Shopping per Termin?

Shopping per Termin?: Geschäfte in Bitterfeld blicken optimistisch auf „Click and Meet“-Prinzip

Bitterfeld - Nächste Woche können die Einzelhändler ihre Geschäfte wieder öffnen. Doch Kunden müssen sich zuvor anmelden. Lässt das den Handel aufatmen?

Von Frank Czerwonn und Tim Fuhse

Die Zeit der komplett geschlossenen Geschäfte ist ab Montag vorbei - zumindest ein Stück weit. Von ungebremstem Schlendern durch die Läden kann zwar noch keine Rede sein, aber mit vorheriger Terminfestlegung können Kunden nun im vereinbarten Zeitfenster wieder einkaufen.

Doch was halten die Einzelhändler von dieser Variante? Freuen sie sich über die eingeschränkte Öffnung, die die Kundenzahl zwangsläufig stark reduziert oder lohnt sich diese Variante für sie unterm Strich trotz der langen Zwangspause gar nicht?

Kay-Uwe Ziegler, Chef des Vereins Bitterfelder Innenstadt, steht am Freitag vor seinem Bekleidungsgeschäft „Unlimited“, dessen Schaufenster gerade beklebt wird: „Terminshopping“ plus Telefonnummer leuchtet es dort in Rot.

Die Öffnung sei dringend nötig - gerade bei Saisonware wie Textilien

„Diese Öffnung ist ein vernünftiger Schritt, den gerade kleinere Geschäfte gut mitgehen können“, sagt Ziegler. Er habe als Händler mehr Spaß mit Leuten, die bewusst in seine beiden Geschäfte kommen, als mit jenen, die nur mal im Vorbeischlendern durchlaufen. „Das ist effizienter.“

Über die Homepage, Facebook und die Schaufensteraktion macht er auf die Öffnung aufmerksam. Und auch klingeln kann man an den beiden Geschäften, um einen Termin auszumachen. Die Türen sind jedoch zu. Im „Salt & Pepper“ mit seinen 120 Quadratmetern Fläche könnten drei Kunden gleichzeitig einkaufen, im größeren „Unlimited“ bis zu sieben. „Aber die meisten kommen allein oder zu zweit.“

Die Öffnung sei dringend nötig - gerade bei Saisonware wie Textilien, denn die verlören mit jedem Tag etwas mehr an Wert. „Vor vier Wochen hätten wir Wintermäntel ohne Ende verkaufen können - durften wir aber nicht.“ Vom Einkaufen mit Termin dürften laut Ziegler die meisten kleinen Händler in der Stadt profitieren.

„Wir kommen mit der neuen Regelung klar“

Schwieriger würde es für Läden mit breit gestreutem Angebot und überwiegend Laufkundschaft oder bei großen Geschäften mit Flächen über 200 oder 300 Quadratmetern. „Die müssten auch mit dem Personal krass planen.“ Aber alle kleineren Läden in Bitterfeld-Wolfen würden wohl bis Montag Möglichkeiten finden, um wieder für die Kunden erreichbar zu sein.

Dem kann Evelyn Prochnow vom Modeexpress No. 1 am Bitterfelder Markt nur zustimmen. „Wir kommen mit der neuen Regelung klar. Sie bietet zudem die Möglichkeit, ganz für die jeweiligen Kunden dazusein und sie gut zu beraten.“ Da ihre teils etwas ältere Kundschaft mit einer Terminvereinbarung auf digitalem Weg Probleme haben könnte, kann man im Modeexpress auch anrufen oder klingeln.

Auch in den beiden Bitterfelder Geschäften der bekannten Schmuckhändler-Familie Mücke ist man „froh, dass es endlich wieder los geht“. Per Telefon oder Klingel können die Kunden den Einkauf zeitlich vereinbaren.

Der Kunde darf wieder ins Geschäft und sich die Angebote anschauen

Reparaturen und Serviceleistungen konnte Hans-Jürgen Präßler von EP:Würtele in Bitterfeld bisher schon anbieten. Und war ein Kühlschrank oder eine Spülmaschine defekt, durfte sie durch ein neues Teil ersetzt werden. Aber das Geschäft war zu.

„Ab Montag verbessert sich die Situation: Der Kunde darf wieder ins Geschäft und sich die Angebote anschauen“, so Präßler. Auch die Beratung könne wieder direkt im Laden stattfinden. „Die Leute wollen so ein technisches Gerät auch sehen und anfassen, bevor sie sich entscheiden. Für mich ist das der erste Schritt aus dem Lockdown.“

Das Raguhner Unterwäschegeschäft von Heike Herrmann öffnet in der neuen Woche ebenfalls per „Click and Meet“-Prinzip. Im Schaufenster des Ladens hat die Händlerin dunkle Tafeln mit weißer Kreideschrift angebracht.

Innenstadtring-Chef Ziegler sieht im Terminshopping sogar eine Zukunftsvariante

Darauf stehen unübersehbar ihre Kontaktdaten für „Click & Meet“ - Kunden können telefonisch oder per Mail einen Termin vereinbaren und dann vor Ort einkaufen. Das stößt auf Nachfrage: Der erste Zeitslot ist bereits vergeben. „Ich hoffe, es bleibt nicht bei der einen Kundin“, sagt Herrmann. Ansonsten werde sie abwarten, wie die Regeln für Geschäfte sich entwickeln. „Ich will meine Kunden schützen und mich auch“.

Innenstadtring-Chef Ziegler sieht im Terminshopping sogar eine Zukunftsvariante. „Denn hier können wir unsere Stärke ausspielen: die individuelle Beratung.“ Auch nach Corona sei sowas abends oder am Wochenende mal denkbar. „Doch jetzt hoffe ich auf baldige richtige Öffnung - auch für die Gastronomie.“ Denn Kunden wollten auch mal einen Kaffee trinken und sich ausruhen. (mz)