„Wo sie ruhen“

Smartphone-App „Wo sie ruhen“: Stimmen an Gräbern auf Friedhof in Aschersleben

Aschersleben - Seit kurzem steht Aschersleben in einer Reihe mit Berlin, Dresden, Bonn oder Bayreuth. Denn: Der Zentralfriedhof der Stadt ist Teil des bundesweiten Netzwerkes „Wo sie ruhen“ geworden. In diesem Netzwerk sind 45 Friedhöfe in 32 deutschen Städten vertreten - unter anderem eben auch Aschersleben mit seinem parkähnlichen, 16 Hektar großen ...

Von Kerstin Beier 08.12.2017, 09:55

Seit kurzem steht Aschersleben in einer Reihe mit Berlin, Dresden, Bonn oder Bayreuth. Denn: Der Zentralfriedhof der Stadt ist Teil des bundesweiten Netzwerkes „Wo sie ruhen“ geworden. In diesem Netzwerk sind 45 Friedhöfe in 32 deutschen Städten vertreten - unter anderem eben auch Aschersleben mit seinem parkähnlichen, 16 Hektar großen Friedhof.

Wer ein Smartphone besitzt, kann sich mit Hilfe der App „Wo sie ruhen“ zu historischen Grabstellen navigieren lassen. Professionell eingesprochene Texte in Form von Audio-Dateien informieren über die jeweiligen Persönlichkeiten. In Aschersleben finden sich 25 solcher Lebensläufe, die hier eine besondere Würdigung erfahren.

Berichte über das Leben von berühmten Ascherslebern

Der von Karl König, dem Vorsitzenden des Verschönerungsvereins, ist dabei. Oder vom Kaufmann Max Quenzel, dem Maler Walter Buhe, dem Chemiker Wilhelm Friedrich Feit oder den Feuerwehrleuten Erich Bertram und Gustav Reinhardt, um nur einige zu nennen. Wer den Friedhof besucht und die App nutzt, der unternimmt also auch eine Reise in die Stadtgeschichte.

Die Teilnahme an dem Projekt, das ausschließlich für denkmalgeschützte Friedhöfe angeschoben wurde, ist für Bauhof-Leiter André Könnecke eine konsequente Weiterentwicklung des 2013/14 installierten Erinnerungspfades. QR-Codes an den Grabstellen jener Persönlichkeiten leiteten den Interessierten auf eine Internetseite mit den entsprechenden Informationen. Die App macht das Sammeln von Informationen nun bequemer, weil man nicht selbst lesen muss, sondern die Texte hören kann.

Beide Systeme werden noch ein Jahr nebeneinander laufen

„Wir haben das Fahrrad nicht neu erfunden, wir haben jetzt aber ein besser ausgestattetes“, versucht Könnecke einen Vergleich zum Erinnerungspfad. Der hat quasi den Anfang gemacht, den „Ewigkeitsgedanken eines Friedhofes“ stärker in den Vordergrund zu stellen, wie es Könnecke ausdrückt. Gleichwohl werden beide Systeme für mindestens ein Jahr noch nebeneinander her funktionieren.

Ein erster Test der Redaktion hat gezeigt, dass die App sehr gut geeignet ist, Interesse zu wecken. Die Texte sind interessant und nicht zu lang und werden mit Bildern ergänzt. Einzig die Navigation erscheint etwas umständlich und ist für Ungeübte nicht selbsterklärend. Ärgerlich auch, dass die App für IOS-Nutzer schwieriger zu handhaben ist. Wer zum Beispiel auf der Projekt-Seite landet, kommt nicht mehr zurück, muss die App beenden und dann neu starten.

Im kommenden Frühjahr wollen die Friedhofsmitarbeiter Führungen anbieten und das Projekt vorstellen, kündigt Könnecke an. Bei dieser Jahreszeit werden sich wohl nur Hartgesottene in die Spur machen. Doch es lohnt sich trotzdem, die App herunterzuladen. Die Texte sind auch offline verfügbar. (mz)