Beerdigung in Aschersleben

Sternenkinder: Stillgeborene werden in Aschersleben gemeinsam beerdigt

Aschersleben - Eine bedrückende Stille herrscht im Inneren der Friedhofskapelle. Rund 30 Menschen sind gekommen. Viele der Blicke ruhen starr auf dem Altar. Dort steht zwischen Kerzen und Blumengestecken ein kleiner, weißer ...

Von Christiane Rasch 02.11.2016, 11:16

Eine bedrückende Stille herrscht im Inneren der Friedhofskapelle. Rund 30 Menschen sind gekommen. Viele der Blicke ruhen starr auf dem Altar. Dort steht zwischen Kerzen und Blumengestecken ein kleiner, weißer Sarg.

Es ist ein trauriger Anlass, der die Menschen an diesem Tag zusammengebracht hat. Sie kennen einander nicht und sind doch verbunden. Sie alle haben im vergangenen Jahr ihr Kind verloren, noch bevor es das Licht der Welt erblicken konnte.

Friedhof Aschersleben beerdigt Sternenkinder

Auf dem Ascherslebener Friedhof wurde Eltern, Familienangehörigen und Freunden am vergangenen Mittwoch die Möglichkeit gegeben, Abschied zu nehmen und zu trauern. Zum dritten Mal werden hier Sternenkinder zu Grabe getragen.

So werden Kinder genannt, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm auf die Welt gekommen und vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Juristisch gesehen fallen sie nicht unter die Beerdigungspflicht.

Angemessener Abschied von Sternenkindern möglich

„Laut Gesetzgeber sind sie Material“, sagt Katrin Herrmann, leitende Hebamme am Ameos-Klinikum Aschersleben und Mitinitiatorin. Für Eltern, die viele Monate eine Bindung zu dem kleinen Leben aufgebaut haben, sieht das ganz anders aus. Sie trauern, brauchen Zeit, das Erlebte zu verarbeiten - und einen angemessenen Rahmen, um sich von ihrem stillgeborenen Kind zu verabschieden.

Während des Gedenkgottesdienstes in der Friedhofskapelle versucht Pfarrerin Anne Bremer, den Anwesenden Trost zu spenden: „Was sie heute machen, ist ein Zeichen ihrer Liebe. Sie lassen ihr Kind los, lassen es ziehen.“ Dies sei der Moment zum Erinnern, Verabschieden und Festhalten. Sie ermutigt die Eltern und deren Begleiter dazu, ihrer Trauer nach diesem schweren Verlust Raum zu geben. „Sie haben eine Liebe verloren, noch bevor sie sie richtig im Arm halten konnten.“

Kleiner Stern als Symbol für Sternenkinder

Als Zeichen der Hoffnung überreicht sie gemeinsam mit Katrin Herrmann allen Eltern einen kleinen Stern. Von leiser Klaviermusik begleitet legt die Pfarrerin anschließend ihre Hand auf den weißen Sarg.

Behutsam sagt sie: „Mein leuchtender Stern, wir lassen dich ziehen - und wir gehen mit.“ Für die Eltern ist der Moment gekommen, in dem ihre Kinder zu Grabe getragen werden.

Sternenkinder werden in Aschersleben gemeinsam beerdigt

Gemeinsam begeben sich die Trauernden auf den Weg. Sie lassen sich Zeit. Schließlich erreichen sie die kleine Wiese, auf der sich ein mit Sternen verzierter Grabstein befindet - mit der Aufschrift „Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten“.

Dies wird die letzte Ruhestätte ihrer Kinder sein. Diese werden in einem gemeinsamen Sarg beerdigt. Dahinter, so erklärt Hebamme Katrin Herrmann, steckt die Idee, dass Kinder nicht alleine sein wollen. Ein tröstlicher Gedanke, der den Eltern diesen schmerzlichen Abschied erleichtern soll. (mz)