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VerwaltungViele Dienstleistungen um den Ascherslebener Friedhof sollen bald online verfügbar sein

Eine Grabstelle auswählen, reservieren, bezahlen: Was in Aschersleben derzeit noch analog abläuft, soll bald auch digital und online möglich sein - teilweise schon im kommenden Sommer.

Von Ingo Kugenbuch 21.03.2022, 08:00
Noch weitgehend analog: der Friedhof in Aschersleben.
Noch weitgehend analog: der Friedhof in Aschersleben. Foto: Bauwirtschaftshof

Aschersleben/MZ - Die Beerdigung eines geliebten Menschen ist nicht nur traurig. Sie ist auch anstrengend. Während die Angehörigen trauern, müssen sie sich um einen Berg von Formalitäten kümmern. Bestatter engagieren, Sarg aussuchen, Trauerhalle buchen, Grabstelle auswählen, Steinmetz mit dem Grabstein beauftragen, Grabpflege bestellen. Da man all das - zum Glück - nicht häufig macht, ist man schnell mit der Fülle der Aufgaben eines Hinterbliebenen überfordert. Warum also sollte man nicht zumindest einen Teil davon per Mausklick am Computer erledigen können?

Das dachte sich auch André Könnecke, der Chef des Bauwirtschaftshofs in Aschersleben, der auch für die Friedhöfe in der Stadt und ihren Ortsteilen verantwortlich ist. „In der Verwaltung spielt die Digitalisierung zunehmend eine Rolle“, sagt er der MZ. „Der Bürger soll nicht wegen jeder Auskunft zu uns kommen müssen.“ Deshalb solle es bald möglich sein, dass Angehörige zu Hause am Rechner oder Tablet vieles erledigen können, wozu sie bisher Könneckes Mitarbeiter aufsuchen mussten.

Rund um die Uhr erreichbar

„Der Nutzer soll sich auf dem digitalen Lageplan des Friedhofs eine Grabstelle auswählen können, sie reservieren und am Ende auch online bezahlen“, sagt Könnecke. „Damit wären wir 24/7 für unsere Kunden erreichbar.“ 24/7 - das heißt 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche. „Wenn dieser Service genutzt wird, dann entlastet das auch unsere Mitarbeiter, die sich dann für all diejenigen, die mehr Beratung wünschen, mehr Zeit nehmen können.“ Denkbar sind laut Könnecke zum Beispiel auch die Buchung der Trauerhalle am Computer oder die Beauftragung des Steinmetzes mit den Arbeiten für den Grabstein sowie die Bestellung der Grabpflege.

Könnecke findet, das sei eine Win-win-Situation. Denn diejenigen, die digital unterwegs sind, könnten sich den Weg zur Friedhofsverwaltung sparen. Und für all jene, die persönlich beraten werden wollen, sei dann mehr Zeit vorhanden. Immerhin verwaltet der Bauwirtschaftshof in Aschersleben und seinen Stadtteilen rund 7.000 Grabstellen.

Damit wären wir 24/7 für unsere Kunden erreichbar.

André Könnecke, Leiter Bauwirtschaftshof

So sieht das auch Michael Hartl vom Friedhofskompetenzzentrum im bayerischen Rosenheim. Die Digitalisierung mache das Leben für Bürger und Verwaltung gleichermaßen leichter, sagt er der MZ. Es sei eine „Investition an der richtigen Stelle“. „Bei den kommunalen Friedhofsträgern steckt die Digitalisierung noch in den Kinderschuhen“, sagt er. „Da ist Aschersleben mit seinem Vorhaben bei den Führenden dabei.“

Für Aschersleben ist es ein Glücksfall, dass dasselbe Projekt gerade auch in der finnischen Partnerstadt Kerava gestartet ist. Mit der beauftragten Firma dort sei er bereits im Gespräch, sagt Bauwirtschaftshof-Chef André Könnecke.

Im Sommer geht’s los

Der Zeitplan ist ambitioniert. „Im Sommer wollen wir so weit sein, dass sich unsere Kunden online ihre Grabstelle aussuchen können“, sagt Könnecke. Im zweiten Schritt soll das Grab dann auch per Mausklick buchbar sein. Es müsse zudem möglich werden, dass die Angehörigen online checken können, wie lange die Grabstelle eines Verstorbenen noch reserviert ist, sagt Könnecke. „Noch ist der Friedhof eine Servicewüste. Da ist noch viel möglich.“

Einige Voraussetzungen für den digitalisierten Gottesacker seien in Aschersleben schon gegeben, andere Fragen müssten noch geklärt werden. So sei das Gelände bereits digital vermessen und erfasst worden. Andererseits sei „der Datenschutz ein Riesen-Thema“, sagt Könnecke.

Insgesamt aber ist der Ascherslebener Friedhof bereits auf einem guten Weg und in vielen Bereichen längst Vorreiter. So betreibt er etwa schon seit 2017 einen eigenen Facebook-Auftritt, um näher an die Friedhofsbesucher zu kommen, bereits seit 2010 lassen sich nötige Formulare rund um die Bestattung online herunterladen. 22 Gräber sind mit einem so genannten QR-Code versehen. Scannt man ihn mit dem Handy, so erfährt man etwas über diejenigen, die dort die letzte Ruhe gefunden haben - etwa die Familie Bestehorn.