Verkehrswacht

Radfahren steht in Aschersleben im Focus

Angebote für Senioren und Jugendliche zum Umgang mit Pedelecs und E-Scootern. Testen ist ausdrücklich erwünscht.

E-Scooter erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
E-Scooter erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Foto: dpa

Aschersleben/MZ - Die Corona-Pandemie hat auch im Straßenverkehr vieles verändert. Es sind weniger Kraftfahrzeuge unterwegs, aber mehr Fahrräder und Pedelecs. Auch die verkehrsrechtlichen Vorschriften und die Sanktionen der Verstöße gegen sie sind teilweise verändert worden. Für die Verkehrswacht Aschersleben sind das eine Menge Gründe, wieder wirksam zu werden. Lothar Kraneis stand dazu Rede und Anwort.

Wie arbeitet die Verkehrswacht unter Coronabedingungen?

Lothar Kraneis: Wir führen Verkehrssicherheitsprojekte für viele Altersgruppen durch, beginnend im Kindergarten, über Projekte für Jugendliche, junge Kraftfahrer und Berufskraftfahrer bis hin zu Veranstaltungen für Senioren. Da sind im letzten Jahr eigentlich alle Veranstaltungen ausgefallen. Wir haben im April wieder mit Jugendverkehrsschulen und im Juli mit dem Kita-Projekt „Kinder im Straßenverkehr“ begonnen. In diesem Bereich haben wir bis heute etwa 30 Veranstaltungen durchgeführt.

Was sind die nächsten Veranstaltungen?

Die Projekte für die Kinder und Jugendlichen sind in der Regel bei den entsprechenden Bildungsträgern angesiedelt. Unsere nächsten öffentlichen Veranstaltungen finden am 9. und am 17. September statt. Zunächst wenden wir uns am 9. September im Bestehornhaus an die Senioren. Hier wollten wir schon im Mai 2020 den älteren Kraftfahren die kurz zuvor beschlossenen Änderungen der StVO nahebringen. Das holen wir nun nach, wobei dem Radfahren ein größerer Raum eingeräumt wird.

Radfahren kann doch fast jeder?

Die Pedelecs, also durch einen Elektroantrieb gestützte Fahrräder, unterscheiden sich in Nutzung und Gebrauch schon von herkömmlichen Fahrrädern. Zunächst sind sie durch die Aufrüstung mit dem E-Antrieb 10 bis 15 Kilogramm schwerer als normale Räder. Einzelne Modelle haben den Akku hinter dem Sattelrohr und sind somit länger. Diese Modelle verfügen in der Regel über einen Motor im Vorderrad. Damit verändert sich das Fahrverhalten in Kurven. Man fährt mit Pedelecs im Durchschnitt 18 bis 20 Kilometer pro Stunde gegenüber 15 mit einfachen Fahrrädern. Deshalb nähert man sich schneller Situationen, die eine Entscheidung verlangen. Vor allem das Überholen anderer Radfahrer kommt häufiger vor.

Warum steht das Radfahren im Mittelpunkt?

Zwei Gründe rücken das Radfahren in den Vordergrund: Schon seit 2016 vergrößert sich die Anzahl elektrisch unterstützter Fahrräder rasant. Verfügten damals reichlich drei Millionen Haushalte über ein Pedelec, so waren es 2020 schon 7,2 Millionen. Durch die Pandemie hat nicht nur diese Entwicklung 2021 mehr Fahrt aufgenommen. Auch die Anzahl und Nutzung herkömmlicher Räder ist gewachsen, denn der Weg zur Arbeit wird immer häufiger ohne Auto, aber auch nicht mittels ÖPNV zurückgelegt.

Deshalb steigt leider die Zahl der Unfälle, an denen Pedelecs beteiligt sind. In Sachsen-Anhalt waren 2018 Pedelec-Nutzer an 66 Unfällen beteiligt, 2020 ist diese Zahl auf 167 gestiegen. Hauptursachen sind das Benutzen der falschen Straßenseite, unangepasste Geschwindigkeit und Kollisionen beim Abbiegen. Leider tragen nicht alle Radfahrenden, also auch die Pedelec-Fahrer, einen Schutzhelm, so dass bei den Unfällen oft schwere Kopfverletzungen zu verzeichnen sind.

Wie will die Verkehrswacht zur Verbesserung der Situation beitragen?

Die Deutsche Verkehrswacht hat eine Reihe von Programmen aufgelegt, die den Verkehrsteilnehmern theoretisch und praktisch Handreichungen zur Verbesserung der Situation geben. Dazu dient unter anderem der Verkehrssicherheitstag für Senioren am Donnerstag, dem 9. September ab 9.30 Uhr. Pedelec-Training wird für Gruppen von sechs bis 20 Teilnehmern auf Anfrage angeboten.

Was wird für junge Verkehrsteilnehmer seitens der Verkehrswacht angeboten?

Hier gibt es das Programm „Jung, sicher, startklar“, was für angehende Kraftfahrer geeignet ist und zertifizierte Sicherheitstrainings, die auf dem Harzring in Reinstedt durchgeführt werden und für alle Altersklassen geeignet sind. Manche Arbeitgeber verlangen von ihren Mitarbeitern ein solches Training und bezahlen es auch.

Jugendliche benutzen gern Elektrokleinstfahrzeuge. Was bietet die Verkehrswacht für diese Gruppe an?

Wir bieten hier Informationen und Probieren an. Es ist vor allem rechtlich ein kompliziertes Thema, da die Scooter, die in Deutschland bis 20 Kilometer pro Stunde schnell sein dürfen, rechtlich als Kraftfahrzeuge behandelt werden.

Die Verkehrswacht Aschersleben wird am Freitag, dem 17. September, ab 13 Uhr auf dem Parkplatz des Ballhauses am See-graben eine entsprechende Veranstaltung durchführen. Hier kann Probe gefahren werden, aber Oma und Opa können sich gern darüber informieren, welche Probleme entstehen, wenn sie unbedacht dem Wunsch des Enkels nach einem Scooter als Geschenk folgen.