Museumstag auf Friedhof

Aschersleben: Museumstag findet auf Friedhof statt

Aschersleben - Einen dicken Ordner hatte sich Frank Reisberg unter dem Arm geklemmt; darin Biografien, Porträtaufnahmen und Fotografien von Gebäuden sowie Zeitungsausschnitte von bekannten und unbekannten Ascherslebern. Am Sonntag war diese Zusammenstellung besonders wichtig für den Leiter der Geschichtswerkstatt. Denn damit unterhielt Reisberg Besucher des Ascherslebener Friedhofes.

Von Marion Pocklitz 22.05.2016, 16:56

Einen dicken Ordner hatte sich Frank Reisberg unter dem Arm geklemmt; darin Biografien, Porträtaufnahmen und Fotografien von Gebäuden sowie Zeitungsausschnitte von bekannten und unbekannten Ascherslebern. Am Sonntag war diese Zusammenstellung besonders wichtig für den Leiter der Geschichtswerkstatt. Denn damit unterhielt Reisberg Besucher des Ascherslebener Friedhofes.

Zum Internationalen Museumstag gab es - passend zu der derzeitigen Ausstellung, „Unbekannte bekannte Ascherslebener Persönlichkeiten“ im Museum - eine Führung über den Geschichtspfad auf dem Friedhof.

Auf dem Erinnerungspfad des Ascherslebener Friedhofs in der Schmidtmannstraße sind neue QR-Codes freigeschaltet worden. Friedhofsbesucher können sich so über Ascherslebener Persönlichkeiten informieren, die dort beigesetzt wurden. So befinden sich nun Heimatforscher und Kaufmann Gerhard Stolle, der Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde Friedrich Medenwald, Buchdrucker Adolf Krömer, Arzt und Autor Paul Geish, Kaufmann Max Quenzel, Phytomediziner Maximilian Klinkowski sowie Maler und Grafiker Heinrich Rademacher in diese Reihe.

Neu auf diesem Erinnerungspfad sind sieben Persönlichkeiten, dessen Gräber nun einen sogenannten QR-Code tragen. Damit können die Biografien der jeweiligen Personen über das Internet abgerufen werden. „Diesen Pfad wollen wir auch in Zukunft noch erweitern. Jedes Jahr sollen Ascherslebener dazukommen, die nicht ganz unbekannt waren“, sagt Frank Reisberg.

"Es ist ein Wunder"

Etwa 20 Gäste fanden sich zu der ersten Führung ein, die speziell zu den Gräbern mit den neuen QR-Codes ging. So gab es den ersten Halt am Grab von Maximilian Klinkowski. „Dass dieses Grab uns noch zur Verfügung steht, ist ein Wunder. Eigentlich war es schon jahrelang abgelaufen“, erklärt Historiker Reisberg.

Klinkowski war in der Agrarwissenschaft nicht nur eine bedeutende Persönlichkeit, sondern auch der Direktor des Instituts für Phytopathologie in Aschersleben. „Ich habe ihn sehr geschätzt. Ich war ein Mitarbeiter Klinkowskis und habe für den Geschichtspfad Material über ihn zugeliefert“, sagt Klaus Neumann. Der Biologe bedankte sich für die Informationen zu Klinkowski.

Friedhofskultur erweitern

Insgesamt gibt es 22 Grabstellen auf dem Pfad, der in Zusammenarbeit mit dem Bauwirtschaftshof, den Geschichtswerkstätten und Uwe Hennig, der für die QR-Codes verantwortlich ist, entstanden ist.

„Ich finde, dass Aschersleben damit einen mutigen und sehr wichtigen Schritt in der Friedhofskultur gegangen ist“, sagt Hennig. Denn auch die junge Generation beschäftige sich wieder mit Geschichte.

Hier seien Persönlichkeiten zu finden, dessen Biografien einfach und schnell vor Ort nachzulesen seien. Insgesamt wurden in der ersten Führung elf Gräber besucht, die anderen gab es dann in einer zweiten Führung am frühen Sonntagnachmittag.

„Für uns hat sich der Weg zum Friedhof gelohnt“, sagte Jutta Turba. Auch wenn der Sonntag sonst immer anders geplant werde, „als Aschersleberin sehe ich es als Pflicht, bei solchen Veranstaltungen dabei zu sein“. Denn „viele dieser Persönlichkeiten kenne ich, weil ich mit den Nachfahren zu tun hatte“.

Weitere Aktionen kommen gut an

Zum Museumstag bestand indes auch die letzte Möglichkeit, sich die Sonderausstellung „Unbekannte bekannte Ascherslebener“ anzusehen. Der Förderverein hatte dafür ein Café auf dem Hof eingerichtet, was laut Museumschefin Luisa Töpel sehr gut angenommen wurde.

Auch die Aktion „Bestimme deinen Eintrittspreis selbst“ sei gut gelaufen, so Töpel. Keiner habe nur einen Cent als Eintritt bezahlt, sondern im Schnitt seien es drei Euro gewesen. „Das war eine gute Gelegenheit auszutesten, was den Leuten ein Besuch in ihrem Museum wert ist“, sagte die Museumschefin. Sonst kostet ein Besuch in der städtischen Einrichtung in der Regel etwas mehr Geld. (mz)