Dessau-Roßlau

Dessau-Roßlau: Freimaurer Loge feiert 100-jähriges Bestehen

Dessau/MZ. - Wer sind eigentlich die Männer, die einmal im Monat in dunklen Anzügen das Logenhaus betreten? Uwe Dorand, einer von ihnen und Meister vom Stuhl der Freimaurerloge "Zu den drei Säulen", lüftete am Sonnabend nicht nur dieses Geheimnis. In die historischen Bauhausaula hatte die Loge eingeladen zum Festakt anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens, dessen Höhepunkt die Uraufführung des Kammerspiels "Mein lieber Moses..." ...

Von Heidi Thiemann 26.08.2012, 17:49

Wer sind eigentlich die Männer, die einmal im Monat in dunklen Anzügen das Logenhaus betreten? Uwe Dorand, einer von ihnen und Meister vom Stuhl der Freimaurerloge "Zu den drei Säulen", lüftete am Sonnabend nicht nur dieses Geheimnis. In die historischen Bauhausaula hatte die Loge eingeladen zum Festakt anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens, dessen Höhepunkt die Uraufführung des Kammerspiels "Mein lieber Moses..." war.

Licht eingebracht am 7.7.1912



Am 7. Juli 1912, so Dorand, wurde in die Dessauer Loge "Zu den drei Säulen" das Licht eingebracht. Im Gebäude Steinstraße 58 / 59, das heute nicht mehr existiert, befand sich das Logenhaus. "200 Mitglieder hatten beide Dessauer Logen", erklärte Dorand. Schon 1875 war die Dessauer Loge "Esiko zum aufgehenden Licht" gegründet worden. Die Dessauer Unternehmer Polysius und Oechelhaeuser, der damalige Dessauer Oberbürgermeister, waren Freimaurer. Anhalt hatte neben den Dessauer noch vier weitere Logen (Zerbst, Bernburg, Köthen, Staßfurt) und viele berühmte Logenbrüder: Der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff zählte dazu, wie auch der Begründer der Homöopathie Christian Friedrich Samuel Hahnemann aus Köthen oder der Dessauer Dichter Wilhelm Müller.



Suche nach alten Zeugnissen



Die Dessauer Loge, die nunmehr ihr 100-jähriges Bestehen feierte, bestand aber nicht durchweg - sondern war 1935 von den Nazis verboten, das Eigentum beschlagnahmt und zwangsenteignet worden. Weshalb die 1994 wiedergegründete Loge heute nur über sehr wenig aus der damligen Zeit verfügt. "Einige Gegenstände haben die Hitlerdiktatur und die DDR-Zeit überdauert", freut sich Dorand, das einiges der Loge mittlerweile übergeben wurde. Alte Mitgliederverzeichnisse gehören dazu, aber auch eine alte Tasche mit Freimaurersymbolen, die eine Zörbigerin in ihrem Nachlass gefunden hat. Weshalb die Logen-Brüder hoffen, dass noch mehr Zeugnisse der Loge nicht nur existieren, sondern auch zu ihr zurückkehren, "denn sie sind für uns von großer Bedeutung", so Dorand.

Dass die Freimaurer-Loge in diesem Jahr ihr rundes Jubiläum begeht, bezeichnete Oberbürgermeister Klemens Koschig als "besonderen Edelstein im Mosaik der Feiern und des Gedenkens im Rahmen 800 Jahre Anhalt". Denn die Freimaurerei gehöre zu den Dingen, auf die Anhalt stolz sein könne, gehe es dabei doch um stete Veränderung und stetes Arbeiten an sich selbst. Koschig, der die wichtigsten Stationen der Entwicklung Anhalts skizzierte und auf bedeutende Persönlichkeiten hinwies, sprach auch über den in Dessau geborenen bedeutenden jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, dessen Leitbild lautete: "Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun - das ist die Bestimmung des Menschen." Und dankbar sei er, sagte der OB, dass die Brüder Loge den Preis stiften für den Moses-Mendelssohn-Preis der Dessauer Moses-Mendelssohn-Gesellschaft. Die Preisübergabe soll im Rahmen des Kurt-Weill-Festes 2013 erfolgen.

Laut denken mit dem Freunde

Wer Mendelssohn war, welchen Gedanken er nachging, davon gab anschließend das Kammerspiel "Mein lieber Moses..." einen tiefen Einblick. Dabei geht es um fiktive Plaudereien von Mendelssohn und dem Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing, die Schriftsteller Jens Oberheide in Szene gesetzt hat, und die vom Intendanten des Anhaltischen Theaters André Bücker (Moses) und Schauspieler Stephan Korves (Lessing) auf die Bühne gebracht wurden. Begleitet von Zwischenmusik von Myra van Campen-Balint (Violine) und Thomas Kluge (Klavier). "Laut denken mit dem Freunde", so der Untertitel des Kammerstücks, das vom Publikum (Stuhlmeister aus der gesamten Bundesrepublik, Vertreter der Lessing-Gesellschaft Hamburg, der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft Dessau und andere) begeistert aufgenommen wurde.

Und abschließend, wer sind nun die Männer in den dunklen Anzügen? "Architekt, Versicherungskaufmann, Künstler, Angestellter... Familienväter und Ehemänner", so Dorand, "Männer aller Couleur. Auf der Suche nach sich selbst und ihrer Wahrheit." Und das vereine die Freimaurer weltweit.