Filmtage Wolfen Filmtage in Wolfen: Industrie-und Filmmuseum zeigt letzte Streifen aus dem Defa-Studio

Wolfen - Witzig, frech, nachdenklich - und überhaupt: „Letztes aus der DaDaeR“ - der Film, der den Abgesang des kleinen, engen Landes in Bilder fasst.
Er wird zu sehen sein während der fünften Wolfener Filmtage, die im Oktober im Industrie- und Filmmuseum stattfinden. Für Filmkritiker Henryk Goldberg war dieser Streifen gar „vielleicht der letzte grimme Jux, den das Filmwesen der DaDaeR sich machte. Gewissermaßen der filmpolitische DaDa(eR)ismus“. Eine Mischung sozusagen aus bissigem Kabarett, clowneskem Spiel und literarisch-musikalischer Revue, die fasziniert.
Letzte Defa-Filme fanden kaum Beachtung
Der Streifen entstand im Jahr 1990. Und damit passt er ideal in das Thema, das die diesjährigen Filmtage vorgeben: die letzten Defa-Werke. „Als diese Filme in die Kinos kamen, fanden sie wenig Aufmerksamkeit beim Publikum“, erinnert sich Kurator Paul Werner Wagner.
Logisch, denn die Leute hierzulande hatten anderes dringender zu tun, mussten sie doch in der vereinigten Bundesrepublik erst lernen, sich zurechtzufinden. „Da blieb kein Platz für Filme. Umso wichtiger ist es, sich diese Arbeiten nach 25 Jahren anzuschauen“, so Wagner. „Es gibt viel zu entdecken.“
Autoren- und Filmgrößen der DDR kommen nach Wolfen
Wie bereits bei den bisherigen Filmtagen kommen auch diesmal wieder namhafte Autoren und Filmschaffende als Gesprächspartner nach Wolfen, die über die Arbeit am Film und über ihre Erfahrungen, die sich in ihrer Auseinandersetzung mit der DDR insgesamt gemacht haben, sprechen.
So unter anderem Regisseur Jürgen Brauer („Tanz auf der Kippe“), Kameramann Peter Ziesche („Der Verdacht“), Schauspieler Winfried Glatzeder (Hauptdarsteller „Das Land hinterm Regenbogen“), Hans-Eckard Wenzel - neben Steffen Mensching Hauptdarsteller in „Letztes aus der DaDaeR“ - und andere.
Diese Filme laufen
Gezeigt werden die Streifen „Heute sterben immer nur die anderen“, „Das Mädchen aus dem Fahrstuhl“, „Tanz auf der Kippe“, „Der Verdacht“, „Das Land hinter dem Regenbogen“, „Banale Tage“, „Letztes aus der DaDaeR“.
Die letzten Filme der Defa sind eine künstlerische Abrechnung mit dem Staat, der so viele kreative, nachfragende und mahnende Filme, Theaterstücke, Bücher und andere Arbeiten verboten hat, die ihm nicht ins ideologische Konzept passten.
Themen wie das Verhältnis des Künstlers zum Staat, unterschiedliche Formen von Widerstand und Verweigerung sowie Nutzen und Gefahren von Utopien stehen so nicht von ungefähr im Mittelpunkt der künstlerischen Betrachtungen der Defa-Regisseure der letzten Jahre. Die „Wolfener Filmtage“, die der Förderverein des Filmmuseums Wolfen zusammen mit dem Filmmuseum sowie verschiedenen Partnern auf die Beine gestellt hat, widmet sich auch dem jungen Publikum. So gibt es auch diesmal wieder spezielle Veranstaltungen für Schulklassen. (mz)