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  7. Delfin-Therapie für Carlo mit Down-Syndrom: Hoffnung auf Sprache

Spendenaufruf Delfin-Therapie, damit der fünfjährige Carlo das Sprechen lernt

Bei dem kleinen Bernburger Jungen, der das Down-Syndrom hat und nicht sprechen kann, sind Logopäden mit ihrem Latein am Ende. Seine Eltern setzen nun ihre Hoffnung auf eine Delfin-Therapie auf Curaçao und bitten um Spenden.

Von Torsten Adam Aktualisiert: 15.01.2026, 06:59
Saskia und Sebastian Berger wollen für ihren fünfjährigen Sohn eine Delfin-Therapie organisieren, damit er sprechen lernt.
Saskia und Sebastian Berger wollen für ihren fünfjährigen Sohn eine Delfin-Therapie organisieren, damit er sprechen lernt. (Foto: Engelbert Pülicher)

Bernburg/MZ. - Carlo ist ein aufgeweckter Junge – so wie viele Kinder in seinem Alter. Doch der fünfjährige Bernburger, mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen, hat Schwierigkeiten mit dem Spracherwerb. Auch mehrere Logopäden konnten ihm nicht helfen. Seine Eltern Saskia und Sebastian Berger erhoffen sich nun Fortschritte durch eine Delfin-Therapie auf der Karibik-Insel Curaçao. Um deren hohe Kosten bezahlen zu können, haben sie einen Spendenaufruf im Internet gestartet.

Die Diagnose Endometriose ist für viele Frauen ein Schock, bedeutet diese chronische Erkrankung doch häufig Unfruchtbarkeit. Umso glücklicher war Saskia Berger, als sie mit 37 Jahren noch schwanger wurde. Dann musste sie aber eine lebensverändernde Entscheidung treffen: Eine Fruchtwasseruntersuchung gab Gewissheit, dass der Fötus einen Gendefekt hat, ihr Baby mit Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom zur Welt kommen würde.

Mutter entschied sich trotz Diagnose Down-Syndrom für ihren Sohn

Für die werdende Mutter stand schnell fest, das Kind trotzdem zu bekommen – gegen alle Widerstände. Der Kindsvater trennte sich noch in der Schwangerschaft von ihr, die behandelnde Ärztin in Magdeburg drängte sie zur Abtreibung. „Sie erzählte negative Geschichten, die nicht stimmten. Wie zum Beispiel, dass der Fötus keine Speiseröhre und keinen Darm habe.“

Jedes Kind hat ein Recht zu leben.

Saskia Berger

Saskia Berger holte sich eine Zweitmeinung in der Berliner Charité ein. „Dort wurde ich ganz neutral beraten.“ Und die damals 37-Jährige fühlte sich in ihrer Entscheidung pro Geburt bestätigt. Sie verstand die unerwartete Schwangerschaft als Zeichen einer höheren Macht. „Ich würde aber nie jemanden verurteilen, der sich gegenteilig entscheidet.“

Schwerer Start für Carlo - Kleiner Junge schwebte mehrfach in Lebensgefahr

„Jedes Kind hat ein Recht zu leben“, sagt Saskia Berger und ist heute, fünfeinhalb Jahre später, überglücklich damit. Trotz aller Schwierigkeiten, die das Leben mit einem behinderten Kind mit sich bringt. Dreimal schon habe Carlo, der unter Lungenhochdruck leidet, und sich zwei lebensgefährliche Viruserkrankungen einfing, auf der Intensivstation gelegen. „Er lag im Sterben, hat immer gekämpft. Für mich ist das ein Zeichen, dass er unbedingt leben will.“

Saskia Berger kämpft wie eine Löwenmutter für ihren Sohn. Im Internet kommuniziert sie mit anderen Eltern von Kindern mit Down-Syndrom, möchte diesen wertvollen Austausch nicht missen. Sie sehe sich dort allerdings auch Anfeindungen von wildfremden Menschen ausgesetzt, die nur schwer zu ertragen seien.

Widerliche Aussagen von fremden Menschen über Jungen mit Trisomie 21

„Da kommen dann solche Aussagen wie ,Missgeburt’ oder ,dein Kind ist doppelt gestraft mit der Behinderungen und den roten Haaren.’ Das ist völlig respektlos.“ Dabei sei Carlo ein sehr glückliches Kind und leide nicht unter seiner Beeinträchtigung. „Er tanzt gern, hört viel Musik, kann bis zehn zählen in seiner eigenen Sprache.“

Und immer wieder gebe es Erlebnisse, die die Mutter staunen lassen: „Als ich mir kürzlich mit meiner Hand an meine verspannte Schulter griff, lief Carlo sofort ins Bad und brachte mir ein Wärmepflaster.“

Carlo in der Kita gut integriert: Unbefangene Kinder

Auch in der Kita „Sonnenkäfer“ in Neuborna, die er seit einem Jahr besucht, sei er bestens integriert. „Die anderen Kinder gehen sehr gut mit ihm um, sind unbefangen, sehen keine Makel“, sagt Saskia Berger.

Die ausgebildete Erzieherin, die inzwischen als Schulbegleiterin arbeitet, ist froh, wieder einen Partner an ihrer Seite zu haben. Sie und Sebastian lernten sich noch während ihrer Schwangerschaft kennen und zogen 2021 gemeinsam nach Bernburg, wo er beruflich im Maßregelvollzug tätig ist.

Zwei Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken. „Die Planung der Hochzeit holte mich nach den schwierigen Corona-Jahren mit all den Einschränkungen und Klinik-Aufenthalten ins Leben zurück.“ Auch für Carlo seien diese ganzen Erlebnisse traumatisch gewesen und könnten Ursache seiner Sprachprobleme sein.

Carlo spricht nur wenige Wörter - Logopäden wissen keinen Rat mehr

Verständliche Wörter wie Mama, Papa, Ja oder Nein lassen sich an zwei Händen abzählen. „Auch wenn wir ihm viel vorlesen und die Wörter nachsprechen lassen.“ Verschiedene Logopäden seien mit ihrem Latein am Ende, weil sie für die Therapie eines Kindes mit Down-Syndrom nicht ausgebildet sind.

Carlo liebt das Wasser und Tiere.

Mutter

Den Durchbruch soll deshalb eine Delfin-Therapie auf der Karibik-Insel Curaçao bringen, die bereits in vergleichbaren Fällen wahre Wunder bewirkt habe. „Carlo liebt das Wasser und Tiere“, sagt seine Mutter.

Die zweiwöchige Therapie selbst zu bezahlen, übersteige die finanziellen Möglichkeiten der Familie, die deshalb am Silvestertag auf der Internet-Spendenplattform Gofundme einen Aufruf gestartet hat.

Eltern hoffen auf 4500 Euro für Delfin-Therapie in der Karibik

„Unser fünfjähriger Sohn Carlo hat das Down-Syndrom und ist ein kleiner Entdecker mit einem Kopf voller Geschichten – doch die Worte fehlen ihm noch, um sie uns zu erzählen. Eine schwere sprachliche Entwicklungsverzögerung ist die Mauer, die ihn von seiner Umwelt trennt. Wir möchten Carlo eine Delfin-Therapie auf Curaçao ermöglichen, um diesen Knoten zu lösen. Wir haben uns bewusst für ein Zentrum entschieden, das höchste Priorität auf das Tierwohl legt: Die Delfine leben dort in großen, natürlichen Meereslagunen“, heißt es darin.

Seitdem sind rund 4.500 Euro zusammengekommen. „Die Therapie kostet voraussichtlich mindestens 8.000 Euro. Wir wollen das darüber hinaus benötigte Geld für Flüge, Unterkunft und Verpflegung selbst aufbringen und lassen dafür unseren Jahresurlaub ausfallen“, sagt Saskia Berger.

Hilfe Delfin-Therapie jungem Bernburger beim Sprechen Lernen?

Wer der Bernburger Familie helfen möchte, kann online spenden auf www.gofundme.com/f/delphin-therapie-fur-unseren-sohn oder Geld direkt einzahlen auf ihr Konto mit der IBAN: DE27 8005 5500 1202 0691 49.

Werde mehr Geld gespendet als für die Therapie benötigt, soll jeder Cent für die weitere logopädische Förderung von Carlo verwendet werden.

Mutter berichtet vom Therapie-Erfolg anderer Kinder - große Hoffnung für kleinen Carlo

Geplant ist, Ende Oktober für 14 Tage nach Curaçao zu fliegen. „Carlo bekäme dort einen individuellen Therapieplan und würde täglich eine Stunde mit den Delfinen im Wasser verbringen. Wir erhoffen uns, dass er das Sprechen erlernt“, sagt seine Mutter. Und der Optimismus ist groß, denn bei ähnlich gelagerten Fällen seien schon während der Therapie erkennbare Sprachfortschritte erzielt worden.

„Für uns ist das eine Chance. Wenn wir es nicht probieren, werden wir nicht wissen, ob es hilft“, sagt Saskia Berger, die den Antrag gestellt hat, Carlo erst in zwei Jahren einzuschulen, damit ihm genug Zeit bleibt, die Sprachdefizite abzubauen. „Wir sind sehr dankbar, dass die evangelische Grundschule ihn aufnehmen würde.“ Deshalb sei der erwogene Umzug in eine Großstadt von Tisch.