verwahrloste Gebäude. Die Jahre auf der Butte Montmartre hatte Picasso nie vergessen. Auch später wollte er wie ein Armer leben, der freilich viel Geld hätte.

Dass das Leben nicht üppig, aber zwischen Opium und Terpentin lebendig war, zeigt Clemenz-Kirsch auf. Dafür zitiert sie in erster Linie Fernande, ihr Buch "Picasso und seine Freunde. Erinnerungen aus den Jahren 1905-1913". Da ist man erinnert, genannt wird es nicht, dass Picasso einst Zeichnungen verbrannt habe, um sich ein wenig zu wärmen.

Man trifft den Schriftsteller Guillaume Apolinaire, den Maler und Kopf des Fauvismus Henri Matisse, Picassos Malerfreund, den Kubisten Georges Braque oder den Kunsthändler Daniel-Herny Kahnweiler und natürlich die Gönnerin Gertrude Stein. Clemenz-Kirsch drückt auf den Knopf, und Chansons malen das von ihr gezeichnete Genrebild fort. In der Zeit mit Fernande, 1907 entsteht Picassos bahnbrechendes Gemälde "Les Demoiselles d'Avignon". Clemenz-Kirsch wirft es an die Leinwand, verwendet es für einem Grundkurs in Sachen Kubismus. Man folgt den beiden auf verschiedene Reisen und landet etwa in Horta de Ebro.

Die nun entstehenden Bilder markieren den analytischen Kubismus, dazu gehört auch ein Porträt von Fernande, "Frau mit Birne".

Im gleichen Jahr ziehen sie um, in eine Wohnung am Boulevard de Clichy, mit Hausmädchen und gewollt staubigem Atelier. Clemenz-Kirsch erzählt, wie die Liebe Alltag wurde. Pablo und Fernande trennen sich. Fernande hat die Geliebte der Gertrude Stein zur Freundin. Sie kommen wieder zusammen und Fernande sucht ihre Nebenschauplätze der Liebe. 1911 lernt Picasso bei Gertrude Stein Eva Gouel kennen und verliebt sich. Eva starb schon 1915.

Fernande hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser und trat mit ihren Erinnerungen mehrmals in Picassos Leben. In Roßlau wartet man nun auf die nächste große Liebe und darf gespannt sein, ob das Buch Erkenntnisse hinter Adressen oder Namen liefert.